Verwaltungskosten in der PKV – nicht unter- und nicht überschätzen

Jedes PKV-Unternehmen benötigt für sein Geschäft einen Verwaltungsapparat. Die Betreuung des Versicherungsbestands, Abrechnung und Kostenerstattung, Personaladministration, Rechnungswesen und andere Aufgaben erfordern eine umfangreiche Organisation. Die damit verbundenen Verwaltungskosten schlagen sich in den Ergebnissen nieder, fließen aber auch in die Tarifkalkulation ein.

Der im Frühjahr erschienene Map-Report914 des Analyse-Hauses Franke und Bornberg enthält nähere Angaben zu den Verwaltungskosten im PKV-Bereich. Er macht deutlich, dass es eine erhebliche Bandbreite gibt, was die Höhe der Kosten betrifft. Die Versicherer sind offensichtlich bezüglich ihrer Administration unterschiedlich aufgestellt. Darüber berichtet das VersicherungsJournal Deutschland.
 

Verwaltungskosten-Durchschnitt bei 2,31 Prozent

Im Betrachtungszeitraum 2014 bis 2018 lag die Verwaltungskostenquote im Durchschnitt bei 2,31 Prozent. Die Quote wird aus den Brutto-Verwaltungsaufwendungen bezogen auf die Brutto-Beiträge berechnet. Das bedeutet gegenüber der vorhergehenden Untersuchung (Betrachtungszeitraum 2013 bis 2017) einen leichten Rückgang um 0,02 Prozentpunkte. Die Versicherer hätten sich demnach etwas „verschlankt“.

Die mit Abstand niedrigste Verwaltungskostenquote wies im aktuellen Map-Report die HUK-Coburg mit 0,91 Prozent auf. Das ist rund 60 Prozent unter dem Schnitt. Weiter neun Anbieter blieben ebenfalls unter dem Durchschnitt, wenn auch nicht so deutlich. Weniger als 2 Prozent Verwaltungskosten hatten die Debeka, dieLandeskrankenhilfe V.V.a.G. (LKH), dieR+V Krankenversicherung AG, dieAlte Oldenburger Krankenversicherung AG und die Süddeutsche Krankenversicherung a.G. (SDK).
 

Höchste Kostenquote 60 Prozent über dem Schnitt

Zehn der im Map-Report erfassten Unternehmen wiesen überdurchschnittlich hohe Verwaltungskosten auf. „Spitzenreiter“ - oder andersherum betrachtet „Schlusslicht“ - war die Mecklenburgische Krankenversicherungs-AG mit 3,7 Prozent Verwaltungskostenquote. Das sind 60 Prozent über dem Schnitt. Bei der letzten Untersuchung hatte ihre Kostenquote sogar noch bei knapp 4 Prozent gelegen.

Ebenfalls höher als 3 Prozent lagen dieNürnberger Krankenversicherung AG, dieWürttembergische Krankenversicherung AG, die Central Krankenversicherung AG (jetzt Generali Deutschland Krankenversicherung AG), dieConcordia Krankenversicherungs-AG und dieMünchener Verein Krankenversicherung a.G. Die DEVK Krankenversicherung schaffte es auf exakt 3 Prozent.
 

Größe allein garantiert noch keine günstigen Kostenstrukturen

Interessant ist auch die Betrachtung der Verwaltungskostenquote nach der Größe der Unternehmen. Nur 5 der 12 größten PKV-Anbieter schafften es kostengünstiger als der Durchschnitt zu wirtschaften - allen voran dieHUK-Coburg (0,91 Prozent) und MarktführerDebeka (1,44 Prozent). DieBayerische Beamtenkrankenkasse AG (BBKK), dieHansemerkur Krankenversicherung AG und die Axa Krankenversicherung AG blieben im Zwei-Prozent-Bereich - ebenfalls unterhalb der durchschnittlichen 2,31 Prozent. Die Barmenia bewegte sich mit 2,38 Prozent nahe am Schnitt. Dies zeigt: Größe allein ist kein Garant für niedrige Verwaltungskosten.

Die Höhe der Verwaltungskosten - insbesondere im Vergleich – bildet ein Indiz dafür, wie effizient ein PKV-Anbieter wirtschaftet. Hier ist der Abstand zwischen dem Anbieter mit den niedrigsten Kosten (0,91 Prozent) und dem mit den höchsten (3,7 Prozent) schon bemerkenswert. Es scheint in manchen Unternehmen doch noch erhebliche Rationalisierungspotentiale zu geben. Die Digitalisierung eröffnet dafür Chancen. Und auch Größenvorteile (Economies of Scale) sind bisher wohl nur zum Teil ausgeschöpft.
 

Kennzahl richtig einordnen, nicht überbewerten

Allerdings sollte die Kennzahl „Verwaltungskostenquote“ auch nicht überbewertet werden. Es gibt neben den Verwaltungskosten auch noch wichtige andere Kostenbestandteile. Vor allem die Aussagekraft für die Vorteilhaftigkeit von Tarifen ist eher begrenzt. Bei der Tarifkalkulation spielen verschiedene Faktoren eine Rolle und die Verwaltungskosten sind hier von nachgeordneter Bedeutung. Wichtiger sind zum Beispiel die versicherten Leistungen oder die Versichertenstruktur.

Hohe Verwaltungskosten belasten allerdings das Ergebnis und zehren auf Dauer an der wirtschaftlichen Substanz. Das kann sich langfristig auch in der Leistungsstärke bemerkbar machen.

Letzte Änderung: August 2020

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