Risikoberufe: Notwendige Jobs – aber auch notwendige Absicherung

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Auch wenn es vor allem medial überhäufig so dargestellt wird: Längst nicht jeder Berufstätige in Deutschland tut dies aus der Bequemlichkeit eines Firmenbüros heraus. Und auch der Rest arbeitet nicht nur in normalen Industrie- und Handwerksberufen á la Schlosser.

Tatsächlich gibt es eine erkleckliche Zahl von Berufen, die unter die Kategorie fallen „einer muss den Job ja machen“, weil sie für das Funktionieren unserer Gesellschaft zwingend notwendig sind – was nicht heißen soll, dass die darin Arbeitenden mit Widerwillen ans Werk gingen; oft ist gerade bei solchen Berufen die persönliche Leidenschaft enorm.

Aber unter diesem großen Dachbegriff Risikoberuf steckt auch eine Tatsache: Im Vergleich zur Berufe-Masse bestehen hier teils dramatisch höhere Risiken. Sei es hinsichtlich kurzfristiger Unfälle, langfristiger körperlicher Unversehrtheit oder auch sehr plötzlich eintretendem Tod. In diesem Ratgeber zeigen wir alles, was Menschen, die in solchen Berufen arbeiten oder sich damit tragen, es zu tun, wissen müssen.
 

Am oberen Ende der Berufsgruppen-Einstufung

Was ist ein Risikoberuf? Spontan würde manchen vielleicht eine ganz spezielle Seitenlinie des Industrietauchers in den Sinn kommen, der sogenannte Nukleartaucher – Spezialisten, die in Kernkraftwerken unter Wasser notwendige Wartungs- und Reparaturaufgaben durchführen.

Ja, das dürfte sicherlich ein Risikoberuf sein, auch wenn es hier strenge offizielle Strahlungsgrenzwerte gibt. Tatsächlich jedoch ist die Sachlage relativ eindeutig: Als Maßgabe dienen hier die Berufsgruppen, wie sie u.a. von den Anbietern von Berufsunfähigkeitsversicherungen definiert werden.

  • Berufsgruppe 1 bzw. A: Hochqualifizierte Personen (Akademiker) ohne körperliche Arbeit und sonstige Ausfallrisiken. Etwa Mediziner, Anwälte, Bankiers.

  • Berufsgruppe 2 bzw. B: Qualifizierte Personen mit simplen Büroarbeiten oder wenig anstrengenden manuellen Tätigkeiten. Etwa Bürokaufleute, Uhrmacher, Redakteure.

  • Berufsgruppe 3 bzw. C: Überwiegend körperlich arbeitende Personen, bei denen aber keine besondere Gefährdung vorhanden ist. Etwa Automechatroniker, Krankenpfleger, Heizungsbauer.

  • Berufsgruppe 4 bzw. D: Überwiegend schwer körperlich arbeitende Personen, bei denen eine höhere Gefährdung hinzukommt. Etwa Straßenbauer, Krankengymnasten, Industriekletterer, Schornsteinfeger, Gerüstbauer.

  • Berufsgruppe 5 bzw. E: Unter besonderen Gefahren arbeitende Personen sowie solche, bei denen alltägliche Gefahren zur Berufsunfähigkeit führen können. Etwa Berufs-Rennsportler, Musiker, Sprengtechniker, Sicherheitspersonal.

Mit „Risiko“ ist dabei die Wahrscheinlichkeit gemeint, dass ein in diesem Beruf arbeitender Mensch durch Ausübung des Berufs eine – physische oder psychische, meist ersteres – Berufsunfähigkeit erleidet, die es ihm verunmöglicht, weiterhin darin zu arbeiten.

Für die Risikoberufe fokussieren wir uns dementsprechend auch in diesem Artikel auf die beiden zuletzt genannten Berufsgruppen. Notwendig ist es dazu allerdings, zunächst auf einen Sonderfall der Gruppe 5 bzw. E einzugehen.
 

Künstler als Risikofaktor?

