Kosten eines Pflegeheims - für viele eine Unbekannte!

In Deutschland gibt es mehr als vier Millionen Pflegebedürftige, rund 20 Prozent davon werden vollstationär in Pflegeheimen betreut. In den nächsten Jahren wird der Pflegebedarf weiter zunehmen. Verantwortlich dafür: der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung. Die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden steigt mit dem Alter.

Dennoch gilt für viele Bundesbürger die Einstellung: „Ich werde kein Pflegefall“. Gerade für jüngere Menschen ist es schwer vorstellbar, einmal pflegebedürftig zu werden, obwohl das statistische Pflegerisiko nachgewiesenermaßen 50 Prozent beträgt. Von nicht akut Betroffenen wird das unangenehme Thema Pflege gerne verdrängt, ähnlich wie der Tod. Dass dann manche Sachverhalte falsch eingeschätzt werden, liegt auf der Hand - zum Beispiel die Pflegekosten in Pflegeheimen.
 

Unwissen und Unsicherheit weit verbreitet

Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des ErfurterMeinungsforschungs-Instituts Insa-Consulere im Auftrag des PKV-Verbands. Das Institut hat Anfang September mehr als 2.000 Teilnehmer im Rahmen einer größeren Erhebung online befragt. Danach war nur 57 Prozent der Befragten klar, dass die Unterbringung im Pflegeheim teuer werden kann. Derzeit müssen stationär Pflegebedürftige im Bundesschnitt etwas mehr als 2.000 Euro monatlich selbst tragen. Dabei gibt es erhebliche regionale Unterschiede nach unten und nach oben.

20 Prozent der Umfrageteilnehmer konnten die Kostenfrage nicht beantworten. Der Rest - ein erheblicher Teil - machte keine Angaben oder war sich unsicher. Wenig überraschend ist die Unwissenheit in jüngeren Altersgruppen besonders stark ausgeprägt. Bei den 18- bis 29jährigen haben nur 41 Prozent eine realistische Vorstellung von den Kosten einer Pflegeheim-Unterbringung.
 

Gesetzliche Pflegeversicherung nur ein Zuschussbetrieb

Obwohl das immer wieder betont worden ist, vielen ist offensichtlich nicht bewusst, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur ein Zuschussbetrieb ist. Die Pflichtversicherung war von Anfang an nicht auf Kostendeckung angelegt. Zwar konnte im Sommer noch kurz vor dem Ende der Legislaturperiode das „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“ verabschiedet werden, das auch eine Pflegereform enthält.

Diese sieht u.a. eine finanzielle Entlastung bei den Eigenanteilen vor. Die Pflegeversicherung zahlt künftig (ab 1.1.2022) einen Zuschlag zum pflegebedingten Eigenanteil bei Heimunterbringung. Er steigt schrittweise mit der Pflegedauer - im ersten Jahr beträgt er 5 Prozent des Eigenanteils, im zweiten Jahr 25 Prozent und ab dem dritten Jahr 75 Prozent. Erst nach 36 Monaten findet demnach eine signifikante Kostenentlastung statt. Kosten für Unterbringung und Verpflegung im Heim sind dagegen weiterhin zu 100 Prozent selbst zu tragen.
 

Nur 5 Prozent der Erwachsenen mit privatem Pflegezusatzschutz

Angesichts dessen braucht es nach wie vor private Vorsorge für den Fall des Pflegefalls. Doch die private Pflegezusatzversicherung ist bisher nur mäßig gefragt - und das trotz staatlicher Förderung (Stichwort: Pflege-Bahr). Ende 2020 verzeichneten die Versicherer rund 3,8 Mio. private Pflegezusatzversicherungen, davon etwas mehr als 900.000 Pflege-Bahr-Verträge. Das entspricht einem Anteil von lediglich 5 Prozent der erwachsenen Gesamtbevölkerung. Es besteht also noch viel Potential und auch Handlungsbedarf!

"Privatpatient" werden und weniger bezahlen?

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Erfüllen Sie diese Voraussetzungen nicht, können Sie dennoch Ihren Versicherungsschutz über private "Zusatztarife" aufwerten.

Das Privileg "Privatpatient" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung - vorausgesetzt man ist beim richtigen Anbieter.
 

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