Corona-Pandemie - bisher kaum Auswirkungen auf die PKV-Tarife

Im Augenblick scheint Corona in den Hintergrund getreten. Sinkende Fallzahlen und die warme Jahreszeit mit erfahrungsgemäß geringerer Infektionsgefahr haben dem Virus manches von seinem Schrecken genommen. Außerdem wird die Nachrichtenlage derzeit von anderen Themen beherrscht.

Trotzdem ist die Krankheit nicht besiegt und eine neue Infektionswelle im Herbst nicht auszuschließen. Doch das Schlimmste scheint vorerst überstanden - Zeit Bilanz zu ziehen und nach Corona-Folgen zu fragen, zum Beispiel nach Auswirkungen auf die PKV-Tarife. Dazu hat sich jetztDr. Herbert Schneidemann, der Vorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), geäußert. Er nimmt im Corona-Kontext vor allem die Entwicklung der Sterblichkeit und der Ausgaben für Behandlungen in den Blick.
 

Trotz leicht höherer Sterblichkeit - Sterbetafeln können weiter verwendet werden

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland stagniere zwar pandemie-bedingt, es sei aber nicht zu dem vielfach befürchteten und vorhergesagten Rückgang der Lebenserwartung gekommen, so Schneidemann. Das bestätigen auch die neusten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Im April 2022 lagen die Sterbefälle noch 5 Prozent über dem Schnitt der Vorjahre, wobei ein Teil durch die Verschiebung in der Altersstruktur zu erklären ist. Der Zunahme der Sterblichkeit durch Corona standen außerdem auch positive Effekte gegenüber. So gab es wegen der Schutzmaßnahmen deutlich weniger Grippeerkrankungen als sonst und folglich weniger Grippe-Tote.

Unter dem Strich, so Schneidemann, war 2020 und 2021 eine leicht überdurchschnittliche Zahl an Sterbefällen zu verzeichnen. Die Veränderung überschritt aber nicht die Schwankung, die ohnehin bei der Kalkulation von Versicherungstarifen zu berücksichtigt ist. Bei PKV-Tarifen ist die Änderung der Lebenserwartung einer der beiden möglichen auslösenden Faktoren für Beitragsanpassungen. Weicht die tatsächliche Sterbewahrscheinlichkeit um mehr als 5 Prozent von der kalkulierten ab, steht eine Tarif-Neukalkulation an. In den Versicherungsbedingungen können auch andere Prozentwerte definiert sein. Welche Veränderungsrate auch gilt, Corona-bedingte höhere Sterblichkeit reicht bis dato nicht als Auslöser für Beitragsanpassungen. Die bisherigen Sterbetafeln können daher weiter verwendet werden.
 

Gegenläufige Ausgabentrends - 2023 noch kein Corona-Effekt bei Tarif-Anpassungen

Der andere auslösende Faktor für Beitragsanpassungen sind Veränderungen bei den Ausgaben. Weichen sie um mehr als 10 Prozent von der ursprünglichen Kalkulation ab, muss ein Tarif ebenfalls neu berechnet werden. Auch hier können die Versicherungsbedingungen andere Prozentwerte vorsehen. Bezogen auf Corona-Auswirkungen sieht Schneidemann zwei gegenläufige Trends. Auf der einen Seite hat das Pandemie-Geschehen zu einer gewissen Kosten-Entlastung geführt, weil zahlreiche Behandlungen und Operationen nicht stattgefunden haben. Entweder wurden die Maßnahmen verschoben oder man hat ganz darauf verzichtet. Auf der anderen Seite sind infolge der zahlreichen Corona-Behandlungen höhere Ausgaben entstanden. Das gilt insbesondere für die notwendige Intensivmedizin.

Die längerfristigen Kosten-Auswirkungen durch Behandlungsverzicht bzw. Behandlungsaufschub oder durch die Corona-Langzeitfolgen seien derzeit noch schwer abzuschätzen, so Schneidemann. Der DAV-Vorsitzende rechnet aber nicht damit, dass das Corona-Geschehen schon 2023 Einfluss auf Beitragsanpassungen haben wird. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht zu höheren Beiträgen kommen kann. Denn außer der Pandemie gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Einflussgrößen, die eine Neukalkulation erforderlich machen können.

"Privatpatient" werden und trotzdem weniger bezahlen?

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Erfüllen Sie diese Voraussetzungen nicht, können Sie dennoch Ihren Versicherungsschutz über private "Zusatztarife" aufwerten.

Das Privileg "Privatpatient" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger als in der gesetzlichen Krankenversicherung - vorausgesetzt, man ist beim richtigen Anbieter.
 

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