
Stand: Juni 2026
Kurz gesagt
Selbstständige und Freiberufler können frei zwischen freiwilliger GKV und PKV wählen. In der PKV richtet sich der Beitrag nach Eintrittsalter, Gesundheitszustand und Leistungsumfang – nicht nach dem Einkommen. Wer jung und gesund einsteigt, zahlt oft weniger als in der freiwilligen GKV, und steigende Gewinne erhöhen den Beitrag nicht.
Wichtig zu bedenken: In der PKV gibt es keine kostenlose Familienversicherung, ein Krankentagegeld muss extra vereinbart werden, und der Weg zurück in die GKV ist nur eingeschränkt möglich.
In Deutschland besteht grundsätzlich eine Versicherungspflicht in der Krankenversicherung. Das duale System aus gesetzlichen und privaten Kassen eröffnet gerade Selbstständigen, Freiberuflern und Existenzgründern aber echte Wahlmöglichkeiten. Das Gesetz regelt klar, wer sich in welcher Form versichern darf: Beamte, Studenten, Freiberufler und Selbstständige können sich unabhängig von der Höhe ihrer Einkünfte privat versichern. Angestellte können das nur, wenn ihr Einkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt (2026: 77.400 Euro brutto im Jahr); andernfalls bleiben sie pflichtversichert oder können freiwillig gesetzlich versichert sein. Für Selbstständige entfällt diese Einkommensgrenze – das schafft in der PKV eine gewisse Planungssicherheit. Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte für Selbstständige sachlich beleuchtet.
Wie werden die Beiträge berechnet?
An der Beitragsberechnung zeigt sich der grundlegende Unterschied beider Systeme: In der gesetzlichen Variante werden die Beiträge nach dem Einkommen bemessen, in der privaten nach dem individuellen Risiko. Auch wer zu Beginn der Existenzgründung noch wenig verdient, zahlt in der GKV mindestens den Beitrag auf die Mindestbemessungsgrundlage (2026: 1.318,33 Euro im Monat). Mit steigendem Einkommen wächst der Beitrag bis zur Beitragsbemessungsgrenze (2026: 5.812,50 Euro im Monat). Den vollen Beitrag tragen Selbstständige allein.
In der PKV sind dagegen das Eintrittsalter und der Gesundheitszustand die wesentlichen Faktoren für die Beitragshöhe. Sofern keine gravierenden Vorerkrankungen vorliegen, kann der Beitrag mit einem passend gewählten Tarif niedriger ausfallen als in der gesetzlichen Krankenversicherung – muss es aber nicht. Welche Form günstiger ist, hängt vom Einzelfall ab und sollte sachlich gerechnet werden.
GKV-Beitrag als Selbstständige/r schätzen
Bevor man die PKV in Betracht zieht, lohnt der Blick auf die Alternative: Der folgende Schätzer zeigt, was die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung 2026 monatlich kosten würde – je nach Gewinn, mit oder ohne Krankengeldanspruch. Berechnet wird nur der Beitrag zur Krankenversicherung; die Pflegeversicherung kommt separat hinzu.
Beitragsschätzer: freiwillige GKV für Selbstständige (2026)
Monatlichen Gewinn eintragen – der Rechner schätzt den Kassenbeitrag zur Krankenversicherung. Die Beiträge tragen Selbstständige allein (kein Arbeitgeberanteil).
Inklusive durchschnittlichem Zusatzbeitrag (2026: 2,9 %); die tatsächliche Kasse kann abweichen. Beitragspflichtig ist das Einkommen mindestens in Höhe der Mindestbemessungsgrundlage (2026: 1.318,33 €/Mon) und höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze (2026: 5.812,50 €/Mon). Die Pflegeversicherung kommt zusätzlich hinzu und ist hier nicht enthalten.
Unverbindliche Orientierung, Angaben ohne Gewähr – keine individuelle Beratung.
Mehr Flexibilität beim Leistungsumfang
In der PKV lässt sich der Schutz individueller zusammenstellen als im stärker standardisierten System der GKV. Ein Basistarif sichert die Grundversorgung auf GKV-Niveau ab; daneben sind je nach Tarif weitere Leistungen wählbar. Junge und gesunde Freiberufler finden in der PKV teils Tarife im unteren dreistelligen Bereich, in der GKV ist das bei vergleichbarem Leistungsumfang kaum möglich. Auch ein Antrag auf Beitragssenkung für Selbstständige mit geringem Einkommen senkt den GKV-Beitrag nur begrenzt.
