Neue Bertelsmann-Studie sorgt für Ärger - Privatversicherte unsolidarisch?

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Schon in der Vergangenheit hat die Bertelsmann-Stiftung in ihren Studien Sympathien für eine Bürgerversicherung erkennen lassen. Doch selten wurde dies so eindeutig und nachhaltig mit Werturteilen unterlegt wie in der jüngsten Veröffentlichung unter dem Titel „Geteilter Krankenversicherungsmarkt - Risikoselektion und regionale Verteilung der Ärzte“ . In der Studie wird einmal mehr das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung in Deutschland kritisiert.

Die Untersuchung plädiert für die Zusammenführung von GKV und PKV in einer integrierten Krankenversicherung - was letztlich eine Bürgerversicherung bedeuten würde, wie sie seit Langem von SPD, Grünen und Linken gefordert wird. Dabei wird nicht mit Vorwürfen an die PKV-Anbieter und ihre Kunden gespart. Die Dualität von GKV und PKV - mit ihren besonderen Zugangsmöglichkeiten für Beamte und Selbstständige - werde von vielen Bürger als unsolidarisch empfunden.
 

Finanzielle und ideelle Solidarverluste

Nicht nur Beamte und Selbständige, sondern auch Besserverdiener könnten sich durch die Privatversicherung der Solidargemeinschaft entziehen. Die dadurch bewirkten „Solidarverluste“ seien nicht nur finanzieller, sondern auch ideeller Natur. Der Zusammenhalt in der Gesellschaft werde beeinträchtigt, das Solidargefühl verletzt. Das ist starker Tobak, denn letztlich wird das private System jenseits wirtschaftlicher Aspekte als gesellschaftsschädigend bewertet. Die Forderung nach einer Abschaffung bzw. „Integration“ in eine solidarische Krankenversicherung ist da nur konsequent.
 

PKV-Versicherte reicher und gesünder

Eine Integration würde die GKV bzw. ihre Mitglieder um Milliardensummen pro Jahr entlasten, rechnet die Studie vor. Der Entlastungseffekt beruht den Studien-Autoren zufolge auf zwei Faktoren:

  • überdurchschnittlich hohen Einkommen der PKV-Versicherten. Da in der PKV überwiegend Gutverdiener versichert seien, würde die „Reintegration“ wegen der Einkommensbezogenheit der Beiträge zu überproportionalen Mehreinnahmen in der solidarischen Krankenversicherung führen;

  • überdurchschnittlich niedrigen Gesundheitsrisiken in der PKV. Die PKV betreibe Risikoselektion uns sortiere „schlechte Risiken“ aus. Daher seien PKV-Versicherte im Schnitt gesünder als GKV-Mitglieder. Hier würde die Wiedereingliederung der „guten Risiken“ zur Entlastung auf der Ausgabenseite führen.

Anders gedrückt: derzeit entzieht die PKV der GKV die besonders einkommens- und damit beitragsstarken sowie die besonders gesunden und damit risikoarmen Mitglieder. So wird die „Schädlichkeit“ der PKV erklärt. Rückgängig gemacht würde das GKV-System profitieren.
 

Niedrigere Beiträge bei Integration - nicht unbedingt!

Jedes derzeit in der GKV versicherte Mitglied würde dadurch im Schnitt 145 Euro im Jahr an Beiträgen sparen können, rechnet die Studie vor. Umgerechnet auf Monatsbasis wären das gut 12 Euro, wobei - wegen des Arbeitgeberanteils bei der Krankenversicherung - die Hälfte den Arbeitgebern zugutekäme. Ein begrenzter Effekt, der sich noch weiter reduziert, wenn Kompensationen für die Verdienstausfälle von Ärzten berücksichtigt werden.

Ärzte erhalten heute für Leistungen bei Privatpatienten deutlich höhere Vergütungen als bei Kassenpatienten. Nicht selten werden Arztpraxen dadurch überhaupt erst wirtschaftlich tragfähig. Die Abschaffung des Privatstatus würde bei kassenmäßiger Vergütung auf Ärzteseite zu Einnahmeverlusten von rund 6,4 Mrd. Euro pro Jahr führen. Fände eine Kompensation im Rahmen der integrierten Krankenversicherung statt, würde sich der Beitragsvorteil für heutige GKV-Mitglieder auf 48 Euro p.a. reduzieren - auf den Monat umgerechnet 4 Euro.

Diese Rechnung sei unvollständig, kontert der PKV-Verband, der die Studie heftig kritisiert. Vernachlässigt würden Mehrleistungen der privaten Krankenversicherung in anderen Bereichen: bei stationären Aufenthalten, Physiotherapien usw.. Sie beliefen sich auf insgesamt 13,2 Mrd. Euro pro Jahr statt der in der Studie unterstellten 6,4 Mrd. Euro. Der in der Studie genannte Einspareffekt würde daher bei einer kompletten Kompensation nicht nur vollends aufgehoben, sondern sich sogar ins Gegenteil verkehren.
 

Theoretisches Modell, kein praktischer Vorschlag

Umsetzbar wäre eine sofortige und hundertprozentige Abschaffung der PKV ohnehin nicht. Davon gehen die Bertelsmann-Berechnungen idealtypisch aus, wobei konstatiert wird, dass es sich um theoretische Berechnungen handelt. Selbst das unterstellt ist der Entlastungseffekt in der GKV überschaubar und bei vollständiger Kompensation der Einnahmeverluste im Gesundheitswesen sogar fraglich. Was bleibt, ist das „ideologische Argument“ Solidarität für die integrierte Krankenversicherung - ein Argument, das sich wissenschaftlich schwer begründen lässt.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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