Was ist das Krankentagegeld für Arbeitnehmer?

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Wird ein Arbeitnehmer in Deutschland krank, zahlt der Arbeitgeber das Gehalt zunächst weiter. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist gesetzlich geregelt und sorgt in den ersten sechs Wochen der Erkrankung für Gehaltskontinuität. Danach stellt der Arbeitgeber seine Zahlungen ein, es sei denn, es ist tariflich oder im Arbeitsvertrag etwas anderes vorgesehen.

Der Wegfall des Einkommens bei längerer Erkrankung ist finanziell ein gravierender Einschnitt, der sehr schnell existenzbedrohend werden kann. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird daher nach Ablauf der Sechs-Wochen-Frist ein Krankengeld gezahlt. Es beträgt im Schnitt etwa 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens und wird maximal 78 Wochen lang gewährt.

In der privaten Krankenversicherung (PKV) gibt es das Krankengeld dagegen als Regelleistung nicht. Privatversicherte stehen ggf. nach Ablauf der Sechs-Wochen-Frist zunächst ohne regelmäßige Einkünfte da. Zur Abdeckung dieses Risikos ist der Abschluss einer Krankentagegeld-Versicherung möglich. Dabei handelt es sich um eine private Zusatzversicherung. Mit ihr kann die bei längeren Krankheiten entstehende finanzielle Lücke geschlossen werden.
 

Wer benötigt ein Krankentagegeld?

Für PKV-versicherte Arbeitnehmer ist die Krankentagegeld-Versicherung fast eine Pflicht. Nur die wenigsten Arbeitnehmer dürften den Wegfall ihres Gehalts bei längerer Krankheit problemlos verschmerzen können. Aber auch für Arbeitnehmer, die GKV-Mitglieder sind, kann eine private Krankentagegeld-Versicherung sinnvoll sein, um die beim Krankengeld verbleibende mindestens 20prozentige Lücke zum letzten Nettoeinkommen oder das Rest-Risiko wegen der 78 Wochen-Begrenzung zu schließen.

Bei - den hier nicht näher behandelten - Freiberuflern und Selbständigen ist das Krankentagegeld ebenfalls wichtig. Das gilt vor allem für Freiberufler und Selbständige, die privat krankenversichert oder freiwillig GKV-Mitglieder ohne Krankengeld-Anspruch sind. Beamte benötigen den Versicherungsschutz dagegen nicht, weil der Dienstherr die Bezüge bei Erkrankung ohne Fristbegrenzung weiter zahlt.
 

Wie funktioniert die Krankentagegeld-Versicherung?

Das Funktionsprinzip der Krankentagegeld-Versicherung ist einfach. Im Krankheitsfall wird bei Arbeitnehmern - üblicherweise ab dem 43. Tag - das im Vertrag festgelegte Tagegeld für jeden Tag der Krankheit gezahlt. Die Krankheit ist dabei durch ärztliches Attest nachzuweisen.

Die Höhe des Tagegeldes kann flexibel vereinbart werden. Allerdings darf das Tagegeld nicht höher sein als das - tagesbezogene - Nettoeinkommen der letzten zwölf Monate. Bei manchen Anbietern ist auch unabhängig davon eine Obergrenze vorgesehen. Über den Höchstsatz hinaus kann dann kein höheres Krankentagegeld vereinbart werden.

Bei der Vereinbarung des Krankengeldes empfiehlt sich im Vorfeld eine Haushaltsrechnung. Dabei werden die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben für Lebenshaltung, Wohnung, Mobilität, Versicherungen, sonstige finanzielle Versicherungen usw. zusammengestellt. Arbeitnehmer mit Krankengeld-Anspruch können davon das Krankengeld abziehen. Ebenso können sonstige Einkünfte (Kapitalerträge, Mieteinnahmen) abgezogen werden. Der verbleibende Betrag bietet – auf Tagesbasis umgerechnet – eine Orientierung für das mindestens benötigte Krankentagegeld.

