PKV - nicht nur wegen Corona: gemischter Marktausblick 2020

Licht und Schatten - das kennzeichnet die Situation der privaten Krankenversicherer in Deutschland, folgt man der Ratingagentur Assekurata. Diese erfasst jedes Jahr die (Stimmungs-)lage in der Versicherungswirtschaft. Die Krankenversicherungs-Sparte macht dabei traditionell den Anfang.

Im vergangenen Jahr konnten die privaten Krankenversicherer den seit Jahren festzustellenden Abschmelzungsprozess im Bereich derKrankenvollversicherung weiter verlangsamen. Der Nettobestandsverlust reduzierte sich von 0,2 Prozent in 2018 auf 0,1 Prozent. Allerdings war dies nur dank einer deutlichen Verbesserung im Beihilfegeschäft möglich. Hier verstärkte sich der Zuwachs von 0,9 Prozent auf 1,5 Prozent. Demgegenüber beschleunigte sich der Abwärtstrend im Nicht-Beihilfegeschäft - von einem 1,3 Prozent-Minus in 2018 auf -1,6 Prozent in 2019.
 

Skeptisch bei Krankenvollversicherung, positiv bei Zusatzschutz

Die noch vergleichsweise gute Situation in der Krankenvollversicherung ist damit alleine den Beamten in der PKV zu verdanken. Ihr Anteil am Versichertenbestand erhöhte sich von 50,3 Prozent auf 51,0 Prozent. Nach den Aussichten der privaten Krankenvollversicherung befragt äußerten sich die privaten Krankenversicherer überwiegend skeptisch. Nur ein Anbieter bewertete die derzeitige Geschäftslage positiv, bei den weiteren Perspektiven waren es zwei. An der Markteinschätzung beteiligten sich 19 Versicherer, die knapp die Hälfte des Marktes repräsentieren.

Insgesamt wurde die Geschäftslage aber wegen der deutlich besseren Entwicklung in der privaten Krankenzusatzversicherung leicht positiv bewertet. Die Zahl der Versicherungsverträge legte 2019 um 2,1 Prozent zu. Wachstumstreiber war dabei vor allem die betriebliche Krankenversicherung (bKV) mit einem Plus von 16,6 Prozent. Ohne die bKV wäre das Zusatzversicherungsgeschäft nur um 1,7 Prozent gewachsen. Verhalten war dagegen die Entwicklung der privaten Pflegezusatzversicherung. Der Versicherungsbestand nahm hier nur geringfügig zu, was mit den spürbaren Beitragsanpassungen im Jahresverlauf erklärt wird.
 

Überraschend gut - Ergebnis der Kapitalanlagen

Eine positive Überraschung gab es auch: das Anlageergebnis verbesserte sich 2019 um 1,1 Mrd. Euro und trug wesentlich dazu bei, dass sich das Rohergebnis nach Steuern um 0,8 Mrd. Euro auf fast 5,9 Mrd. Euro erhöhte. Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen stieg damit von 3,0 Prozent im Schnitt auf 3,3 Prozent an, was angesichts der nach wie vor bestehenden Niedrigzinssituation und des herrschenden Anlagenotstands eine erstaunliche Leistung ist. Die privaten Krankenversicherer können vor diesem Hintergrund mit ihrem Geschäftsergebnis 2019 durchaus zufrieden sein.
 

Corona belastet und entlastet

Einschätzungen zum Geschäftsergebnis 2020 sind nach Assekurata-Angaben schwierig. Corona hat hier die Kalkulationen gründlich über den Haufen geworfen und Prognosen zur weiteren Entwicklung sind mit großen Unsicherheiten behaftet. Zwei gegenläufige Trends sind zu beobachten:

  • viele Arztbesuche und -behandlungen werden derzeit so weit möglich aufgeschoben oder vermieden, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Aus Krankenversicherungssicht bedeutet das weniger Leistungsausgaben und damit weniger Kosten;

  • die Corona-Pandemie verursacht aber auch zusätzliche Ausgaben, nicht nur wegen der Behandlung der Betroffenen, sondern auch wegen der Beteiligung der PKV an den Mehrkosten von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Ein weiterer zusätzlicher Kostenfaktor ist die Hygienepauschale – die Extravergütung für Ärzte wegen Corona-Schutzmaßnahmen.

