Wie auch versicherungspflichtige Personen von PKV-Leistungen profitieren können

Deutschland leistet sich immer noch den Luxus eines zweigeteilten Gesundheitswesens. Auf der einen Seite stehen die gesetzlich Versicherten. Demgegenüber genießen Privatversicherte – trotz aller gegenteiligen Beteuerungen – einen leistungsfähigen Schutz. Das Verhältnis von Kassenpatienten zu Mitgliedern der PKV liegt ungefähr bei 9:1. Circa 90 Prozent der Deutschen sind in einer GKV versichert – der Rest ist Mitglied einer privaten Krankenversicherung.

Gerade beim Thema Zahnbehandlung und Zahnersatz sowie im Krankenhaus erleben die Versicherten Unterschiede immer wieder hautnah. Die Regelversorgung deckt bis zu 65 Prozent befundbezogenen Behandlung. Wer als Kassenpatient mehr will, muss alles selbst zahlen. Gibt es in der Praxis eigentlich Möglichkeiten und Wege, um doch noch in den Genuss der Privatleistungen zu kommen? Einige Optionen haben Kassenversicherte tatsächlich. Besonders die Zusatztarife haben den Versicherern in den letzten Jahren einen regelrechten Boom beschert.
 

Versicherungspflicht: So sehen die Grenzen aus

Für die Versicherungspflicht sind bekanntlich zwei Aspekte entscheidend: Einmal die Frage nach dem Status der Erwerbstätigkeit und auf der anderen Seite die Höhe des Einkommens. Speziell abhängig Beschäftigte haben an dieser Stelle eher schlechte Karten – da nach SGB V hier im Regelfall die Versicherungspflicht greift. Sehr viel einfacher kommen Beamte oder Richter in die private Krankenversicherung, da sie allgemein als versicherungsfrei gelten. Ein Status, den der Gesetzgeber über das 5. Sozialgesetzbuch auch Selbständigen und Freiberuflern zuerkennt .

Allerdings gibt es in diesem Personenkreis einige Ausnahmen. Angehörige ständischer Versorgungswerke müssen sich beispielsweise gesetzlich versichern. Betroffen sind unter anderem die Gruppe der:

  • Künstler

  • Landwirte.

Achtung: Verbeamtet zu werden ist keine Garantie, einen PKV-Schutz zu bekommen. Die Versicherer können nach der Risikoprüfung Anträge ablehnen. Was dann bleibt, ist die freiwillige Mitgliedschaft in der GKV.


Was Beschäftigte immer auf dem Radar haben müssen, ist die JAEG. Über die Jahresarbeitsentgeldgrenze (oder besser als Versicherungspflichtgrenze bekannt) zieht der Gesetzgeber die Linie, ab welcher der PKV-Wechsel möglich ist, jedes Jahr neu. Das soll heißen, dass ab 62.550 Euro brutto im Jahr (Stand 2020) oder einem monatlichen Einkommen von 5.212,50 Euro der Wechsel möglich ist. Vorher kann nicht in die private Krankheitskostenvollversicherung gewechselt werden. Aber: Es gibt immer noch Möglichkeiten, sich trotzdem einen privaten Schutz aufzubauen.
 

Zusatzversicherungen: PKV-Leistungen modular buchen

Laut PKV Verband ist inzwischen nicht mehr das Geschäft mit den Vollversicherten nach Tarifverträgen der Löwenanteil. Viele Verbraucher nutzen mittlerweile die Möglichkeit einer privaten Zusatzvorsorge. Dahinter stehen Tarifmodelle, welche einzelne Leistungsbereiche aus der Vollversicherung herauslösen.

Abgesichert werden:

  • Behandlungen beim Zahnarzt

  • Sehhilfen

  • stationäre Behandlungen auf PKV Niveau

  • Versorgung bei Auslandsaufenthalten.

