Schwarze Null - GKV-System schließt 2022 mit kleinen Überschüssen ab

News-Artikel vom: 03.05.2023

Die 96 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland konnten das Jahr 2022 mit einem Überschuss von 451 Mio. Euro abschließen. Das ergeben vorläufige Berechnungen. Angesichts von Gesamtausgaben in Höhe von fast 289 Mrd. Euro ist das allerdings nicht mehr als eine schwarze Null. Möglich wurde dieses Ergebnis vor allem durch einmalig hohe Bundeszuschüssen in Höhe von 14 Mrd. Euro.

Die Überschüsse verteilen sich auf die einzelnen Kassenbereiche wie folgt: die AOK erzielten ein Plus von 23,2 Mio. Euro, die Ersatzkassen 349,3 Mio. Euro, die Betriebskrankenkassen (BKK) 113,7 Mio. Euro, die Landwirtschaftliche Krankenkasse 49,0 Mio. Euro und die Knappschaft 21,9 Mio. Euro. Die Innungskrankenkassen (IKK) verzeichneten ein Defizit von 105,7 Mio. Euro.

Die Überschüsse wurden damit vor allem im Bereich der Ersatzkassen und Betriebskrankenkassen erzielt. Die mitgliederstarken AOK konnten dagegen - gemessen an ihrem Geschäftsvolumen - nur einen Mini-Überschuss verzeichnen. Die Finanzreserven der gesetzlichen Krankenkassen lagen am Jahresende bei 10,4 Mrd. Euro. Das entspricht 0,4 durchschnittlichen Monatsausgaben und ist das Doppelte, was gesetzlich als Rücklage gefordert ist - nicht unbedingt ein üppiges Polster.
 

Wo die Ausgaben überproportional gestiegen sind

Die Ausgaben der Krankenkassen sind 2022 um 4,4 Prozent gestiegen. Im Bereich der Leistungen betrug der Anstieg 4,3 Prozent, bei den Verwaltungskosten 7,2 Prozent. Der hohe Anstieg bei den Verwaltungskosten ist vor allem auf die Bildung von Altersrückstellungen bei einigen Krankenkassen zurückzuführen. Bei den Leistungsausgaben gab es besonders starke Anstiege im Bereich der Schutzimpfungen (+14,6 Prozent), bei denFahrkosten (+11,0 Prozent) sowie im Bereich der Vorsorge- und Reha-Leistungen (+10,7 Prozent). Ebenfalls überdurchschnittlich entwickelten sich dieAusgaben für Heilmittel (+7 Prozent) undHilfsmittel (+6 Prozent),Krankengeld-Zahlungen (+8,1 Prozent) sowie die Ausgaben für Arzneimittel (+4,8 Prozent). Die Kostensteigerungen bei den Schutzimpfungen waren vor allem durch Impfstoffe gegen Gürtelrose bedingt. Corona-Impfstoffe schlagen sich nicht in den Finanzergebnissen der Krankenkassen nieder, da die Kosten hier vom Bund getragen wurden.
 

Gesundheitsfonds mit 4,3 Mrd. Euro Überschuss

Der Gesundheitsfonds erwirtschaftete im vergangenen Jahr bei Ausgaben von 307 Mrd. Euro und Einnahmen von 311,3 Mrd. Euro einen Überschuss von 4,3 Mrd. Euro. Die Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds lag zum Jahresbeginn 2023 bei rund 12 Mrd. Euro. Dass der Gesundheitsfonds deutlich höhere Ausgaben aufwies als die Krankenkassen, ist maßgeblich durch die Ausgaben für den Rettungsschirm Covid 19 in Höhe von knapp 21,4 Mrd. Euro zurückzuführen. Es handelt sich für den Gesundheitsfonds um einen durchlaufenden Posten, denn die Ausgaben wurden in gleicher Höhe vom Bund erstattet.
 

Zugriff auf die Rücklagen zur Abfederung höherer Zusatzbeiträge

Trotz der erzielten Überschüsse können weder die Krankenkassen noch der Gesundheitsfonds ihr Rücklagenpolster aufstocken, denn Bundesgesundheitsminister Lauterbach bedient sich in diesem Jahr kräftig an den Reserven. Grundlage ist das sogenannte GKV-Finanzstabilisierungsgesetz. Die Krankenkassen müssen 2,5 Mrd. Euro aus ihren Reserven abführen - das Fünffache des erzielten Überschusses - und des Gesundheitsfonds 4,7 Mrd. Euro. Die Rücklagen werden damit unter dem Strich weiter abgeschmolzen.

Der „Griff in die Kasse“ soll vor allem verhindern, dass die Zusatzbeiträge in diesem Jahr zu stark steigen. Der „amtliche“ durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt dieses Jahr bei 1,6 Prozent nach 1,3 Prozent im Vorjahr. Der tatsächliche Schnitt betrug 2022 1,36 Prozent - also etwas mehr als der amtliche Satz. Zum Jahreswechsel 2022/23 haben 66 von 96 Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge erhöht, 25 ließen den Beitragssatz unverändert und vier Krankenkassen konnten gar ihre Zusatzbeiträge absenken.

 

 

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