Zuzahlungen in der GKV - Patienten müssen deutlich mehr zahlen

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Zuzahlungen sind eine Form der Selbstbeteiligung in der GKV. Sie fallen bei Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln an. Aber auch bei nahezu allen anderen Leistungen der GKV sind Zuzahlungen zu leisten - zum Beispiel bei Krankenhausaufenthalten, Reha-Maßnahmen oder häuslicher Krankenpflege.

Die Höhe der Zuzahlung ist auf zehn Prozent der jeweils entstehenden Kosten begrenzt, mindestens beträgt sie fünf Euro, höchstens zehn Euro - aber nicht mehr als die Kosten selbst. Für einige Bereiche gelten Sonderregelungen. Unter bestimmten Bedingungen - bei „sozialen Härtefällen“ - ist eine Befreiung von der Zuzahlungspflicht möglich. Bis zum Erreichen der Volljährigkeit fallen keine Zuzahlungen an, ebenso wenig wenn die persönliche Belastungsgrenze überschritten wird.
 

Anstieg deutlich über der Inflation

Mit der Zuzahlungspflicht sparen die Krankenkassen Ausgaben. Außerdem kann die Selbstbeteiligung als Instrument gesehen werden, um sicherzustellen, dass tatsächlich nur benötigte Leistungen in Anspruch genommen werden. Die Zuzahlungen der GKV-Mitglieder sind in den beiden letzten Jahren deutlich gestiegen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor. Die Zahlen stammen vom Gesundheitsministerium. Danach mussten GKV-Mitglieder im vergangenen Jahr insgesamt 4,21 Mrd. Euro an Zuzahlungen leisten. Gegenüber 2017 bedeutet das ein Mehr von 108 Mio. Euro, im Vergleich zu 2017 sind es sogar 342 Mio. Euro. Relativ gesehen haben sich die Zuzahlungen damit binnen zwei Jahren um 8,8 Prozent erhöht - ein Anstieg, der weit über der allgemeinen Inflation liegt.
 

Heil- und Hilfsmittel als Zuzahlungs-Treiber

Den größten Selbstbeteiligungsposten machen Zuzahlungen bei Medikamenten und Verbandsmaterial aus. Auf sie entfielen 2018 2,25 Mrd. Euro oder 53,4 Prozent. Für Krankenhausaufenthalte fielen 694 Mio. Euro bzw. 16,5 Prozent an. Heil- und Hilfsmittel schlugen mit 934 Mio. Euro oder 22,2 Prozent zu Buche. Zieht man die Zahlen des Vorjahres zum Vergleich heran, zeigt sich, dass die Zuzahlungen bei Heil- und Hilfsmitteln mit einem Plus von 5,3 Prozent besonders stark gestiegen sind. Auf Zwei-Jahres-Sicht waren es sogar 18,4 Prozent. Bei Medikamenten waren im Vorjahresvergleich 2,5 Prozent mehr zu zahlen und bei Krankenhausaufenthalten betrug der Anstieg nur 0,6 Prozent.

Der überproportional starke Anstieg ist damit in erster Linie einem Bereich geschuldet - den Heil- und Hilfsmitteln. Hierunter fallen zum Beispiel Behandlungen beim Physiotherapeuten oder Ausgaben für Hörgeräte und Gehhilfen. Hier könnte es demnächst sogar noch zu einer zusätzlichen Zuzahlungsdynamik kommen. Denn Bundesgesundheitsminister Spahn plant eine Erhöhung der Therapeuten-Honorare. Anders als bei Medikamenten ist die Zuzahlung hier nicht auf zehn Euro begrenzt. Patienten müssen bei jeder Verordnung zusätzlich zehn Prozent der Behandlungskosten tragen.
 

Neue Diskussion um Zuzahlungen?

Die Milliarden-Beträge, die jährlich bei Zuzahlungen zusammenkommen, bedeuten für die Krankenkassen eine spürbare Entlastung. Angesichts der ausgezeichneten Finanzlage der GKV und der deutlich gestiegenen Belastung der Patienten dürften Forderungen neue Nahrung erhalten, die auf eine nachhaltige Erleichterungen bei den Zuzahlungen oder gar eine komplette Abschaffung zielen. Kurzfristig ist allerdings nicht mit Änderungen zu rechnen. Denn das Zuzahlungsthema steht derzeit nicht auf der Agenda der Großen Koalition.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

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