Diese Zusatzversicherungen sind im Regelfall modular aufgebaut. Versicherte können damit den Schutz sehr individuell zuschneiden. Beispiel Zahnversicherungen: Hier wird im Grundschutz die Kostenübernahme gegenüber der Regelversorgung oft auf 70 Prozent bis 80 Prozent angehoben. In Premium-Tarifen sind 100 Prozent Zahnersatz auch mit entsprechender Implantatversorgung drin.

Ähnlich stark modular aufgebaut sind die Tarife im ambulanten und stationären Vorsorgebereich. Mit der hohen Flexibilität bietet sich die Chance, individuell passende Vorsorge aufzubauen. Diese Flexibilität hat einige Nachteile:

  • Mögliche Versicherungslücken: Für den Abschluss der Tarife sind die Tarifbedingungen und Leistungskataloge intensiv zu prüfen. Wer als Verbraucher nicht aufpasst, lässt schnell Versicherungslücken entstehen.

  • Hohe Kosten durch viele Policen: Für einen wirklich umfassenden Schutz müssen sehr viele Tarife abgeschlossen werden. Dies bedeutet, dass es für den einzelnen Versicherten schnell sehr teuer wird. Außerdem fällt es so sehr viel schwerer, den Überblick zu behalten, in welchem Absicherungssegment es gerade viele günstige Angebote gibt.

Beim Thema Zahnversicherung ist beispielsweise zu prüfen, welche Form die Zahnstaffel hat, mit welcher die Versicherer die Leistungspflicht in den ersten Jahren begrenzen. Aber auch die Gesundheitsfragen dürfen nicht vernachlässigt werden. Generell muss jedem Kassenpatienten an dieser Stelle klar sein, dass GKV und private Zusatztarife nach grundsätzlich anderen Grundlagen arbeiten – was fehlerhafte Angaben sehr teuer machen kann.
 

Betriebliche Krankenversicherung

Ein Sonderfall sind betriebliche Krankenversicherungen. Diese können ganz unterschiedlich realisiert werden. Einerseits wird seit Jahren das System der Betriebskrankenkassen praktiziert. Hierbei handelt es sich um gesetzliche Krankenversicherungen, die den Großteil der Leistungen nach dem SGB V erbringen, sich in den Wahl- und Sonderleistungen aber sehr eng am Unternehmen orientieren.

Auf der anderen Seite werden seit einigen Jahren sogenannte betriebliche Krankenversicherungen (bKV) angeboten. Hierbei handelt es sich vom Unternehmen organisierte private Krankenzusatztarife, welche für beide Seiten eine Win-Win Situation darstellt . Durch den Status als Sammelversicherung können individuell zusammengestellte Bausteine angeboten werden, welche einerseits Beschäftigten einen besseren Gesundheitsschutz bieten und ins betriebliche Gesundheitsmanagement eingepasst sind. Damit werden ein geringer Krankenstand und eine besondere Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen erreicht.
 

PKV-Leistungen über den Ehepartner nutzen

Das Thema PKV sehen Laien anfangs als Buch mit sieben Siegeln. Wer sich intensiv damit beschäftigt, stellt schnell einige Besonderheiten fest. Hierzu gehört beispielsweise, dass sich Ehepartner unter gewissen Umständen privat versichern können. Aber auch geringfügig Beschäftigte haben die Chance auf einen PKV-Tarif. Wie kann das Ganze funktionieren?

In der privaten Krankenversicherung gibt es drei wichtige Sondergruppen an Versicherten:

  1. Kinder

  2. Ehepartner bei Verbeamtung

  3. Beschäftigung auf 450-Euro-Basis.

Bei einer geringfügigen Beschäftigung kann sich nach § 7 SGB V in der PKV versichert werden, da an dieser Stelle Versicherungsfreiheit besteht. Aber: Sobald mehrere solche Tätigkeiten ausgeübt werden, erfolgt eine Aufrechnung und die Regel greift nicht mehr. Betroffene müssen dann in die GKV eintreten.