Das Krankentagegeld ist steuerfrei und muss auch nicht in der Steuererklärung angegeben werden. Es unterliegt - anders als das Krankengeld in der GKV - nicht dem sogenannten Progressionsvorbehalt bei der Einkommensteuer. In Gegenzug können Beiträge zur Krankentagegeldversicherung auch nicht steuerlich geltend gemacht werden.
 

Wovon hängen die Beiträge ab?

Die Höhe des Krankentagegeldes ist naturgemäß wesentlich für die Beitragshöhe. Daneben spielen aber auch das Eintrittsalter und der Gesundheitszustand eine wichtige Rolle. Manche Versicherer ziehen beim Alter eine Grenze, die auch schon vor dem üblichen Eintritt in den Ruhestand liegt (zum Beispiel bei 60 Jahren). Jenseits der Altersgrenze ist dann kein Versicherungsabschluss mehr möglich.

Eine Gesundheitsprüfung in Form von entsprechenden Gesundheitsfragen im Antrag ist normalerweise bei der Krankentagegeldversicherung obligatorisch. Dabei wird vor allem nach länger bestehenden Erkrankungen in der Vergangenheit gefragt. Auf der Grundlage der Antworten wird dann ggf. ein Risikozuschlag berechnet. Manche Versicherer verzichten bei einer späteren Aufstockung des Krankentagegeldes auf eine erneute Gesundheitsprüfung. Vereinzelt gibt es auch Krankentagegeld-Tarife ohne Gesundheitsprüfung. Das Gesundheitsrisiko wird dann auf die Versicherten-Gemeinschaft „umgelegt“, was sich entsprechend im Normal-Beitrag niederschlägt.

Wenn bei Versicherungsabschluss bereits ernstere Vorerkrankungen bestanden haben, ist in einigen Verträgen eine Wartezeit vorgesehen. Der Versicherungsschutz greift dann erst bei Erkrankungen, die nach Ablauf der Wartezeit eintreten. Das sollte beim Versicherungsabschluss bedacht werden, insbesondere beim Versicherungswechsel.
 

Wie lange zahlt die Krankentagegeld-Versicherung?

Eine Krankentagegeld-Versicherung zahlt ab dem 43. Tag einer Krankheit im Prinzip so lange, wie die Erkrankung besteht. Es ist keine Fristbegrenzung vorgesehen. Mit der Wiederherstellung der Gesundheit und dem erneuten Arbeitsantritt endet die Leistungspflicht automatisch.

Bei Reha-Behandlungen kommt es auf den Anbieter bzw. den Vertrag an. Manche Versicherer leisten bei Reha-Maßnahmen nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen: zum Beispiel nur dann, wenn ein Reha-Aufenthalt sich unmittelbar an eine Erkrankung anschließt und damit zwingend in Zusammenhang steht.

Ist die Gesundung nicht mehr möglich und wird der Arbeitnehmer berufsunfähig, ist die Krankentagegeld-Versicherung bis zur Feststellung der Berufsunfähigkeit in der Pflicht. Manche Versicherer zahlen auch noch in den ersten drei Monaten einer Berufsunfähigkeit. Die zeitliche Abgrenzung von Krankheit und Berufsunfähigkeit ist unter Umständen schwierig, was häufiger zu Auseinandersetzungen bezüglich der Leistungspflicht führt. Umso wichtiger ist, dass Arbeitnehmer auch über eine ausreichende Berufsunfähigkeits-Versicherung verfügen.
 

Krankentagegeld und Krankenhaustagegeld - der Unterschied

Die Krankentagegeld-Versicherung darf - trotz der Namensähnlichkeit - nicht mit der ebenfalls häufig angebotenen Krankenhaustagegeld-Versicherung verwechselt werden. Die Krankentagegeld-Versicherung schützt gegen das Risiko eines Verdienstausfalls bei längerer Krankheit. Die Krankenhaustagegeld-Versicherung dient der Abdeckung von Nebenkosten bei Krankenhaus-Aufenthalten (zum Beispiel Telefonkosten, Fernsehnutzungs-Gebühren usw.). Es sind zwei grundverschiedene Versicherungen.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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