
Stand: Mai 2026
Kurz gesagt
Die private Krankenvollversicherung deckt über den Volltarif fünf Grundbereiche ab: ambulant, Zahn, stationär, Pflege und den Zuschlag für die Alterungsrückstellungen. Darüber hinaus lassen sich gezielt Zusatzleistungen vereinbaren – etwa höhere Zahnersatz-Erstattung, Einzelzimmer und Chefarztbehandlung, Pflege-, Kur- oder Heilmittelbausteine.
Für Selbstständige ist das Krankentagegeld der wichtigste Zusatzbaustein, weil es im Krankheitsfall den Verdienstausfall auffängt. Welche weiteren Bausteine sinnvoll sind, richtet sich nach dem individuellen Bedarf und Gesundheitszustand.
Wer die Voraussetzungen für die Aufnahme in die private Krankenversicherung erfüllt, sollte sich schon zu Beginn mit der Frage befassen, welcher Versicherungsschutz zur eigenen Situation passt. Da die Beiträge zur PKV grundsätzlich nicht vom Einkommen abhängen, werden für ihre Berechnung das Eintrittsalter und gesundheitliche Risiken herangezogen. Im oft günstigen Basistarif ist eine Grundabsicherung gewährleistet; wer für bestimmte Bereiche einen weitergehenden Schutz wünscht, kann Zusatzbausteine in den Tarif aufnehmen, die sich flexibel kombinieren lassen. So bleiben mögliche Mehrkosten von Anfang an transparent. Zudem ist der Tarif nicht in Stein gemeißelt: Er kann zu einem späteren Zeitpunkt angepasst werden – auch, um die Kosten an die jeweilige Lebenssituation anzupassen. Im Folgenden werden die sinnvollen Zusatzbausteine kompakt vorgestellt.
Überblick: die Bausteine der privaten Krankenversicherung
Zu den grundsätzlichen Bausteinen in der PKV gehören – unabhängig vom gewählten Tarif – der ambulante Schutz (Arztbesuche), der Zahnschutz, der stationäre Schutz (Krankenhausaufenthalte), die Pflegeversicherung sowie der gesetzlich vorgeschriebene Zuschlag zur Beitragsentlastung im Alter. Im Rahmen dieser Alterungsrückstellung werden monatlich 10 Prozent des Beitrags in eine Rücklage gestellt, die die Beitragsentwicklung im Alter dämpfen soll (§ 149 VAG). Dieser Zuschlag ist gesetzlich vorgesehen und folgt der langfristigen Logik der privaten Krankenversicherung. Mit einem für junge und gesunde Selbstständige oft günstigen Basistarif ist in diesen Grundbereichen eine bedarfsgerechte Versorgung abgesichert.
Je nach Tarif ist zu klären, welche Leistungen konkret enthalten sind und ob ein Zusatzbaustein die Versorgung in einzelnen Bereichen erweitern soll. Beim ambulanten Schutz geht es neben Arztkosten und Medikamenten auch um Heilmittel (etwa Massagen oder Krankengymnastik) sowie Hilfsmittel wie Brillen oder Hörgeräte; ein Zusatzbaustein kann hier höhere Erstattungen vorsehen. Ähnlich beim Zahnschutz: Die Erstattungshöhe lässt sich tariflich festlegen, beim Zahnersatz typischerweise in einer Spanne von rund 40 bis 90 Prozent. Beim stationären Schutz können privat Versicherte die Bausteine Chefarztbehandlung und Ein- oder Zweibettzimmer wählen. Bei der Zusammenstellung des Tarifs lassen sich also – unter Berücksichtigung von Gesundheitszustand und Wünschen – die gewünschten Leistungen gezielt auswählen; spätere Anpassungen bleiben möglich.
Wie sich der Beitrag zusammensetzt
Der konkrete Monatsbeitrag ergibt sich aus dem Eintrittsalter, den bei der Gesundheitsprüfung festgestellten Risiken und dem gewählten Leistungsumfang. Je mehr Bausteine eingeschlossen werden, desto höher fällt der Beitrag aus. Viele Tarife sehen optional eine Beitragsrückerstattung vor, wenn über einen längeren Zeitraum – etwa ein ganzes Kalenderjahr – keine Leistungen abgerechnet wurden. Anders als gesetzlich Versicherte müssen privat Versicherte keine Beitragserhöhung allein deshalb fürchten, weil ihr Einkommen steigt; der Beitrag ist einkommensunabhängig.
Das Krankentagegeld – der zentrale Baustein für Selbstständige
Zu Beginn sollten sich Selbstständige fragen, wie sie den Krankheitsfall finanziell absichern. Kann wegen einer schwereren Erkrankung nicht gearbeitet werden, fallen die Einnahmen von heute auf morgen weg. Anders als gesetzlich versicherte Angestellte erhalten privat Versicherte keine Lohnfortzahlung. Daher sollte der Baustein Krankentagegeld in den Tarif aufgenommen werden. Höhe und Beginn der Leistung lassen sich individuell festlegen: Üblich ist eine Auszahlung ab dem 43. Krankheitstag, viele Versicherer bieten aber auch deutlich frühere Zahlungen an – etwa ab dem 8., 15. oder 22. Tag. Gerade für Selbstständige mit Familie kann ein früherer Leistungsbeginn sinnvoll sein. In jedem Fall sollte sorgfältig kalkuliert werden, in welcher Höhe die wegfallenden Einnahmen ausgeglichen werden müssen.
