Beitragseinnahmen und Ausgaben - PKV und GKV im Langzeitvergleich

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Gesetzliche und private Krankenversicherung basieren auf zwei unterschiedlichen Systemen. Während in der GKV das Solidarprinzip gilt, funktioniert die PKV nach dem - in der privaten Versicherungswirtschaft üblichen - Äquivalenzprinzip. Solidarprinzip bedeutet, dass die GKV-Beiträge nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit - dem Einkommen - bemessen werden, die PKV-Beiträge werden dagegen auf Basis des versicherten Risikos kalkuliert. Das Einkommen spielt hier keine Rolle.

Systemunterschiede gibt es auch bei den Leistungen. Die Leistungen in der GKV beruhen auf einem allgemeinen gesetzlichen Leistungskatalog. In der PKV gründen sie auf dem, was im jeweiligen Versicherungsvertrag vereinbart ist. Überwiegend besteht dabei in der PKV ein höheres Leistungsniveau als in der GKV, die nur für medizinische Regelleistungen aufkommt.
 

WIP-Analyse sieht PKV im Vorteil

Trotzdem haben sich Ausgaben und Einnahmen in beiden Krankenversicherungssystemen relativ gleichgerichtet - allerdings unterschiedlich ausgeprägt - entwickelt. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP). In der Pro-Kopf-Betrachtung fällt der Vergleich von Beitragsbelastung und Ausgaben sogar zugunsten der PKV aus, wenn man sich auf die relative Veränderung fokussiert. Das überrascht angesichts von immer wieder publizierten Meldungen über sprunghafte Beitragssteigerungen in der PKV. Diese sind allerdings meist einzeltarifbezogen und zum guten Teil dem gesetzlichen Beitragsanpassungs-Mechanismus geschuldet. Dieser sorgt für diskontinuierliche Beitragssprünge.
 

(Gute) Gründe für höhere Gesundheitsausgaben

Grundsätzlich stellt die WIP-Studie einen überproportionalen Anstieg der Gesundheitsausgaben im Zeitablauf im Vergleich zur Entwicklung des Bruttosozialprodukts fest. „Gesundheit wird immer teurer“. Dieses Faktum trifft beide Systeme. Verantwortlich sind nach Meinung der WIP-Analysten folgende Faktoren:

  • der medizinische-technische Fortschritt mit kostenintensiveren Behandlungen;
  • die Alterung der Gesellschaft mit steigendem Behandlungsbedarf als Konsequenz;
  • Erweiterungen des medizinischen Leistungskatalogs und -angebots;
  • Höhere Lohnkosten im Gesundheitswesen ohne entsprechende Produktivitätssteigerungen.

Beide Systeme stehen daher vor der Herausforderung, höhere Beitragseinnahmen zur Deckung der steigenden Ausgaben zu generieren. In der GKV geschieht dies zum größten Teil automatisch durch die allgemeine Lohnentwicklung. Bei gleichem Beitragssatz führen höhere Löhne von selbst zu mehr Beiträgen. Nur die Zusatzbeiträge werden von den Kassen selbst gesteuert. In der PKV muss die Beitragsanpassung dagegen explizit erklärt werden und wird dadurch besonders wahrgenommen.
 

Ausgaben und Beitragsbelastung 2009 bis 2019

Die WIP-Analyse betrachtet die Entwicklung der Ausgaben und Beitragsbelastung pro Kopf und legt dabei jeweils das Jahr 2009 als Ausgangspunkt mit einem Ausgangsniveau von 100 Prozent zugrunde. Davon ausgehend wird die Entwicklung bis 2019 einschließlich betrachtet. Die Daten beruhen bis 2017 auf Ist-Werten, für 2018 und 2019 auf Schätzwerten.

Danach verläuft die Ausgabenentwicklung in beiden Systemen bis 2013 nahezu identisch. Seither ist eine gewisse Spreizung zu beobachten. Bis Ende 2019 werden GKV-Ausgaben pro Mitglied voraussichtlich auf 141 Prozent steigen. Das bedeutet einen durchschnittlichen Ausgabenanstieg von 3,5 Prozent pro Jahr. In der PKV erfolgt dagegen nur ein Anstieg der Ausgaben je Versicherungsnehmer auf 136 Prozent - Mehrausgaben von 3,1 Prozent p.a.

Bei der Beitragsbelastung sieht das Bild etwas anders aus. Hier kam es in der GKV 2010 zunächst durch eine Erhöhung des Bundeszuschusses und eine Senkung des allgemeinen Beitragssatzes zu einer geringeren Beitragsbelastung, danach zu einem kontinuierlichen Anstieg bis auf schätzungsweise 138 Prozent Ende 2019 (durchschnittlich +3,3 Prozent p.a.). In der PKV steigt die Beitragsbelastung „ohne Delle“ auf 132 Prozent (durchschnittlich + 2,8 Prozent p.a.).
 

Demografie als Erklärung

Die WIP-Experten erklären diese unterschiedliche Entwicklung zu einem wesentlichen Teil durch den demografischen Wandel. Er führt dazu, dass in der GKV der Anteil der (jüngeren) Nettozahler im Zeitablauf sinkt, während der Anteil der (älteren) Nettoleistungsempfänger steigt. Das belastet das System. In der PKV wird der Demografie-Effekt weitgehend durch die Altersrückstellungen ausgeglichen und spielt daher kaum eine Rolle.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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