Beiträge in der PKV - stabil oder labil. Was gilt?

Gerade dieses Jahr stehen viele private Krankenversicherer wieder in der Kritik wegen zum Teil deutlicher Beitragserhöhungen. Wenn ein PKV-Beitrag um einen zweistelligen Prozentwert steigt, ist das immer für Schlagzeilen gut. Dabei wird oft übersehen, dass die Anpassungen längst nicht jeden Tarif betreffen und vorher längere Zeit stabil waren.

Wie sieht es tatsächlich mit der Beitragsstabilität in der PKV aus? Mit dieser Frage hat sich das Analyse-Haus Morgen & Morgen (M & M) eingehender befasst. Die Untersuchung zeigt: es gibt durchaus viele Tarife, die mit einer stabilen Entwicklung überzeugen. Sie sind allerdings rarer geworden als in früheren Jahren. Die Ursachen dafür sind vielschichtig.
 

Moderate Anpassungen im Unisex-Bereich, stärkere im Bisex-Bereich

Folgt man der Analyse, sind die Beiträge im diesjährigen PKV-Neugeschäft durchschnittlich um 2,53

Prozent gestiegen - eine moderate Anpassung. Trotzdem handelt es sich um einen „Trend nach oben“. 2020 hatte der Anstieg im Schnitt bei 1,77 Prozent gelegen, 2019 bei 1,68 Prozent und im ersten Jahr nach Einführung der Unisex-Tarife 2012 bei lediglich 1,44 Prozent. Für diese Entwicklung haben die M & M-Experten eine Erklärung. Die Versicherten in den Unisex-Tarifen kämen allmählich in die Jahre und mit steigendem Alter fielen die Beitragsanpassungen zwangsläufig deutlicher aus. Das Anpassungsniveau von 5 Prozent bei den noch existierenden Bisex-Tarifen aus der Zeit vor 2012 sei aber im Unisex-Bereich längst nicht erreicht.
 

Fast 40 Prozent der Tarife gut oder sehr gut stabil

Insgesamt wurden dieses Jahr in der Untersuchung 808 PKV-Tarife bezüglich der Beitragsstabilität bewertet. In Anlehnung an das Schulnoten-System wurden Sterne vergeben. Die „Notenskala“ reichte von einem Stern = „sehr schwach“ bis fünf Sterne = „ausgezeichnet“. 317 Tarife (39,2 Prozent) schnitten mit vier oder fünf Sternen ab, wiesen also eine hohe Beitragsstabilität auf. 269 Tarife (32,1 Prozent) wurden als „schwach“ oder „sehr schwach“ bewertet, 222 Tarife (27,5 Prozent) mit „durchschnittlich“.
 

Weniger beitragsstabile Tarife als in früheren Jahren

Allerdings hat der Anteil der guten und ausgezeichneten Tarife im Zeitablauf abgenommen, während der Anteil der schwachen und sehr schwachen Tarife größer geworden ist. Das zeigt ein Vergleich mit den Ergebnissen für das Jahr 2018. Damals wurden 879 Tarife untersucht. Davon erreichten 598 (68,0 Prozent) Vier oder Fünf Sterne-Bewertungen. Lediglich 64 Tarife (7,3 Prozent) wurden mit einem oder zwei Sternen bewertet. 217 Tarife (24,7 Prozent) waren damals „durchschnittlich“.
 

Ursachen vielschichtig - noch wenig Corona-Effekte

Gründe für diese Strukturverschiebung im Zeitablauf gibt es viele. Steigende Gesundheitsausgaben infolge der allgemeinen Preisentwicklung, neuer Medikamente und innovativer medizinischer Verfahren sind eine Ursache. Andere Einflussfaktoren sind der demografische Wandel und die höhere Lebenserwartung. Die Versichertenbestände in den einzelnen Tarifen altern zusehends, was sich zwangsläufig auf die Beitragskalkulation auswirkt. Last but not least wirken sich auch die niedrigen Zinsen aus, vor allem im Zusammenhang mit den Altersrückstellungen.

Corona-Effekte konnten die M & M-Experten bei der diesjährigen Untersuchung noch nicht feststellen. Das muss aber nicht so bleiben. In den vergangenen Monaten wurden viele Behandlungen wegen Corona aufgeschoben. Das wirkte sich zunächst entlastend bei den Leistungsausgaben aus. Auf der anderen Seite wurden die Versicherer durch Corona-Maßnahmen verstärkt in Anspruch genommen. Aufgeschobene Behandlungen dürften nun zunehmend nachgeholt werden, was sich entsprechend bei den Ausgaben auswirken wird. Noch schwer abzuschätzen sind die finanziellen Langzeitfolgen von Corona.
 

PKV-Beiträge steigen nicht mehr als in der GKV

Längerfristige Vergleiche zwischen GKV- und PKV-Beiträgen zeigen, dass die Beiträge im privaten Versicherungssektor nicht schneller oder stärker steigen als bei den gesetzlichen Krankenkassen - eher im Gegenteil. Der gesetzlich vorgegebene Anpassungsmechanismus sorgt aber bei den PKV-Tarifen für Beitragssprünge nach Jahren unveränderter Beiträge, während die GKV-Beiträge gleichmäßig mit der Einkommensentwicklung steigen. Beitragssprünge bewirken dann regelmäßig einen „Beitrags-Schock“. Beim Beitragssprung werden die zuvor unterlassenen Anpassungen nachgeholt.

"Privatpatient" werden und trotzdem weniger bezahlen?

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Erfüllen Sie diese Voraussetzungen nicht, können Sie dennoch Ihren Versicherungsschutz über private "Zusatztarife" aufwerten.

Das Privileg "Privatpatient" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung - vorausgesetzt man ist beim richtigen Anbieter.
 

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