Beitragsentwicklung in GKV und PKV - Beiträge im gesetzlichen System steigen schneller

News-Artikel vom: 19.12.2022

Private Krankenversicherer stehen immer wieder in der Kritik wegen drastischer Beitragserhöhungen. Auch zum bevorstehenden Jahreswechsel dürfte es wieder Meldungen über Beitragssprünge geben. Dabei wird gerne übersehen, dass den Beitragsanhebungen oft eine längere Phase der Beitragsstabilität vorausgeht.

Die Beiträge in der GKV sind dagegen deutlich weniger schlagzeilenträchtig, obwohl auch sie steigen. Allenfalls höhere Zusatzbeiträge werden wahrgenommen. Weitaus bedeutender sind aber höhere Beiträge durch Einkommenszuwächse und die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze. Der allgemeine Beitragssatz bleibt zugleich unverändert. Dieser Prozess findet eher „schleichend“ statt - unterhalb des Radars der Öffentlichkeit.
 

Beitragsentwicklung pro Kopf im Zeitraum 2013 bis 2023

Für das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) war das jetzt Anlass, die Beitragsentwicklung in GKV und PKV im Rahmen einer Kurzanalyse einer vergleichenden Betrachtung zu unterziehen. Betrachtet wurde die Beitragsentwicklung im Zeitraum 2013 bis 2023. Dazu wurden jeweils die Beitragseinnahmen in beiden Systemen in einer „Pro-Kopf-Berechnung“ auf die Zahl der Versicherten umgelegt.

Für die Jahre 2022 und 2023 liegen noch keine endgültigen Zahlen vor. Hier behalf sich das WIP mit Schätzungen und Extrapolationen. In der PKV wurden für die Jahre 2022 und 2023 die vom PKV-Verband veröffentlichten Schätzungen zu den Beitragseinnahmen zugrunde gelegt. Danach wird für 2022 mit einer Verteuerung der Pro-Kopf-Beiträge um durchschnittlich 2,2 Prozent gerechnet, für 2023 mit 3,7 Prozent. Bezogen auf die GKV stützte man sich auf Schätzungen des Bundesamtes für Soziale Sicherung. Danach steigen die GKV-Beiträge 2022 im Schnitt um 3,0 Prozent und 2023 um 2,2 Prozent.

Für die gesamte Dekade 2013 bis 2023 ermittelt das WIP auf der Basis tatsächlicher oder geschätzter Daten in der GKV einen Anstieg der Beitragsbelastung pro Kopf um 40,2 Prozent, in der PKV um 32,0 Prozent. Auf Jahresbasis umgerechnet ergibt sich daraus ein durchschnittlicher jährlicher Anstieg der Beitragsbelastung in der GKV von 3,4 Prozent und in der PKV von 2,8 Prozent. Fazit: die Beiträge sind in der PKV langsamer gestiegen als in der GKV.

Die Mehrbelastung in der GKV resultiert im Wesentlichen aus Einkommenszuwächsen in Verbindung mit der einkommensabhängigen Beitragserhebung. Dabei wirkte sich auch die kontinuierliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze aus. Sie ist im Betrachtungszeitraum um 26,7 Prozent gestiegen. Der GKV-Höchstbeitrag hat sich dadurch von 575 Euro p.m. auf 808 Euro p.m. erhöht - ein Anstieg um 40,5 Prozent. Die Zusatzbeiträge sind dagegen im Schnitt annährend stabil geblieben - zuletzt auch wegen deutlich erhöhter Steuerzuschüsse an die GKV. Mit der Anhebung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags um 0,3 Prozentpunkte 2023 wird dieser „Stabilitätspfad“ erstmals verlassen.
 

Beitragserhebung und Beitragsanpassung nach unterschiedlichen Regeln

Im Ergebnis ist daher festzustellen, dass der Eindruck überproportionaler Verteuerungen in der PKV täuscht. Das Gegenteil ist richtig. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Beitragsberechnung in beiden Systemen nach grundsätzlich anderen Regeln erfolgt. In der GKV gilt das Solidarprinzip und die Beiträge richten sich maßgeblich nach dem Einkommen. In der PKC kommt - wie generell in der privaten Versicherungswirtschaft - das Äquivalenzprinzip zur Anwendung: Tarife werden so kalkuliert, dass die zu erwartenden Ausgaben durch die Prämieneinnahmen gedeckt sind. Die Konsequenz, Menschen mit niedrigem Einkommen profitieren von der einkommensbezogenen Beitragserhebung in der GKV, Menschen mit hohem Einkommen von der einkommensunabhängigen Kalkulation in der GKV.

Beitragsanpassungen in der PKV erfolgen überdies nach einem gesetzlich vorgeschriebenen Mechanismus. Erst wenn bestimmte auslösende Faktoren gewisse Schwellenwerte überschreiten, ist eine Tarifneukalkulation erforderlich und kann eine Beitragsanpassung stattfinden. Das führt dann in vielen Fällen zu sprunghaften Steigerungen. In der Durchschnittsbetrachtung auf Jahresbasis relativiert sich aber dieser Anstieg.

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