Beitragserhöhungen in der PKV geringer als in der GKV

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Viele Versicherte öffnen in diesen Wochen Post von ihrem privaten Krankenversicherer mit bangen Erwartungen. Denn oft ist der bevorstehende Jahreswechsel für die Unternehmen Anlass, Beitragserhöhungen mitzuteilen. Nachdem es in den letzten Jahren etwas ruhiger an der Beitragsfront geworden war, ist 2020 wieder mit umfangreicheren Anpassungen zu rechnen. Zum Teil liegen die Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich.

Betroffen sind vor allem Tarife in der privaten Pflegepflichtversicherung, aber auch bei Krankenvoll- und Krankenzusatzversicherungstarifen stehen vielfach Erhöhungen an. Die sich abzeichnende Erhöhungswelle hat verschiedene Ursachen. Der drastische Anstieg ist dem nach wie vor geltenden gesetzlichen Anpassungsmechanismus bei PKV-Tarifen geschuldet. Danach dürfen Anpassungen erst stattfinden, sobald eine der beiden folgenden Schwellen überschritten ist:

  • die Leistungsausgaben in einem Tarif weichen um mehr als 5 Prozent von der ursprünglichen Kalkulation ab;

  • die bei der Tarifkalkulation zugrunde gelegte durchschnittliche Lebenserwartung hat sich um mehr als 5 Prozent verändert.
     

Warum es zu Beitragssprüngen kommt

In der Praxis ist es meist die Entwicklung der Leistungsausgaben, die Beitragsanpassungen notwendig macht. Wenn die Schwelle überschritten ist, findet eine Neukalkulation des jeweiligen Tarifs statt. Dabei werden auch Veränderungen aller sonstigen Einflussgrößen bei der Kalkulation berücksichtigt, zum Beispiel die Zinsentwicklung. Eine unter Umständen jahrelang „aufgestaute“ Beitragsanpassung wird dann auf einmal nachgeholt, was zwangsläufig zu drastischen Beitragssprüngen führt, denen dann wieder eine mehrjährige „Ruhephase“ folgt.

Es gibt viel Kritik am Anpassungssystem und auch Vorschläge für eine gleitendere Anpassung, die „Beitragsschocks“ vermeidet. Bisher konnte sich die Politik aber nicht für eine Gesetzesreform erwärmen. Deren Fokus liegt mehr auf den Kassenpatienten. Privatversicherte können sich immerhin damit trösten, dass die durchschnittliche Beitragsentwicklung in der PKV keineswegs stürmischer verläuft als in der GKV - im Gegenteil. Der PKV-Verband weist darauf hin, dass die Beiträge in der privaten Krankenvollversicherung in den letzten zehn Jahren im Schnitt um 2,8 Prozent p.a. gestiegen sind, in der GKV dagegen um 3,3 Prozent. Dort findet die Beitragsanpassung - abgesehen vom Zusatzbeitrag - automatisch und quasi unbemerkt mit der Einkommensentwicklung statt.
 

Kostentreiber Pflegereformen

Die anstehenden Erhöhungen in der privaten Pflegepflichtversicherung sind nach Angaben des PKV-Verbandes durch die umfassenden Pflegereformen der vergangenen Jahre bedingt, die eine deutliche Ausweitung der Pflegeleistungen mit sich gebracht haben. In der sozialen Pflegeversicherung wurde der Beitragssatz deswegen bereits zweimal angehoben. In der privaten Pflegepflichtversicherung sind solche Anpassungen wegen der geltenden 5 Prozent-Regel bisher unterblieben. Das muss jetzt nachgeholt werden. Betroffen sind besonders viele Beamtentarife, wo die letzte Beitragsanpassung schon fünf Jahre oder länger zurückliegt. Die anhaltende Niedrigzinsphase wirkt sich zusätzlich belastend aus.
 

Tarifwechsel – Maßnahme gegen höhere Beiträge

Immerhin eine Hoffnung bleibt den Versicherten. Pauschale Anpassungen gibt es nicht. Ob ein Anpassungsbedarf besteht, muss immer für jeden einzelnen Tarif gesondert geprüft werden. Deshalb ist auch diesmal nicht jeder Tarif von Erhöhungen betroffen und die Beitragssteigerungen fallen unterschiedlich stark aus. Wer mit einer Verteuerung nicht einverstanden ist, kann woandershin wechseln. Die Pflegeversicherung folgt dabei der Krankenversicherung. Für den Wechsel gibt es zwei Möglichkeiten:

  • den Wechsel in einen günstigeren Tarif bei einem anderen Anbieter: bei Beitragserhöhungen besteht ein Sonderkündigungsrecht. Der Anbieterwechsel lohnt sich allerdings in der Regel nur für Jüngere mit noch nicht langer Vertragsdauer. Denn beim Wechsel können die Altersrückstellungen nur dem Basistarif entsprechend mitgenommen werden. Der Rest ist verloren;

  • den Wechsel in einen günstigeren Tarif beim bisherigen Anbieter: solche Tarife gibt es durchaus. Die Versicherer müssen sogar den Wechsel jederzeit ohne besondere Kündigung ermöglichen (§ 204 Abs. 1 VVG). Die Altersrückstellungen werden dabei vollumfänglich auf den neuen Tarif übertragen - für langjährige Versicherte ist das meist die bessere Option.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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