Wie beurteilen gesetzlich und privat Krankenversicherte das Gesundheitssystem?

News-Artikel vom: 08.05.2023

Dieser Frage geht eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) nach. Dazu wurden jeweils 1000 privat bzw. 1004 gesetzliche Versicherte repräsentativ befragt. Nimmt man ihre Aussagen zusammen, gibt es beim deutschen Gesundheitssystem durch noch Verbesserungspotentiale.

Nur 44 Prozent der Befragten zeigten sich mit dem Gesundheitssystem „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. 35 Prozent antworteten bei Zufriedenheit mir „teils, teils“ und 21 Prozent äußerten sich „unzufrieden“ oder „sehr unzufrieden“. Begeisterte Zustimmung sieht anders aus. Interessant sind die unterschiedlichen Beurteilungen bei GKV-Mitgliedern und PKV-Versicherten. Kassenmitglieder sind zu 42 Prozent (sehr) zufrieden und zu 22 Prozent (sehr) unzufrieden mit dem Gesundheitssystem. Privatversicherte zeigen sich mit 55 Prozent deutlich zufriedener und sind mit 15 Prozent auch weniger unzufrieden.
 

Künftige Gesundheitsversorgung eher schlechter als besser erwartet

Relativ pessimistisch sind die Befragungsteilnehmer, was die Entwicklung der Gesundheitsversorgung betrifft. 73 Prozent der GKV-Mitglieder und 78 Prozent der Privatversicherten sind der Meinung, die Leistungen des Gesundheitssystems seien in den letzten Jahren gleich geblieben. 40 Prozent der Kassenmitglieder und 31 Prozent der Privatversicherten erwarten hier in der Zukunft eine Verschlechterung. Mit einer besseren Versorgung rechnet nur etwa jeder zehnte Versicherte.

Kassenpatienten erleben die Versorgung mit medizinischen Leistungen tendenziell restriktiver als Privatversicherte. Diese Erkenntnis ist angesichts unterschiedlicher Leistungsniveaus und Abrechnungsmodalitäten in beiden Versicherungssystemen wenig überraschend. So hatten zum Beispiel 17 Prozent der befragten Kassenmitglieder schon mal den Eindruck gehabt, ihnen seien medizinische Leistungen vorenthalten worden. Bei den Privatversicherten sagten das nur 3 Prozent.
 

Solidarprinzip stößt auf große Zustimmung - auch bei Privatversicherten

Konstitutives Element im gesetzlichen System ist das Solidarprinzip, während in der PKV - wie generell bei privaten Versicherungen - das Äquivalenzprinzip gilt. Beiträge werden hier nach der voraussichtlichen Leistungsinanspruchnahme und nach dem individuellen Risiko kalkuliert. Solidarprinzip in der GKV bedeutet, dass

  • Gesunde den gleichen Beitrag zahlen wie Kranke bzw. Risikopatienten;
  • die Beitragshöhe unabhängig vom Alter ist;
  • nicht einkommenserzielende Familienmitglieder kostenlos mitversichert sind;
  • Bezieher höherer Einkommen stärker zur Beitragsleistung herangezogen werden als Niedrigverdiener.

Diese Ausprägungen des Solidaprinzips stoßen bei den gesetzlich Krankenversicherten auf durchweg hohe Zustimmungswerte. Bei den befragten Kassenmitgliedern stimmte jeweils eine große Mehrheit den bestehenden Regelungen zu diesen Punkten zu. Interessanterweise gab es hier auch viel Zustimmung bei den - nicht betroffenen - Privatversicherten. Nur bei den Punkten „Junge zahlen genauso viel wie Ältere“ und „Ehepartner ohne Arbeitseinkommen sollen kostenfrei mitversichert werden“ lag die Zustimmung (knapp) unter 50 Prozent.
 

Auch Beamte, Selbständige und Besserverdiener sollen solidarisch zahlen

Die Befragungsteilnehmer sollten auch sich auch zu möglichen Reformoptionen für das Gesundheitssystem äußern. Die größte Zustimmung unter den GKV-Mitgliedern fand dabei der Vorschlag, auch Beamte, Selbstständige und Besserverdiener an der Gemeinschaftsfinanzierung des Gesundheitssystems zu beteiligen. 75 Prozent der befragten Kassenmitglieder waren dafür, immerhin auch 46 Prozent der Privatversicherten. Man kann das als ein Plädoyer für die „Bürgerversicherung“ interpretieren.

Ebenfalls viel Zustimmung fand der Vorschlag, dass die Beitragsfreiheit für nicht erwerbstätige Ehepartner in der GKV aufgegeben werden solle, wenn das Familieneinkommen über der Beitragsbemessungsgrenze liegt. 55 Prozent der befragten GKV-Mitglieder und 60 Prozent der Privatversicherten sprachen sich hier für eine eigene Beitragspflicht ist.

Insgesamt interpretieren die Studienautoren dieses Meinungsbild als ein Plädoyer für mehr Solidarität in der Krankenversicherung. Werte wie die Fairness und Gerechtigkeit stünden bei den Bundesbürgern hoch im Kurs - auch und gerade wenn es um Gesundheitsleistungen gehe.

 

 

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