Videosprechstunden beim Arzt - von der Ausnahme zum Regelbetrieb?

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Die Wochen des Corona-Stillstands haben viele gewohnte Abläufe und Vorgehensweisen in Frage gestellt oder unmöglich gemacht. Andere Vorgänge, die zuvor nur ausnahmsweise möglich waren, gerieten zum Regelbetrieb. Das gilt auch für Videosprechstunden beim Arzt.

Bis zum Shutdown Mitte März befand sich der virtuelle Arztbesuch in Deutschland praktisch noch im Versuchsstadium. Über die Zweckmäßigkeit von Behandlungen am Bildschirm wurde lange gestritten und erst zaghaft hatte eine Öffnung begonnen - mit Einschränkungen und Auflagen. Eine davon: die persönliche Erstvorstellung beim Arzt vor Videosprechstunden. Viele Ärzte standen (und stehen) dieser Form des Arzt-Patienten-Kontaktes skeptisch gegenüber.
 

Begrenzungen bei Videosprechstunden vorerst ausgesetzt

Corona hat die Situation grundlegend verändert. Wegen des Infektionsrisikos sollten persönliche Arztbesuche nur noch auf das notwendige Minimum beschränkt werden. Bestehende Begrenzungen für Videosprechstunden wurden aufgehoben. So galt vor Corona eine 20 Prozent-Regel: niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten durften pro Quartal maximal 20 Prozent ihrer Sprechstunden per Video anbieten, damit die Krankenkassen Kostenerstattung leisteten. Das gilt vorerst nicht mehr. Gut möglich, dass solche „Lockerungen“ auch nach Corona erhalten bleiben.

Sofern sich Videosprechstunden im Rahmen der geltenden Vorgaben halten, handelt es sich um eine reguläre Kassenleistung. Das ist bereits seit Mitte 2017 so. Geeignetes technisches Equipment (Online-Verbindung und Bildschirm mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher) ist natürlich Grundvoraussetzung für die Durchführung. Darüber hinaus müssen die Ärzte bei der Technik Dienstleister nutzen, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zertifiziert sind. Für die Durchführung und den Ablauf gelten ebenfalls bestimmte Regeln. Daran hat Corona nichts geändert.
 

Großzügigere Handhabung in der PKV

In der PKV werden Videosprechstunden seit jeher großzügiger gehandhabt. Die meisten PKV-Tarife sehen keine Einschränkungen für die Kostenübernahme bei ärztlichen oder psychotherapeutischen Videosprechstunden vor. Entscheidend ist immer die „medizinische Notwendigkeit“ einer Untersuchung oder Behandlung. Auf welchem Weg diese durchgeführt wird, ist zweitrangig, solange dieser zweckmäßig ist.

Einige gesetzliche Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern inzwischen die Möglichkeit einer medizinisch fundierten Online-Beratung. Dabei geht es nicht um medizinische Behandlung, sondern um Beantwortung von Fragen, Informationen, Tipps und Hinweise für das beste Vorgehen. Die Kassen arbeiten hier mit externen Beratungszentren zusammen. Die Anliegen werden von medizinisch fachkundigem Personal – oft Ärzten – behandelt. Es besteht sogar die Möglichkeit, auf diesem Weg auch ohne vorherigen Arztbesuch mit Fachärzten Kontakt aufzunehmen.
 

Versuche mit „reiner“ Telemedizin

Anders sieht es bei rein „telemedizinische“ Behandlungen ohne vorherigen persönlichen Kontakt aus. Dafür gibt es inzwischen einige, auch in Deutschland zugängliche Plattformen. Die Inanspruchnahme solcher Angebote ist selbstverständlich möglich und zulässig. Es handelt sich allerdings um keine Kassenleistung. Die Nutzer sind in aller Regel Selbstzahler. Bei einigen BKK’s bestehen Kooperationen mit solchen Anbietern mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten. Wiederum großzügiger sind die privaten Krankenversicherer. Je nach PKV-Tarif wird wenigstens ein Teil der Kosten erstattet.

Im Kassenbereich gibt es diesbezüglich eine Ausnahme: denModellversuch Docdirect in Baden-Württemberg. Das Angebot steht nur GKV-Mitgliedern in Baden-Württemberg offen. Mit einer entsprechenden App kann hier Kontakt zu einem Tele-Arzt aufgenommen werden, der dann den Behandlungsbedarf, die Therapie und das weitere Vorgehen festlegt. Die Kosten trägt die jeweilige Krankenkasse. Ursprünglich sollte das auf zwei Jahre befristete Projekt Mitte April 2020 auslaufen, jetzt hat sich die zuständige Kassenärztliche Vereinigung in Baden-Württemberg für eine unbefristete Verlängerung entschieden.

Im PKV-Bereich ist der erste rein digitale private Krankenversicherer ottonova Vorreiter bei „Fernbehandlungen“. ottonova-Kunden konnten schon vor Corona via App den Arzt-Video-Call für Diagnosen, Rezepte und Krankschreibungen nutzen. Die beteiligten Ärzte sitzen in der Schweiz. Allerdings ist ottonova ein Spezial-Anbieter im PKV-Bereich für „Digital Natives“. Das Angebot hat (noch) keine Breitenwirkung.
 

Schub für die Weiterentwicklung des Gesundheitsweisens

Das könnte sich im Zuge von Corona ändern. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, was telemedizinisch alles möglich ist und der Corona-Stillstand bot genug Gelegenheit zum Üben. Das muss kein Nachteil für die weitere Entwicklung des Gesundheitswesens in Deutschland sein.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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