
Stand: Juni 2026
Kurz gesagt
Berufsständische Krankenkassen sind gesetzliche Kassen mit eigener Geschichte: die Knappschaft (ursprünglich Bergleute, Bahn, See), die Innungskrankenkassen (IKK) aus dem Handwerk und die Landwirtschaftliche Krankenkasse (LKK).
Knappschaft und die meisten IKKn stehen heute allen Berufsgruppen offen, die LKK bleibt im Wesentlichen Landwirten vorbehalten. Insgesamt gibt es in Deutschland nur noch rund 90 gesetzliche Krankenkassen – 1970 waren es über 1.800.
Bei gesetzlichen Krankenkassen denken die meisten an die AOK oder an große Ersatzkassen wie die Techniker Krankenkasse oder die Barmer. Insgesamt gibt es in Deutschland nur noch rund 90 gesetzliche Krankenkassen – 1970 waren es über 1.800. Die Zahl ist über die Jahrzehnte durch zahlreiche Fusionen stark gesunken.
Innerhalb dieser Landschaft gibt es einige besondere Gruppen wie die Betriebskrankenkassen (BKK) und die berufsständischen Krankenkassen. Während die BKK einen betrieblichen Ursprung haben, sind die berufsständischen Kassen aus eigenen Sozialversicherungssystemen für bestimmte Berufsgruppen entstanden. Zum größeren Teil sind sie heute allgemein zugänglich. Hier ein Überblick.
Die Knappschaft
Die Knappschaft ist eine Marke der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See – einem Träger sowohl der gesetzlichen Renten- als auch der Krankenversicherung. Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Knappschaft bundesweit für alle Berufsgruppen geöffnet; bei der Rentenversicherung ist sie dagegen nach wie vor nur für Bergleute, Bahnbedienstete und Seeleute zuständig.
Die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See besteht seit dem 1. Oktober 2005 und entstand durch Eingliederung der Bahnversicherungsanstalt und der Seekasse in die Bundesknappschaft. Als Sozialversicherung hat sie eine lange Tradition – ihre Wurzeln reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. In der Krankenversicherung betreut die Knappschaft rund 1,3 Millionen Versicherte. Sie verfügt über einen eigenen sozialmedizinischen Dienst sowie ein Netz aus niedergelassenen Ärzten, eigenen Krankenhäusern und Reha-Kliniken.
Innungskrankenkassen
Die Innungskrankenkassen (IKK) sind Ende des 19. Jahrhunderts im Handwerk aus Gesellenbruderschaften entstanden – Selbsthilfeeinrichtungen und Interessenvertretungen von Handwerksgesellen. Als Bismarck 1883 die gesetzliche Krankenversicherung einführte, übernahmen die Bruderschaften Kassenaufgaben für ihre Mitglieder; das war die Geburtsstunde der Innungskrankenkassen. Sie waren regional organisiert und wurden oft von mehreren Handwerksinnungen getragen.
Das IKK-System überstand beide Weltkriege und die politischen Umbrüche. 1995 gab es noch 140 Innungskrankenkassen; durch zahlreiche Fusionen ist ihre Zahl auf sechs geschrumpft. Seit 1996 sind die IKKn für alle Berufsgruppen zugänglich, eine Beschränkung auf Handwerksgruppen besteht nicht mehr. Allerdings ist nicht jede der sechs IKKn bundesweit geöffnet. Ein Überblick:
| Name der IKK | Öffnung |
|---|---|
| Bundesinnungskrankenkasse Gesundheit (BIG) | bundesweit |
| IKK classic | bundesweit |
| IKK gesund plus | bundesweit |
| IKK Südwest | Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland |
| Innungskrankenkasse Brandenburg und Berlin | Brandenburg, Berlin |
| Innungskrankenkasse Nord | Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein |
Die Innungskrankenkassen haben zusammen rund fünf Millionen Versicherte. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf die IKK classic, mit rund 2,8 Millionen Versicherten die mit Abstand größte Innungskrankenkasse. Die Aufgaben des früheren IKK-Bundesverbandes gingen Mitte 2008 auf den GKV-Spitzenverband über. Die Interessen der Gruppe innerhalb der GKV nimmt heute die „Gemeinsame Vertretung der Innungskrankenkassen e. V.“ wahr.
Landwirtschaftliche Krankenkasse
Die Landwirtschaftliche Krankenkasse (LKK) ist eine Marke der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) in ihrer Funktion als Trägerin der Krankenversicherung der Landwirte. Die SVLFG führt seit 2013 die Aufgaben der bis dahin bestehenden neun landwirtschaftlichen Krankenkassen fort. Die landwirtschaftliche Krankenversicherung ist eine Pflichtversicherung für landwirtschaftliche Unternehmer, mitarbeitende Familienangehörige sowie landwirtschaftliche Rentenbezieher und Altenteiler; ihr gehören rund 600.000 Versicherte an.
Für die Beiträge gelten besondere Regeln: Sie orientieren sich am sogenannten korrigierten Flächenwert des jeweiligen Betriebs als fiktivem Einkommenswert – ein deutlicher Unterschied zur einkommensabhängigen Beitragsbemessung der übrigen Kassen. Die LKK ist mit wenigen Ausnahmen nur für Landwirte und ihre Angehörigen zugänglich. Wer als Selbstständiger nicht unter diese Pflichtversicherung fällt, findet im Beitrag zur Krankenversicherung für Selbstständige einen Überblick über die Alternativen zwischen freiwilliger GKV und PKV.
Häufige Fragen zu berufsständischen Krankenkassen
Was sind berufsständische Krankenkassen?
Kann jeder Mitglied der Knappschaft oder einer IKK werden?
Was ist der Unterschied zwischen einer IKK und einer BKK?
Quellen
- Knappschaft (DRV Knappschaft-Bahn-See) – Versichertenzahlen und Aufgaben.
- SVLFG / Landwirtschaftliche Krankenkasse – Pflichtversicherung und Beitragssystematik.
- GKV-Spitzenverband – Struktur der gesetzlichen Krankenversicherung.