
Gute Bedingungen - Analyse der Versicherungsbedingungen bei PKV-Tarifen
Bei Versicherungstarifen kommt es bekanntlich nicht nur darauf an, wie hoch die Prämie ist. Auch die Leistung zählt. Das gilt selbstverständlich auch bei Tarifen in ...
Nachhaltigkeit ist wohl einer der meistgenutzten Begriffe in unserer Zeit. Wir wollen und sollen nachhaltig wirtschaften, arbeiten und leben. Oft wird Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit ökologischen Themen gebraucht. Das ist aber eine Begriffsverengung. Nachhaltigkeit ist vielmehr ein allgemeines Handlungsprinzip bei der Nutzung von Ressourcen. Sie soll so erfolgen, dass die Regenerationsfähigkeit erhalten bleibt und eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung möglich ist. Die Prüfung von Nachhaltigkeit impliziert dabei stets die Langzeit-Perspektive.
Unter diesem weiter gefassten und auf lange Sicht angelegten Nachhaltigkeits-Verständnis hat die Strategie- und Managementberatung concern zwölf ausgewählte PKV-Tarife auf ihre Nachhaltigkeit untersucht. Die Ergebnisse sind in die PKV-Vergleichsstudie Nachhaltigkeit 2024 eingeflossen, die bereits im vergangenen Jahr vorgestellt wurde. Dass das Thema Nachhaltigkeit bei der Auswahl von PKV-Tarifen immer wichtiger wird, liegt nach Ansicht der Studienautoren daran, dass die Welt heute komplexer und volatiler geworden ist. Während frühere Generationen noch von stabilen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgehen konnten, sei das inzwischen nicht mehr der Fall.
Befragt man allerdings PKV-Versicherte zum Thema Nachhaltigkeit, ist das Ergebnis zweideutig. Die concern-Studie bezieht sich auf Marktforschungsergebnisse einer McKinsey-Untersuchung. Danach ist für 48 Prozent der Versicherten das Thema Nachhaltigkeit wichtig, für 17 Prozent sogar sehr wichtig. Bei der Frage, wie wichtig es sei, dass der eigene Krankenversicherer glaubwürdig für das Thema Nachhaltigkeit einstehe, war jedoch die Hälfte der Befragten unentschlossen. Nur 18 Prozent war das wichtig und 3 Prozent sehr wichtig. Die Studienautoren interpretieren das so, dass den Versicherten der Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und dem Nachhaltigkeitsstreben ihres Versicherers noch nicht hinreichend klar sei. Vielleicht handelt es sich aber auch um eine Momentaufnahme in einem gerade stattfindenden Bewusstseinswandel.
Die ausgewählten PKV-Tarife wurden in vier Nachhaltigkeitsfeldern untersucht. Die einzelnen Bereiche flossen dabei unterschiedlich gewichtet in die Gesamtbewertung ein. Einen Überblick gibt folgende Tabelle:
Nachhaltigkeit des Anbieters | Nachhaltigkeit bei Kapital- anlagen | Nachhaltigkeit bei Stabilität | Nachhaltigkeit bei Leistung und Kunden- orientierung | |
Nachhaltigkeitskriterien |
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Gewichtung | 15 Prozent | 15 Prozent | 35 Prozent | 35 Prozent |
Bei der Bewertung wurden in den einzelnen Bereichen Punkte vergeben. Insgesamt konnten 100 Punkte erreicht werden. Davon blieben alle untersuchten Tarife ein ganzes Stück entfernt. Der beste Tarif schaffte 62 Punkte. Fünf Tarife erreichten 50 Punkte oder mehr. Der „am wenigsten nachhaltige“ Tarif kam lediglich auf 24 Punkte.
Ein ähnliches Bild ergibt sich auch, wenn man die einzelnen Nachhaltigkeitsfelder betrachtet:
Die Studienautoren weisen auf die relativ breite Streuung der Ergebnisse hin. Ihr Fazit: Nachhaltigkeit bietet eine echte Chance für private Krankenversicherer, wenn sie mit den langfristigen Kundenbedürfnissen in Bezug gesetzt wird. Die Kundenerwartungen verändern sich und fordern immer mehr auch langfristige Sicherheit. Für die Anbieter ist es vor diesem Hintergrund wichtig, noch vorhandene Nachhaltigkeitspotentiale konsequent auszuschöpfen.