Vom Krankentagegeld zu unterscheiden ist das Krankenhaustagegeld. Es zahlt einen festen Tagessatz für jeden Tag eines Klinikaufenthalts – unabhängig von den eigentlichen Behandlungskosten, die der Volltarif ohnehin trägt. Als Baustein der Einkommensabsicherung ersetzt es das Krankentagegeld nicht; es kann lediglich zusätzliche Aufwendungen während eines stationären Aufenthalts auffangen.
Weitere sinnvolle Zusatzbausteine
Neben der Alterungsrückstellung kann es mit Blick auf die Vorsorge sinnvoll sein, eine private Pflegezusatzversicherung einzuschließen. Sie kann Kosten auffangen, die über die Leistungen der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung hinausgehen, und auch Hilfsmittel oder die Anpassung der Wohnsituation mit abdecken. Für manche Selbstständige kommt zudem ein Kurtarif in Betracht: In vielen Basistarifen sind solche Rehabilitationsleistungen nicht enthalten. Wer etwa an einer chronischen Erkrankung leidet und auf Rehabilitationsmaßnahmen angewiesen ist, sollte einen entsprechenden Baustein prüfen.
Häufig sinnvoll ist außerdem der Optionstarif. Mit ihm lässt sich das Recht sichern, später ohne erneute Gesundheitsprüfung in einen leistungsstärkeren Tarif zu wechseln. Das gibt Selbstständigen in der Existenzgründungsphase Spielraum: Sie können sich zunächst günstig versichern und den Schutz später erweitern, sofern dies aus gesundheitlicher oder finanzieller Sicht angezeigt ist.
Private Zusatzversicherungen sind auch für gesetzlich Versicherte relevant
Dass private Zusatzpolicen stark nachgefragt sind, zeigt ihre Verbreitung: Ende 2024 bestanden in Deutschland rund 31 Millionen private Krankenzusatzversicherungen, Tendenz weiter steigend (PKV-Verband). Mit einer solchen Police können sich auch gesetzlich Versicherte in einzelnen Bereichen gegen hohe Eigenanteile absichern. Stark nachgefragt sind insbesondere Zahnzusatzversicherungen, die das finanzielle Risiko bei kostenintensivem Zahnersatz begrenzen. Mit einer Krankenhauszusatzversicherung lassen sich auch als gesetzlich Versicherter Wahlleistungen wie Chefarztbehandlung oder Einbettzimmer absichern. Und eine private Pflegezusatzversicherung ermöglicht es, frühzeitig für den Pflegefall vorzusorgen.
Fazit
Die große Zahl privater Zusatzpolicen zeigt, dass dieser individuell gestaltbare Schutz sowohl gesetzlich als auch privat Versicherten offensteht und breit genutzt wird. Welcher Zusatzbaustein im Einzelfall passt, lässt sich nicht pauschal sagen – maßgeblich sind der persönliche Bedarf und der Gesundheitszustand. Beim Krankentagegeld sollten Selbstständige jedoch nicht sparen, damit im Krankheitsfall der Verdienstausfall aufgefangen wird. Wer sich für einen Tarif beziehungsweise Anbieter entscheidet, sollte nicht nur auf einen einzigen Faktor schauen: Neben Leistungen und Kosten kann auch die Beitragshistorie eines Tarifs Hinweise auf die künftige Entwicklung geben.
Zusammenfassung: sinnvolle Zusatzbausteine
- Die fünf Grundbereiche der PKV (ambulant, Zahn, stationär, Pflege, Alterungsrückstellung) sind über den Volltarif abgesichert.
- Wer einzelne Bereiche stärker absichern will, kann gezielt Zusatzbausteine wählen – etwa für Zahnersatz, Heil- und Hilfsmittel oder Kuraufenthalte.
- Mit dem Optionstarif lässt sich zunächst günstig einsteigen und der Schutz später bedarfsgerecht erweitern.
- Das Krankentagegeld ist für Selbstständige der wichtigste Baustein zur Einkommensabsicherung.
- Die Vorsorge fürs Alter erfolgt automatisch über die Alterungsrückstellung; eine Pflegezusatzversicherung kann das Versorgungsniveau zusätzlich verbessern.
- Private Zusatzversicherungen stehen auch gesetzlich Versicherten offen – rund 31 Millionen bestehende Policen belegen die hohe Nachfrage.
Häufige Fragen zu Leistungserweiterungen in der PKV
Welche Bausteine gehören zur PKV-Grundabsicherung?
Warum ist das Krankentagegeld für Selbstständige besonders wichtig?
Was bringt ein Optionstarif?
Lohnt sich ein Krankenhaustagegeld zusätzlich zum stationären Schutz?
Quellen & weiterführende Informationen
- § 149 VAG – gesetzlicher Beitragszuschlag (10 %) zur Bildung von Alterungsrückstellungen.
- § 192 VVG – Leistungen des Versicherers in der Krankenversicherung (u. a. Krankentagegeld).
- PKV-Verband: Branchenzahlen – Zahl der privaten Zusatzversicherungen (rund 31 Mio., Ende 2024).