(Nicht nur) durch Corona - Beiträge in der Krankenversicherung steigen!

2020 neigt sich allmählich dem Ende entgegen. Was für ein Jahr - wie kein anderes seit 100 Jahren war und ist es durch ein weltweites Pandemie-Geschehen geprägt, Corona wird uns wohl noch weit bis weit in 2021 hinein beschäftigen. Neben der enormen Belastung des Gesundheitssystems durch Tests, Untersuchungen und medizinische Behandlungen hinterlässt die Krankheit auch finanziell Spuren. Die Beiträge zur Krankenversicherung werden 2021 und auch danach steigen - sowohl im gesetzlichen, als auch im privaten System.

Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, hat jetzt in einem Zeitungsinterview auf drohende deutlich höhere Zusatzbeiträge aufmerksam gemacht. Der amtlich festgelegte durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt aktuell bei 1,1 Prozent, er soll 2021 auf 1,3 Prozent steigen. Dabei handelt es sich um einen fiktiven Wert, der auf Schätzungen beruht. Die tatsächlichen Zusatzbeiträge werden von den einzelnen Krankenkassen entsprechend ihrer wirtschaftlichen Situation festgelegt.
 

Zusatzbeiträge könnten sich bis 2022 verdoppeln

Bliebe es im Schnitt in 2021 bei den veranschlagten 1,3 Prozent, wäre das noch ein vergleichsweise moderater Anstieg. Folgt man dem TK-Chef, wird das voraussichtlich nicht ausreichen. Ohne staatliche Gegensteuerung sei eine Verdoppelung des Zusatzbeitrags denkbar, die vor allem ab 2022 die Kassenmitglieder treffen dürfte, so Baas. In welchem Umfang und zu welchen Zeitpunkten genau, hänge von den einzelnen Kassen ab.

Grund für die Befürchtung des TK-Chefs: eine klaffende Lücke im Gesundheitsfonds im kommenden Jahr. Hier sei 2021 mit einer Fehldeckung von 16 Milliarden Euro zu rechnen. Ihr stehen nur vorgesehene staatliche Zuschüsse in Höhe von fünf Milliarden Euro gegenüber. Sofern es dabei bliebe, müssten die Krankenkassen selbst für eine Schließung der Deckungslücke sorgen. Die Erhöhung der Zusatzbeiträge ist die logische Konsequenz. Oder die Leistungen müssten deutlich gekürzt werden. Nur bei einer deutlichen Aufstockung der Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt ließe sich der Anstieg abfedern. Allerdings ist der Bundesfinanzminister noch an vielen anderen Stellen gefordert.
 

Corona verstärkt einen bestehenden Trend

Der Gesundheitsfonds ist eine Art „Sammeltopf“ für die Beiträge der GKV-Mitglieder. Aus ihm erhalten die Krankenkassen ihre Mittelzuweisungen nach festgelegten Regeln. Dass der Gesundheitsfonds in jedem Jahr vollständig ausgeglichen sein muss, ist nicht zwingend. Aber länger anhaltende Disparitäten bei Einnahmen und Ausgaben kann das System nicht verkraften. Auf Dauer müssen die Ausgaben durch die Beiträge gedeckt sein. Wenn an den Ausgaben nicht gespart werden kann, bleibt nur an der Beitragsschraube zu drehen.

Zur „Schieflage“ hat allerdings nicht nur Corona beigetragen. Nach Jahren sprudelnder Einnahmen und von Überschüssen hatte sich die Finanzlage der Krankenkassen schon vor Corona verschlechtert. Die Gründe waren und sind vielschichtig - steigende Ausgaben im Gesundheitswesen, demografischer Wandel, höhere Lebenserwartung und eine schwächere Konjunktur vor dem Lockdown im März ließen die Reserven der Krankenkassen schmelzen und aus Überschüssen wurden Defizite. Corona hat diesen Trend eklatant verstärkt - durch hohe zusätzliche Gesundheitsausgaben und finanzielle Negativwirkungen des scharfen wirtschaftlichen Einbruchs.
 

Kein Grund zur Erleichterung für Privatversicherte

Auch wenn sie von den Verteilungsmechanismen im gesetzlichen System nicht betroffen sind, freuen können sich PKV-Versicherte trotzdem nicht. Auch ihre Krankenversicherung wird deutlich teurer werden - sogar schon im kommenden Jahr. Der PKV-Verband erwartet für 2021 kräftige Beitragserhöhungen von 8,1 Prozent im Schnitt, in manchen Tarifen fällt die Anpassung sogar zweistellig aus.

Im Prinzip wirken sich die gleichen Faktoren aus, die auch die GKV-Beiträge steigen lassen. Nur der Anpassungsmechanismus unterscheidet sich gravierend. Gesetzliche Vorgaben sorgen hier für ruckartige Beitragsveränderungen nach Jahren relativer Beitragsstabilität. Ein besonderer Faktor dabei sind die anhaltend niedrigen Zinsen, die sich belastend bei den Altersrückstellungen bemerkbar machen. Als Fazit bleibt: 2021 und 2022 wird die Krankenversicherung in GKV wie PKV spürbarer teurer werden - (nicht nur) Corona wegen.

"Privatpatient" werden und trotzdem weniger bezahlen?

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Erfüllen Sie diese Voraussetzungen nicht, können Sie dennoch Ihren Versicherungsschutz über private "Zusatztarife" aufwerten.

Das Privileg "Privatpatient" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung - vorausgesetzt man ist beim richtigen Anbieter.
 

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