Dass Künstler bereits bei der Krankenversicherung eine ganz eigene Berufsgruppe darstellen, die oftmals viele Hürden gehen muss, haben wir in einem anderen Artikel bereits ausführlich erläutert.

Allerdings finden sie sich auch als Hochrisikogruppe innerhalb möglicher Berufsunfähigkeiten wieder. Genau diese Tatsache sorgt immer wieder für viel Konfusion, ist es doch nur schwer vorstellbar, warum etwa ein freiberuflicher Gesangssolist oder eine Konzertgeigerin auf einem Risikolevel mit einem Sprengmeister oder einem Personenschützer stehen sollen.

Der Hintergrund: Sehr viele Künstlergruppen haben gemein, dass ihre Fähigkeit, den Beruf auszuüben, im höchsten Maß von funktionierenden Körperteilen abhängt, die vergleichsweise leicht (im Alltagsleben) beschädigt werden und ebenso leicht nie wieder wie ursprünglich funktionieren.

Denken wir an die Konzertgeigerin: Ein durch Stolpern gebrochener Finger, eine der hier so häufig vorkommenden Sehnenscheidenentzündungen und die Berufsfähigkeit ist akut bedroht. Denken wir an den Sänger. Eine simple Erkältung, die zu einer Stimmbandentzündung führt, kann seine Karriere beenden.

Tatsächlich sind sogar:

  • Kunstmaler,

  • Musiker,

  • Sänger,

  • Schauspieler,

  • Tänzer

so stark gefährdet, dass es für sie in der Regel gar keinen privaten Berufsunfähigkeits-Versicherungsschutz gibt, der anderen Hochrisikogruppen zumindest zu hohen Beiträgen gewährt wird. In diesem Fall ist die gesetzliche Künstlersozialkasse der einzige verbliebene Ansprechpartner .
 

Absicherung 1: Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Absicherung in einem solchen Hochrisikoberuf hat viele Facetten, auf die wir noch weiter eingehen werden. Allen Berufen der Klassen 4 und 5, sofern sie nicht zu den gelisteten Künstlern gehören, sollte jedoch gemein sein, dass bei ihnen grundsätzlich auf eine „wasserdichte“ Berufsunfähigkeitsversicherung gesetzt wird.

Das gilt für absolut jeden Fall. Selbst diejenigen Selbstständigen, die automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Denn: In jedem Fall ist der Nachweis einer möglichen Erwerbsunfähigkeit ein harter Kampf. Mehr als die Hälfte aller Anträge, die jährlich auf eine Erwerbsminderungsrente gestellt werden, werden abschlägig beschieden. Und selbst wenn man (oft nur nach Einsprüchen und vielleicht sogar Gerichtsprozessen) eine volle gesetzliche Erwerbsminderungsrente erhält, so beträgt diese (in den alten Bundesländern) in der Regel bei Weitem nicht genug, um damit auch nur halbwegs seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
 

Absicherung 2: Risikolebensversicherung

Es ist bei vielen, wenngleich nicht allen der Risikoberufen leider eine Tatsache: Es gibt ein durchaus höheres Risiko, durch den Beruf umzukommen. Das muss nicht einmal zwingend durch den Beruf selbst geschehen – etwa ganz lapidar ein Dachdecker, der vom Dach stürzt, sondern, das zeigen die Statistiken deutlich , oftmals ist auch das allgemeine berufliche Umfeld beteiligt – Wegeunfälle beispielsweise hatten 2018 mit 298 Todesfällen eine größere Signifikanz als die 207 direkt im Betrieb entstandenen Todesfälle.

Für Angehörige der Risikoberufe offerieren sich dabei drei Absicherungsvarianten :

  1. Eine konstante Absicherung, bei der Partner und/oder Familie im Todesfall abgesichert sind.

  2. Eine gegenseitige Absicherung, bei der sich Lebens- und Ehe-, aber auch Geschäftspartner gegenseitig absichern können.