Kinder von Eltern nach der Konstellation:

  • beide Elternteile PKV-versichert

  • das besserverdienende Elternteil in der PKV

fallen aus der Familienversicherung heraus und müssen in speziellen Kindertarifen abgesichert werden.

Mit der Verbeamtung eines Beschäftigten aus dem öffentlichen Dienst (oder einem anderen Arbeitsverhältnis) kann für dessen Ehepartner/Lebenspartner unter Umständen ein Beihilfeanspruch entstehen. Entscheidend ist hier das Einkommen. Beispielsweise kann bis zu einem durchschnittlichen Einkommen von 18.000 Euro in Sachsen über die letzten drei Jahre für Ehegatten ein Beihilfeanspruch – und damit die Absicherung in der PKV – entstehen.

Achtung: Beihilfe ist in diesem Zusammenhang der GKV als nachrangig eingeordnet.

Welche Einkommensgrenzen gelten, variiert mit dem Dienstherrn. Für Bundes- und Landesbeamte gelten oft unterschiedliche Rahmenbedingungen. Soldaten brauchen im Übrigen weder eine gesetzliche Krankenversicherung noch die private Vollversicherung. Hier wird die Gesundheitsfürsorge über das militärische Sanitätswesen gewährleistet.
 

Als Student in die PKV

Eigentlich sind Studenten in Deutschland je gesetzlich versichert – entweder über die Familienversicherung der Eltern oder spezielle Tarife der GKV. Für diesen Personenkreis kann sich allerdings auszahlen, einmal den Blick über den Tellerrand zu wagen. Hintergrund: Studenten können sich von der Versicherungspflicht befreien lassen. Hierzu ist nach der Immatrikulation – unter Einhaltung vorgeschriebener Fristen – der Antrag auf die Befreiung von der Versicherungspflicht zu stellen.

Dieser muss innerhalb von drei Monaten nach der Immatrikulation gestellt werden.

Achtung: Ein solcher Wechsel gilt für die gesamte Studiendauer. Es gibt also kein Zurück mehr in die gesetzliche Krankenversicherung. Auch ein Studiengangwechsel hat hierauf nicht unbedingt Einfluss. Daher ist die Entscheidung nicht vorschnell zu treffen.


Fazit: Beschäftigte können sich wie Privatpatienten fühlen

Kassenpatienten machen immer wieder die Erfahrung, dass sie gegenüber Privatpatienten im Nachteil sind. Längere Wartezeiten beim Arzt und Abstriche bei der Behandlung – keine besonders angenehme Erfahrung. In der Praxis haben aber auch gesetzlich Versicherte die Chance, sich beim Arzt wie ein Mitglied der PKV zu fühlen. Der Schlüssel sind Zusatzversicherungen, welche für verschiedene Leistungsbereich abschließbar sind. Besonders beliebt sind Zahntarife und die Möglichkeit, sich beim Arzt oder im Krankenhaus wie ein Privatversicherter behandeln zu lassen. Aber: Nur wer beim Abschluss Wert auf eine umfassende Absicherung legt und Tarife gründlich vergleicht, kann am Ende die richtige Entscheidung treffen. Gerade beim Thema Gesundheitsschutz muss es darum gehen, wichtige Leistungen nicht vorschnell für ein paar Euro Beitragsrabatt zu opfern.

"Privatpatient" werden und trotzdem weniger bezahlen, als ein Kassenpatient?

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Erfüllen Sie diese Voraussetzungen nicht, können Sie dennoch Ihren Versicherungsschutz über private "Zusatztarife" aufwerten.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung - vorausgesetzt man ist beim richtigen Anbieter.

Tipp: Ob Sie bereits privat versichert sind, oder es noch vorhaben: Vergleichen Sie vor einem Wechsel über 38 Gesellschaften und sparen Sie so "regelmäßig" bis zu mehrere hundert Euro monatlich - kostenlos und unverbindlich!

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