Wieder mehr Wechsler in die PKV, als umgekehrt

Im vergangenen Jahr wechselten erneut mehr Menschen von der GKV in die PKV als umgekehrt. Damit scheint ein jahrelanger Trend zugunsten der gesetzlichen Krankenkassen gestoppt. Ob das reicht, den Abschmelzungsprozess in der privaten Krankenvollversicherung zu beenden, ist allerdings eine andere Frage.

Bis 2011 gab es über Jahrzehnte stets hohe jährliche Wanderungssalden zugunsten der PKV. Jahr für Jahr wechselten mehr Versicherte von der GKV in die PKV als umgekehrt - am ausgeprägtesten wohl im Jahr 2002, als 362.000 GKV-Mitglieder sich für die PKV entschieden, während lediglich 130.000 den umgekehrten Weg antraten. Das machte damals für die PKV ein Wanderungs-Plus von 232.000.
 

Seit 2012 jährliche Wanderungsverluste zugunsten der GKV

Ab 2012 drehte sich das in die entgegengesetzte Richtung. Die PKV verlor jährlich mehr Versicherte an die GKV als sie von dort gewann. Erst 2018 schlug das Pendel wieder in PKV-Richtung zurück, bei allerdings nahezu ausgeglichenen Wechselzahlen. Das gilt auch für das Jahr 2019. Hier hat die PKV 146.800 Neuzugänge aus der GKV gewonnen, während 129.400 PKV-Versicherte in die GKV wechselten. Das bedeutet aus PKV-Sicht einen positiven Wanderungssaldo von 17.400 Personen.

Das reichte allerdings nicht, um den kontinuierlichen leichten Rückgang der privaten Krankenvollversicherten zu stoppen. Ihre Zahl sank leicht von 8,74 Millionen auf 8,73 Millionen und setzte damit einen jahrelangen Trend fort. Der Grund: hier spielt auch die Demografie eine Rolle. Es sterben mehr Privatversicherte als neue hinzukommen.
 

Nur zum Teil ein Ausdruck des Wettbewerbs

Auch der „Wanderungsgewinn“ im vergangenen Jahr ist nur zum Teil Ausdruck des Wettbewerbs. Das gilt nur dort, wo Versicherte frei zwischen GKV und PKV wählen können. Hier überzeugt die PKV oft mit besseren Leistungen und - vor allem in jüngeren Jahren - mit günstigeren Beiträgen. In die PKV wechseln können im Wesentlichen aber nur Beamte, Selbständige und Besserverdiener. Wechselzwänge und -beschränkungen gibt es noch stärker in umgekehrter Richtung. Das erklärt auch die Wanderungssalden zugunsten der GKV in den letzten Jahren.

Durch die gute Beschäftigungslage fanden viele privatversicherte Selbständige wieder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und mussten in die GKV zurückkehren. Ein andere Ursache für Verluste an die GKV: privatversicherte Studenten, die nach dem Ende des Studiums ins Berufsleben eintreten, versichern sich meist gesetzlich, weil sie ein Einkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze erzielen. Ansonsten ist eine Rückkehr in die GKV nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Jenseits der 55 ist sie faktisch ausgeschlossen.
 

Die Auswirkungen durch Corona

Ob der positive Wechseltrend zugunsten der PKV auch 2020 anhalten wird, ist alles andere als sicher. Denn Corona hat auch hier alle vermeintlichen Gewissheiten hinweggefegt. Gut möglich, dass sich das Bild umkehrt, wenn sich die Auswirkungen der schweren Rezession durch den erzwungenen Stillstand erst richtig zeigen - in steigender Arbeitslosigkeit und dadurch, dass viele Selbständige aufgeben müssen.

Letzte Änderung: Juli 2020

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Tipp: Ob Sie bereits privat versichert sind, oder es noch vorhaben: Vergleichen Sie über 38 Gesellschaften und sparen Sie viel Geld - kostenlos und unverbindlich!
 

Weiter zum kostenlosen PKV-Vergleich >>>

Beliebte Artikel zum Thema:

Die Corona-Krise kostet das deutsche Gesundheitssystem viel Geld. Das gilt nicht nur aufgrund der notwendigen Behandlungen von Corona-Kranken. Die Politik hat eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen auf den Weg gebracht, die der Corona-Vorbeugung dienen
Es war bereits befürchtet worden - die Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen hat sich im 1. Quartal 2020 weiter verschlechtert. Nachdem bereits das Jahr 2019 mit einem Minus von 1,5 Mrd. Euro abgeschlossen worden war, sind in den ersten drei
Licht und Schatten - das kennzeichnet die Situation der privaten Krankenversicherer in Deutschland, folgt man der Ratingagentur Assekurata. Diese erfasst jedes Jahr die (Stimmungs-)lage in der Versicherungswirtschaft. Die Krankenversicherungs-Sparte
Ärztliche Behandlungen, Krankenhausaufenthalte, Arzneimittel und andere Maßnahmen für die Gesundheit verursachen in Deutschland jedes Jahr mehr Ausgaben als der Bundeshaushalt. Im Jahr 2018 waren das 390,6 Mrd. Euro oder 4.712 Euro pro Kopf. Dies hat
Der durch die Corona-Krise bewirkte wirtschaftliche Stillstand hat Auswirkungen für Millionen Arbeitnehmer. Viele arbeiten derzeit im Home Office. Andere sind zeitweise zur Untätigkeit verdammt. Zahlreiche Unternehmen haben für ihre Beschäftigten
Seit 1996 besteht in Deutschland die Möglichkeit, die gesetzliche Krankenkasse frei zu wählen. Versicherte können sich aussuchen, bei welcher Krankenkasse sie versichert sein möchten und ein Wechsel ist prinzipiell kein Problem. Früher waren
Alle privaten Krankenversicherungen sind seit Beginn des Jahres 2009 dazu verpflichtet, einen so genannten Basistarif anzubieten. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich die vertraglichen Leistungen in Art, Umfang und Höhe stark an den Standards der
Eine gute Krankenversicherung kostet Geld. Das versteht sich von selbst. Ohne die Beiträge der Versicherten könnten private Krankenversicherer ihre Leistungen nicht erbringen. Doch wovon hängen die PKV-Beiträge eigentlich ab und wie setzen sie sich
Wie wichtig die eigene Gesundheit für die wahrgenommene Lebensqualität ist, merken Menschen meistens erst dann, wenn sie krank sind. Für viele Menschen ist Gesundheit ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität. In der Arbeitswelt sind gerade
Eine Einbahnstraße für Krankenversicherte? Wann muss von der PKV in die GKV gewechselt werden? Immer noch kursiert die weit verbreitete Auffassung, es sei nicht möglich, von der privaten Krankenversicherung in die gesetzliche zurück zu wechseln. In