
Stand: Juni 2026
Kurz gesagt
Beamtenanwärter sind beihilfeberechtigt: Der Dienstherr übernimmt über die Beihilfe einen Teil der Krankheitskosten (beim Bund 50 %, mit zwei oder mehr Kindern 70 %). Privat abzusichern ist nur der Rest – dafür gibt es günstige Anwärtertarife.
Wichtigster Punkt bei der Auswahl: nicht nur der niedrige Anwärterbeitrag, sondern der Beitrag nach der Anwärterzeit und die bisherige Beitragsentwicklung. Anders als in der GKV richtet sich der Beitrag nicht nach dem Einkommen, sondern nach Eintrittsalter, Gesundheitszustand und Leistungsumfang.
Mit der privaten Krankenversicherung sind je nach Tarif Leistungen möglich, die über das gesetzliche Niveau hinausgehen: kurze Wartezeiten beim Facharzt, keine Einschränkung bei Medikamenten und Arzneimitteln, freie Krankenhauswahl, Zugang zu Spezialkliniken sowie die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung. Für Beamtenanwärter kommt hinzu, dass ein großer Teil der Kosten bereits über die Beihilfe abgedeckt ist. In diesem Beitrag fassen wir zusammen, worauf bei der Auswahl zu achten ist.
Die passende PKV finden – das ist zu beachten
Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge in der PKV nicht nach dem Einkommen. Maßgebend sind unter anderem das Eintrittsalter, der Gesundheitszustand und der gewählte Leistungsumfang. Für Angestellte ist der Wechsel zudem an die Versicherungspflichtgrenze gebunden (2026: 77.400 € Bruttojahreseinkommen); Beamte, Selbständige und Freiberufler können dagegen unabhängig vom Einkommen wechseln.
Beihilfesatz schnell ermitteln
Beihilfe-Rechner: Ihr Bemessungssatz
Status wählen – der Rechner zeigt Ihren Beihilfesatz nach § 46 BBhV (Bund) und den Anteil, den Sie privat absichern müssen.
Maßgeblich ist der Dienstherr: Im Bund gilt § 46 BBhV (50/70/80 %). Die Länder haben eigene Beihilfeverordnungen, die abweichen können. Allgemeine Information, keine individuelle Beratung.
Unverbindliche Orientierung, Angaben ohne Gewähr – keine individuelle Beratung.
Schritt 1: Auf welche Zusatztarife lege ich Wert?
Krankentagegeld: Sichert das Einkommen im Krankheitsfall. Für Selbstständige ist es wichtig, weil sie kein gesetzliches Krankengeld erhalten; für Beamtenanwärter spielt es eine geringere Rolle. Beim Krankentagegeld lässt sich wählen, ab welchem Krankheitstag der vereinbarte Tagessatz gezahlt wird. Die Höhe darf das Nettoeinkommen nicht überschreiten; aus Kostengründen ist oft eine Karenzzeit von etwa 20 bis 50 Tagen sinnvoll.
Krankenhaustagegeld: Leistet einen festen Tagessatz bei stationärem Aufenthalt und ist eher eine ergänzende Option. In manchen Tarifen gibt es ein automatisches Krankenhaustagegeld, wenn man statt eines Ein- auf ein Zweibettzimmer ausweicht.
Pflegetagegeld / Pflegezusatzversicherung: Das Pflegetagegeld leistet bei festgestelltem Pflegegrad einen vereinbarten Tagessatz, dessen Höhe sich an den Pflegegraden ausrichten lässt. Eine Pflegezusatzversicherung kann sinnvoll sein, da Pflegebedürftigkeit zu hohen Kosten führen kann und die Pflegepflichtversicherung nur einen Teil davon übernimmt. Auch die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung („Pflege-Bahr") ist möglich.
Zähne, Brillen, alternative Heilmethoden: Je nach Bedarf lässt sich der Schutz um Leistungen für Zahnersatz, Brillen, Kontaktlinsen und alternative Heilmethoden erweitern. Ob die einzelnen Tarife sinnvoll sind, hängt vom persönlichen Bedarf ab: Wie häufig sind Zahnarztbesuche, werden Brille oder Kontaktlinsen getragen, wird auf Behandlungen durch Heilpraktiker Wert gelegt? Vor jeder Erweiterung lohnt eine Abwägung, wie wahrscheinlich eine Inanspruchnahme ist und in welchem Verhältnis der Mehrbeitrag dazu steht.
Schritt 2: Kosten sparen durch Selbstbehalte und Beitragsrückerstattungen
Ein Instrument, den Schutz ausreichend und dennoch nicht zu teuer zu gestalten, ist die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung: Erst nach Erreichen einer festgelegten Grenze (etwa 500 Euro im Jahr) werden Belege zur Erstattung eingereicht. Eine Alternative bieten einige Versicherer mit einer Beitragsrückerstattung, die sich oft mit Selbstbeteiligungen kombinieren lässt. Wer innerhalb eines Kalenderjahres keine Leistungen in Anspruch nimmt, erhält dann einen Teil der Beiträge zurück – je nach Tarif können das mehrere Monatsbeiträge sein.
Schritt 3: Achten Sie immer auf die Beitragsentwicklung!
Die Wahl der Krankenversicherung ist eine Entscheidung, die einen oft das ganze Leben begleitet. Ein späterer Wechsel zu einem anderen Anbieter ist zwar nie ausgeschlossen, scheitert aber häufig an den dann erneut zu beantwortenden Gesundheitsfragen.
Viele Anbieter werben mit günstigen Anfangsbeiträgen – doch wie sieht es in 5, 10 oder 20 Jahren aus? Sinnvoll ist eine PKV mit stabiler, möglichst wachsender Versichertenbasis, denn durch das Kapitaldeckungsverfahren tragen jüngere Versicherte zum Ausgleich bei. Anhand der Geschäftsberichte lässt sich erkennen, wie sich ein Versicherer in der Vergangenheit entwickelt hat. Wie sich Beiträge über die Jahre summieren können, zeigt der Beitrag „Die PKV wird im Alter immer teurer" – Fakt oder Mythos?.
Besonderheit: Beamtenanwärter – hier ist Vorsicht geboten
Für die Zielgruppe der Beamtenanwärter haben viele private Krankenversicherer spezielle Anwärtertarife eingeführt. Diese unterscheiden sich geringfügig oder gar nicht von den Leistungen der Normaltarife, sind aber deutlich günstiger, weil sie ohne den Sparanteil der Alterungsrückstellung kalkuliert sind (für diesen fällt im Normaltarif ein Zuschlag an).
Bei der Wahl ist dennoch Vorsicht geboten. Einige Versicherer locken mit besonders günstigen Anwärtertarifen, die deutlich unter dem Durchschnitt liegen. Bei genauem Hinsehen können sich solche Tarife jedoch als Kostenfalle entpuppen – etwa mit hohen Eigenanteilen beim Zahnersatz oder mit Leistungen, die erst nach einem Unfall und nicht bei normaler medizinischer Notwendigkeit erbracht werden.
Lassen Sie sich daher von einem niedrigen Anwärterbeitrag nicht blenden, sondern lesen Sie genau. Fragen Sie nach dem Beitrag, der nach der Anwärterzeit fällig wird – diesen zahlen Sie in der Regel über viele Jahre, nicht nur über zwei oder drei. Vergleichen Sie ihn mit dem anderer Versicherer. Fragen Sie außerdem, wann die letzte Beitragserhöhung in den Tarifen der Vollversicherung stattgefunden hat. Nur so lässt sich einschätzen, welcher Tarif über die Laufzeit tatsächlich der günstigere ist.