Ein weiterer Punkt betrifft die Beitragsentwicklung im Alter: Ein Teil der PKV-Beiträge fließt in Altersrückstellungen, die die Beitragssteigerung im Alter dämpfen sollen. Wer später den Anbieter wechselt, kann diese Rückstellungen allerdings nur in Höhe des Basistarif-Anteils mitnehmen; ein interner Tarifwechsel nach § 204 VVG erhält sie dagegen vollständig.
Welche Form der Krankenversicherung kommt für mich infrage?
Diese Frage lässt sich nur individuell beantworten – mit Blick auf Lebensumstände, Familienplanung und Zukunftsplanung. Wegen der unterschiedlichen Beitragslogik ist die PKV für junge, gesunde Selbstständige und für Studenten häufig eine ernsthafte Option. Je nach Gesundheitszustand kann ein Tarif zudem auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden – vom Basistarif bis zu erweiterten Leistungen.
Dass viele gesetzlich Versicherte ihren Schutz ergänzen, zeigt die Verbreitung privater Zusatzversicherungen: In Deutschland bestehen rund 31 Millionen solcher Policen (Ende 2024, PKV-Verband) – etwa für die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus oder für hochwertigen Zahnersatz. Ein Vorteil der PKV bleibt, dass steigende Einkünfte nicht zu steigenden Beiträgen führen. Und ein späterer Wechsel zurück in die GKV ist möglich, wenn eine versicherungspflichtige Beschäftigung mit einem Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze aufgenommen wird – allerdings in der Regel nur vor Vollendung des 55. Lebensjahres.
Für den Krankheitsfall vorsorgen: Besonderheiten für Selbstständige
Freiberufler und Selbstständige zahlen aufgrund ihres Status nicht in die Sozialversicherung ein. Im Krankheitsfall erhalten sie daher keine Lohnfortzahlung, wenn sie über längere Zeit nicht arbeiten können. Beim Abschluss einer privaten Krankenversicherung sollte deshalb darauf geachtet werden, dass ein Krankentagegeld mitversichert ist. Höhe und Beginn der Zahlung lassen sich an den individuellen Bedarf anpassen; üblich ist eine Höhe, die in etwa den durchschnittlichen Einnahmen entspricht. Eine Orientierung bieten die laufenden Kosten und Verbindlichkeiten, die mindestens gedeckt sein müssen. Wer früh abschließt, zahlt dafür in der Regel weniger. Zu bedenken ist außerdem die Absicherung gegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit.
Ein wesentlicher Unterschied zur GKV: In der privaten Krankenversicherung gibt es keine kostenlose Familienversicherung. Je nach Alter und Familienplanung sollte dieser Faktor mitbedacht werden – für Studenten und junge Existenzgründer steht er zunächst weniger im Vordergrund.
Die wichtigsten Punkte für Selbstständige im Überblick
- die Beiträge berechnen sich nach Alter und Gesundheit, nicht nach dem Einkommen;
- höhere Einnahmen führen nicht automatisch zu höheren Beiträgen;
- der Versicherungsschutz lässt sich individuell zusammenstellen und später anpassen;
- freie Arztwahl und Zugang zu einem breiten Behandlungsspektrum;
- bei leistungsfreien Jahren ist je nach Tarif eine Beitragsrückerstattung möglich;
- Altersrückstellungen sollen die Beiträge im Alter in einem moderaten Rahmen halten;
- gerade beim Zahnersatz leisten private Tarife je nach Vereinbarung deutlich mehr als die GKV;
- ein weltweiter Schutz ist je nach Tarif wählbar.
Dem stehen die genannten Punkte gegenüber – keine Familienversicherung, das separat zu vereinbarende Krankentagegeld und der eingeschränkte Rückweg in die GKV. Ob die PKV oder die freiwillige GKV die passendere Lösung ist, bleibt eine Einzelfallentscheidung; eine ausführliche Gegenüberstellung bietet der Beitrag Krankenversicherung für Selbstständige – PKV oder GKV?.
Häufige Fragen zur PKV für Selbstständige
Warum kann sich die PKV für Selbstständige lohnen?
Wonach bemessen sich PKV- und GKV-Beitrag bei Selbstständigen?
Brauchen Selbstständige in der PKV ein Krankentagegeld?
Gibt es in der PKV eine kostenlose Familienversicherung?
Quellen
- § 240 SGB V – Beitragsbemessung freiwillig Versicherter (Mindestbemessung).
- Verband der Privaten Krankenversicherung – Zahlen zur Verbreitung privater Zusatzversicherungen.
- § 204 VVG – Tarifwechsel mit Mitnahme der Altersrückstellungen.
Stand: Juni 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.