PKV – Trotz Corona-Krise: nur wenige nutzen die Sozialtarife

Die Sozialtatife in der PKV sind gesetzlich geregelte Tarife, die jeder private Krankenversicherer anbieten muss. Sie sollen Versicherten auch bei geringer oder fehlender finanzieller Leistungsfähigkeit eine angemessene medizinische Versorgung zu bezahlbaren Beiträgen bieten.

Obwohl es durchaus eine signifikante Anzahl an Privatversicherten mit wirtschaftlichen Problemen gibt, werden die Sozialtarife nur wenig in Anspruch genommen. Das zeigen aktuelle statistische Zahlen.
 

Welche Sozialtarife gibt es – ein Überblick

Wenn von Sozialtarifen die Rede ist, geht es konkret um drei Tarife:

  • den Basistarif: dieser 2009 eingeführte Tarif bietet ein vergleichbares Leistungsniveau wie die GKV. Er steht allen PKV-Versicherten offen. Der Beitrag darf nicht höher sein als der Höchstbeitrag in der GKV zzgl. dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag;

  • den Standardtarif: diesen Vorläufer-Tarif des Basistarifs können noch Versicherte nutzen, die bereits 2009 länger in der PKV versichert waren und zusätzlich einige andere Bedingungen erfüllen. Das sind ganz überwiegend ältere Versicherte. Hier darf der Beitrag den Höchstbeitrag in der GKV nicht überschreiten. Im Tarif versicherte Ehepaare zahlen maximal 150 Prozent des Höchstbeitrags. Auch der Standardtarif bietet ähnliche Leistungen wie die GKV.

  • den Notlagentarif: dieser Tarif wurde 2013 eingeführt, um Privatversicherten in wirtschaftlichen Notlagen, die die Beiträge nicht mehr zahlen können, einen Mindestschutz und eine sich auf das unbedingt Notwendige beschränkte medizinische Versorgung zu ermöglichen. Der Notlagentarif ist nicht allgemein zugänglich. Bei Zahlungsverzug erfolgt nach gewisser Zeit eine automatische Einstufung. Die Beiträge liegen um die 100 Euro im Monat.
     

Am häufigsten genutzt, aber rückläufig – der Notlagentarif

Bevor der Notlagentarif eingeführt wurde, gab es in der PKV rund 149.000 Nichtzahler, also PKV-Versicherte, die ihre Beiträge schuldig blieben. Gemessen daran ist die Zahl der Betroffenen seit Einführung des Tarifs immer kleiner geworden. Im vergangenen Jahr befanden sich Ende noch 97.100 Personen im Notlagentarif. 2018 waren es 102.200 gewesen und 2017 106.200. Das Peak-Jahr bildete 2014 mit 114.000 Notlagen-Versicherten. Seither sind die Zahlen kontinuierlich rückläufig. Dennoch bleibt der Notlagentarif der PKV-Sozialtarif, der mit Abstand am häufigsten in Anspruch genommen wird.
 

Standardtarif immer noch beliebter als Basistarif

Im Standardtarif waren 2018 51.400 Personen versichert, kaum eine Veränderung gegenüber dem Jahr zuvor. 2009 - bei Einführung des Basistarifs - nutzten 38.400 Versicherte den Standardtarif. Den Basistarif wählten 2009 17.900 Betroffene, Ende 2019 hat sich diese Zahl auf 32.400 erhöht. Bemerkenswert ist, dass der Standardtarif – obwohl Auslaufmodell und nur eingeschränkt zugänglich – immer noch häufiger in Anspruch genommen wird als der Basistarif.

Das mag an den günstigen Versicherungsbedingungen im Vergleich zum Basistarif liegen, aber auch daran, dass vor allem ältere Versicherte, die noch Zugang zum Standardtarif haben, Probleme mit den PKV-Beiträgen haben. Nimmt man alle drei Sozialtarife zusammen, werden sie mal gerade von knapp 2,1 Prozent der privat Versicherten in Anspruch genommen. Der Notlagentarif hat daran einen Anteil von gut 50 Prozent.
 

