Auch schon vor Corona - deutsche Gesundheitsausgaben deutlich gestiegen

Ärztliche Behandlungen, Krankenhausaufenthalte, Arzneimittel und andere Maßnahmen für die Gesundheit verursachen in Deutschland jedes Jahr mehr Ausgaben als der Bundeshaushalt. Im Jahr 2018 waren das 390,6 Mrd. Euro oder 4.712 Euro pro Kopf. Dies hat das Statistische Bundesamt jetzt mitgeteilt.

Auch 2019 hat sich der Anstieg fortgesetzt. Hierfür gibt es allerdings bislang nur Schätzwerte. Die Statistiker gehen von einem Ausgabenbetrag von 407,4 Mrd. Euro aus. Das wären 4,3 Prozent mehr als 2018. Damals waren 4,0 Prozent Mehrausgaben im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen gewesen. Man kann daher von einer gewissen Ausgabendynamik sprechen.
 

Steigende Gesundheitsausgaben - steigende Beiträge

Dass die Gesundheitsausgaben im Zeitablauf steigen, ist fast zwangsläufig. Hier spiegeln sich nicht nur die allgemeinen Preissteigerungen und die Lohnentwicklung wider. Aufgrund der höheren Lebenserwartung und des demografischen Wandels besteht auch mehr Behandlungsbedarf. Zusätzliche Leistungen aufgrund gesetzlicher Verbesserungen, neue Behandlungsverfahren und innovative Techniken tun ein Übriges. Aus diesem Grund liegt derAusgabenanstieg meist deutlich über der Inflationsrate.

Wenn die Gesundheitsausgaben über längere Zeit stärker steigen als Verbraucherpreise und Löhne, sind höhere Beiträge für die Krankenversicherung unausweichlich. In der GKV zeigt sich das in höheren Zusatzbeiträgen, in der PKV in Beitragsanpassungen bei den einzelnen Krankenversicherungs-Tarifen. Die Riesensummen des Gesundheitswesens sind auch volkswirtschaftlich eine beachtliche Größe. Sie erreichten 2018 11,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Anteil lag damit um 0,1 Prozentpunkte höher als 2017.
 

Wer hat wieviel gezahlt?

Interessant ist die Analyse, wer die Ausgaben getragen hat. Wenig überraschend waren die gesetzlichen Krankenkassen 2018 der größte Ausgabenträger für Gesundheitsmaßnahmen. Sie zahlten 222,1 Mrd. Euro - 3,7 Prozent mehr als 2017. Ihr Anteil an den Gesundheitsausgaben insgesamt macht 56,9 Prozent aus.

Auf Platz 2 folgen die privaten Haushalte und Organisationen ohne Erwerbszweck. Sie wandten 2018 52,1 Mrd. Euro für Gesundheit (+ 3,5 Prozent) auf. Das entspricht einem Anteil von 13,3 Prozent an den Gesundheitsausgaben. Anlass für solche Ausgaben sind Zuzahlungen, Ausgaben für nicht-verschreibungspflichtige Medikamente und für Gesundheitsleistungen, die nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

Der drittgrößte Ausgabenträger war 2018 die soziale Pflegeversicherung. Sie wandte 39,5 Mrd. Euro auf und trug damit 10,1 Prozent der Gesundheitsausgaben. Hier ist besonders der Ausgabenanstieg im Vergleich zum Vorjahr bemerkenswert. Er betrug 6,2 Prozent - mehr als bei jedem anderen Ausgabenträger. Gründe dafür dürften vor allem in den deutlichen Leistungsverbesserungen in der Pflege aufgrund der vorangegangenen Pflegereformen zu suchen sein.

Die private Krankenversicherung folgt mit 33,3 Mrd. Euro Ausgaben und einem Anteil von 8,5 Prozent auf Platz 4. Dieser Prozentsatz entspricht ungefähr dem Anteil der Privatversicherten an der Gesamtbevölkerung. Auch hier gab es mit 5,0 Prozent Mehrausgaben einen überproportionalen Ausgabenanstieg.
 

Die wichtigsten Finanzierungsquellen

Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen über die Sozialversicherungsbeiträge den Löwenanteil zur Ausgabenfinanzierung bei. 2018 leisteten dieArbeitnehmer 97,7 Mrd. Euro, die Arbeitgeber 91,5 Mrd. Euro. Staatliche Transfers machten 53,5 Mrd. Euro aus. Hierunter fallen insbesondereBundeszuschüsse zum Gesundheitsfonds und die Beihilfezahlungen für Beamte. Die Bundeszuschüsse dienen in erster Linie zur Finanzierung der Familienversicherung in der GKV. In dieser Rechnung sind Beiträge der Rentner und der Rentenversicherung nicht berücksichtigt. Ebenfalls außen vor bleiben die aus der privaten Haushaltskasse geleisteten Gesundheitsausgaben.

"Privatpatient" werden und trotzdem weniger bezahlen?

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Erfüllen Sie diese Voraussetzungen nicht, können Sie dennoch Ihren Versicherungsschutz über private "Zusatztarife" aufwerten.

Das Privileg "Privatpatient" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger als in der gesetzlichen Krankenversicherung - vorausgesetzt, man ist beim richtigen Anbieter.
 

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