Bisher wenig zu spüren sind Corona-bedingte Tarifwechsel wegen wirtschaftlicher Notlagen. Die Inanspruchnahme von Basis-, Standard- und Notlagentarif hat sich nur wenig verändert. Ob das so bleibt, hängt davon ab, wie schnell oder langsam sich die Wirtschaft nach den Lockerungen wieder erholt. Verstärkte Tarifwechsel in die „Not-Tarife“ durch Arbeitslosigkeit, Geschäftsstillstand oder Insolvenz würden auch das Geschäft der Versicherer belasten.
 

Ergebnis 2020 - wahrscheinlich schlechter

Das Anlageergebnis dürfte in diesem Jahr deutlich schlechter ausfallen. Die Kapitalmarktsituation ist 2020 noch schwieriger als 2019. Von daher ist damit zu rechnen, dass das zufriedenstellende Ergebnis 2019 nicht wiederholt werden kann. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Zahlen am Ende schwarz und nicht rot sind.

"Privatpatient" werden und trotzdem weniger bezahlen, als ein Kassenpatient?

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Erfüllen Sie diese Voraussetzungen nicht, können Sie dennoch Ihren Versicherungsschutz über private "Zusatztarife" aufwerten.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung - vorausgesetzt man ist beim richtigen Anbieter.

Tipp: Ob Sie bereits privat versichert sind, oder es noch vorhaben: Vergleichen Sie vor einem Wechsel über 38 Gesellschaften und sparen Sie so "regelmäßig" bis zu mehrere hundert Euro monatlich - kostenlos und unverbindlich!

Weiter zum Vergleich >>>

Beliebte Artikel zum Thema:

Es war bereits befürchtet worden - die Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen hat sich im 1. Quartal 2020 weiter verschlechtert. Nachdem bereits das Jahr 2019 mit einem Minus von 1,5 Mrd. Euro abgeschlossen worden war, sind in den ersten drei
Nach wie vor beherrscht die Corona-Pandemie die Schlagzeilen. Auch wenn nun mehrere Impfstoffe in greifbare Nähe gerückt sind, überwunden ist das Infektionsgeschehen noch lange nicht. Corona bedeutet nicht nur ein ernstes Gesundheitsrisiko. Das Virus
Die Sozialtatife in der PKV sind gesetzlich geregelte Tarife, die jeder private Krankenversicherer anbieten muss. Sie sollen Versicherten auch bei geringer oder fehlender finanzieller Leistungsfähigkeit eine angemessene medizinische Versorgung zu
Die Corona-Krise kostet das deutsche Gesundheitssystem viel Geld. Das gilt nicht nur aufgrund der notwendigen Behandlungen von Corona-Kranken. Die Politik hat eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen auf den Weg gebracht, die der Corona-Vorbeugung dienen
Im vergangenen Jahr wechselten erneut mehr Menschen von der GKV in die PKV als umgekehrt. Damit scheint ein jahrelanger Trend zugunsten der gesetzlichen Krankenkassen gestoppt. Ob das reicht, den Abschmelzungsprozess in der privaten
Ärztliche Behandlungen, Krankenhausaufenthalte, Arzneimittel und andere Maßnahmen für die Gesundheit verursachen in Deutschland jedes Jahr mehr Ausgaben als der Bundeshaushalt. Im Jahr 2018 waren das 390,6 Mrd. Euro oder 4.712 Euro pro Kopf. Dies hat
Der durch die Corona-Krise bewirkte wirtschaftliche Stillstand hat Auswirkungen für Millionen Arbeitnehmer. Viele arbeiten derzeit im Home Office. Andere sind zeitweise zur Untätigkeit verdammt. Zahlreiche Unternehmen haben für ihre Beschäftigten
Fast 9 Millionen Deutsche sind privat krankenversichert: kurzfristige Terminvergaben sowie kurze Wartezeiten, medizinische Behandlungen auf höchstem Niveau, hohe Zuzahlungen für Zahnersatz und eine Zufriedenheitsrate über 90 % offenbare greifbare
Im Jahr 2014 ist hierzulande die Gesamtzahl an privaten Voll- und Zusatzversicherungen auf 32,76 Millionen gestiegen: Die Zahl der Krankenvollversicherungen beträgt somit 8,83 Millionen und der Anstieg der Zusatzpolicen auf 23,93 Millionen zeigt den
Eine gute Krankenversicherung kostet Geld. Das versteht sich von selbst. Ohne die Beiträge der Versicherten könnten private Krankenversicherer ihre Leistungen nicht erbringen. Doch wovon hängen die PKV-Beiträge eigentlich ab und wie setzen sie sich