Bisher noch kaum Corona-Effekte

Kaum verändert zeigt sich übrigens die Nutzung des Basistarifs im Zuge von Corona. Die Zahl der im Basistarif Versicherten hat sich im ersten Halbjahr 2020 lediglich um 600 gegenüber Ende 2019 erhöht. Gerade bei vielen PKV-versicherten Selbständigen waren Beitragsschwierigkeiten im Umfeld der Corona-Krise befürchtet worden. Staatliche Hilfsmaßnahmen und das als Option eingeräumte Beitrags-Moratorium haben offenbar gewirkt. Allerdings dürften die wahren Effekte sich erst im 2. Halbjahr zeigen. Auf die Zahlen darf man gespannt sein.

"Privatpatient" werden und trotzdem weniger bezahlen, als ein Kassenpatient?

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Erfüllen Sie diese Voraussetzungen nicht, können Sie dennoch Ihren Versicherungsschutz über private "Zusatztarife" aufwerten.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung - vorausgesetzt man ist beim richtigen Anbieter.

Tipp: Ob Sie bereits privat versichert sind, oder es noch vorhaben: Vergleichen Sie vor einem Wechsel über 38 Gesellschaften und sparen Sie so "regelmäßig" bis zu mehrere hundert Euro monatlich - kostenlos und unverbindlich!

Weiter zum Vergleich >>>

Beliebte Artikel zum Thema:

Nach wie vor beherrscht die Corona-Pandemie die Schlagzeilen. Auch wenn nun mehrere Impfstoffe in greifbare Nähe gerückt sind, überwunden ist das Infektionsgeschehen noch lange nicht. Corona bedeutet nicht nur ein ernstes Gesundheitsrisiko. Das Virus
Jeder Arbeitnehmer in einem Unternehmen muss mit der Möglichkeit rechnen, arbeitslos zu werden oder in Kurzarbeit zu gehen, wenn die Geschäftslage schlecht ist oder der Arbeitgeber insolvent wird. Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, dass das unter
Die Corona-Krise kostet das deutsche Gesundheitssystem viel Geld. Das gilt nicht nur aufgrund der notwendigen Behandlungen von Corona-Kranken. Die Politik hat eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen auf den Weg gebracht, die der Corona-Vorbeugung dienen
Es war bereits befürchtet worden - die Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen hat sich im 1. Quartal 2020 weiter verschlechtert. Nachdem bereits das Jahr 2019 mit einem Minus von 1,5 Mrd. Euro abgeschlossen worden war, sind in den ersten drei
Im vergangenen Jahr wechselten erneut mehr Menschen von der GKV in die PKV als umgekehrt. Damit scheint ein jahrelanger Trend zugunsten der gesetzlichen Krankenkassen gestoppt. Ob das reicht, den Abschmelzungsprozess in der privaten
Licht und Schatten - das kennzeichnet die Situation der privaten Krankenversicherer in Deutschland, folgt man der Ratingagentur Assekurata. Diese erfasst jedes Jahr die (Stimmungs-)lage in der Versicherungswirtschaft. Die Krankenversicherungs-Sparte
Ärztliche Behandlungen, Krankenhausaufenthalte, Arzneimittel und andere Maßnahmen für die Gesundheit verursachen in Deutschland jedes Jahr mehr Ausgaben als der Bundeshaushalt. Im Jahr 2018 waren das 390,6 Mrd. Euro oder 4.712 Euro pro Kopf. Dies hat
Der durch die Corona-Krise bewirkte wirtschaftliche Stillstand hat Auswirkungen für Millionen Arbeitnehmer. Viele arbeiten derzeit im Home Office. Andere sind zeitweise zur Untätigkeit verdammt. Zahlreiche Unternehmen haben für ihre Beschäftigten
Vor einem Jahr sorgten zum Teil massive Beitragserhöhungen bei vielen PKV-Versicherten für erhebliche Aufregung. Damals hoben die Versicherer die Prämien häufig im zweistelligen Prozentbereich an. Die Verteuerung war überdies auf eine längere Phase
PKV-Versicherten, denen die Beiträge zu hoch werden, stehen verschiedene Möglichkeiten offen, für Entlastung zu sorgen. Am einfachsten ist der Wechsel in einen günstigeren Tarif beim bisherigen Versicherer. Die Ultima Ratio stellt der Wechsel in den