  3. Eine Kreditabsicherung, bei der im Todesfall die Restschuld eines bestehenden Kredits übernommen wird.

Welche der beiden erstgenannten Absicherungen passender sind, ist von Lebens- zu Lebensmodell unterschiedlich. Allerdings sollten alle, die neben dem Beruf Schulden haben (etwa durch einen Hausbau) auch über die Kreditabsicherung nachdenken – besonders in Berufen, in denen tagtäglich ein gewisses erhöhtes Risiko besteht.
 

Absicherung 3: Dread-Disease-Versicherung

Dread Disease. Sinngemäß übersetzt: Schwere Krankheit(en). Die so betitelte Versicherung ist nicht zwingend für jeden Angehörigen eines Risikoberufs Pflicht, denn sie ist je nach konkretem Vertrag irgendwo zwischen Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung angesiedelt.

Allerdings gibt es innerhalb der Beschäftigen in Risikojobs zwei Kategorien, die sich diese Form der Versicherung genauer ansehen sollten:

  1. All jene in Berufsgruppe 5, für die eine herkömmliche Berufsunfähigkeitsversicherung schlichtweg untragbar teuer ist oder sogar gar nicht offeriert wird. Es gibt nun mal, teilweise auch nur bei einigen Anbietern, Berufe jenseits der Künstler, die als nicht versicherbar eingestuft werden, etwa Bombenentschärfer, Sprengtechniker oder auch Tierbändiger bzw. generell Schausteller.

  2. All jene, durch deren Beruf ein zumindest latentes Risiko besteht, im Laufe des Lebens eine schwere Erkrankung zu erleiden. Denken wir an den eingangs skizzierten Nukleartaucher, bei dem schon aus rein statistischen Gründen das Risiko für eine Krebserkrankung erhöht ist.

Bei all diesen Menschen kann es - irgendwann – zu einer schweren und langwierigen Erkrankung kommen, welche die Berufsfähigkeit akut gefährdet. Das sinnvolle „Komplettpaket“ beinhaltet deshalb sowohl die Berufsunfähigkeits- als auch die Dread-Desease-Versicherung. Denn nur letztere deckt auch die tatsächliche Krankheit selbst bei einer langen Rekonvaleszenzphase ab.
 

Absicherung 4: Tun, was über die PSA und BG-Vorschriften hinausgeht

Selbst Deutsche, die in Risikoberufen arbeiten, leben in einem berufssicheren Land. Dazu sei die weiter oben genannte Zahl von Todesfällen in Ausübung des Berufs abermals erwähnt: 207 Stück.

Natürlich, das sind 207 zu viele, aber in Anbetracht dessen, dass es derzeit 45,19 Millionen Erwerbstätige gibt, ist es eine verschwindend geringe Zahl. Und den wohl größten Beitrag daran haben die Vorschriften der Berufsgenossenschaften, die Unfallverhütungsvorschriften und sämtliche anderen Leitlinien, die für jeden einzelnen Beruf klare, strenge und praxisorientierte Sicherheitsregeln vorgeben – und die zudem durch die Erforschung eines jeden Betriebsunfalls immer wieder aktualisiert werden, um jegliche Eventualität auszumerzen.

Aber: Selbst die beste UVV ist eben nur so gut, wie sie durch den letzten zurückliegenden Unfall werden konnte. Sie kann niemals sämtliche Eventualitäten abdecken. Als finalen Schutz sollten alle Risikoberufsangehörige deshalb in Erwägung ziehen, jede Vorschrift, etwa für die Persönliche Schutzausrüstung PSA, nur als Mindestmaß zu sehen und trotz vielleicht jahrzehntelanger Arbeitsroutine immer gewillt zu sein, darüber hinauszugehen – sei es durch eine höhere Schutzklasse bei den vorgeschriebenen Schuhen, ein zweites Seil, einen dritten prüfenden Blick und vielleicht zusätzliche Versicherungen der Dachverbände dieser Berufsgruppen.

Kein Risiko lässt sich völlig eliminieren. Aber man muss auch einen Risikoberuf nicht riskanter machen als er es sowieso schon ist.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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