Diskussionen in der PKV – Reformvorschläge der Aktuare

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Anfang 2017 erhielten sehr viele PKV-Versicherte unangenehme Post von ihrer privaten Krankenversicherung. Darin wurden drastische Beitragserhöhungen mitgeteilt. Im Schnitt lag die Beitragssteigerung bei Angestellten bei 6,6 Prozent, in etlichen Tarifen gab es sogar zweistellige Anpassungen nach oben. Beamte kamen mit 5,5 Prozent etwas glimpflicher davon.

Der Beitragsschock der Jahreswende 2016/17 hat erheblich zur kritischen Diskussion um die Zukunft der Privaten Krankenversicherung beigetragen. Die Gegner der „Privaten“ erhielten dadurch zusätzliche Munition, um der Abschaffung des dualen Systems von PKV und GKV das Wort zu reden und eine Bürgerversicherung zu fordern.
 

PKV-Beitragsanpassungen – nur nach klaren Regeln

Vielfach wurde dabei ignoriert, dass die Verteuerung auf bestimmten gesetzlichen Regularien beruhte und auf eine längere Phase relativ stabiler Beiträge folgte. „Ruckartige“ Beitragsanpassungen sind in der PKV systemimmanent. Wer daran etwas ändern will, muss die Gesetzeslage neu gestalten. Die Deutsche Aktuar Vereinigung (DAV) hat dazu Vorschläge entwickelt.

Private Krankenversicherer dürfen ihre Beiträge nicht „nach gusto“ verändern. Das ist nur dann möglich, wenn ein Vergleich der tatsächlichen Leistungsentwicklung bei einem Tarif mit den ursprünglichen Kalkulationsgrundlagen zu große Abweichungen zeigt. Dann können die Beiträge nicht nur angepasst werden, sie müssen es sogar, damit Einnahmen und Ausgaben wieder ins Gleichgewicht kommen.
 

Auslösende Faktoren und Rechnungsgrundlagen

Sobald die sogenannten „auslösenden Faktoren“ bestimmte Schwellenwerte überschreiten, entsteht Handlungsbedarf. Auslösende Faktoren sind:

  • Veränderungen der Sterbewahrscheinlichkeit. Ändert sich die Sterblichkeit um mindestens fünf Prozent, muss der Beitrag entsprechend angepasst werden;
  • Veränderungen bei den Versicherungsleistungen. Hier ist der Beitrag bei Ausgabenänderungen ab zehn Prozent anzugleichen.

Das bedeutet aber auch: solange keiner der beiden Schwellenwerte erreicht ist, passiert beitragsmäßig nichts - mit der Konsequenz, dass sich der Anpassungsbedarf im Zeitablauf „aufstaut“. Wird dann irgendwann einer der beiden Schwellenwerte überschritten, führt das zwangsläufig zu einer ruckartigen Beitragsveränderung, weil die „versäumten“ Anpassungen auf einmal nachgeholt werden müssen.

Bei der Festlegung des neuen Beitrags werden nicht nur aktuelle Sterblichkeiten und Ausgaben berücksichtigt, alle Rechnungsgrundlagen stehen dann auf dem Prüfstand. Beim Beitragsschock 2016/17 wirkte sich hier vor allem der bei den Altersrückstellungen angesetzte Rechnungszins aus. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinssituation entsprach der ursprüngliche Rechnungszins schon lange nicht mehr der Realität und musste abgesenkt werden. Bei den ohnehin anstehenden Anpassungen trat die Rechnungszins-Problematik als zusätzlicher Verstärker auf.
 

Zwei Modelle zur Beitragsverstetigung

Den meisten PKV-Versicherten sind diese Zusammenhänge nicht bewusst. Sie „erlebten“ nur eine plötzliche und deutliche Verteuerung ihrer Krankenversicherung. Die ruckartigen Beitragsanpassungen mit ihrem „Überraschungseffekt“ werden inzwischen vielfach als inadäquat angesehen. Gefordert wird eine „Verstetigung“ der Beitragsentwicklung. Die DAV schlägt dazu zwei Modelle vor:

  • beim ersten Modell würden die tatsächlichen Beiträge mit einem „fiktiven“ Beitrag verglichen, der sich aufgrund einer regelmäßigen Aktualisierung der Rechnungsgrundlagen ergibt. Bei zu starken Abweichungen würde eine Beitragsanpassung stattfinden;
  • im zweiten Modell würden neben der Sterblichkeit und der Ausgabenentwicklung auch andere Rechnungsgrundlagen – insbesondere der Rechnungszins – als auslösende Faktoren Berücksichtigung finden. Das bestehende Anpassungsverfahren würde damit beibehalten, aber verfeinert.

Umsetzungstechnisch ließe sich Modell 2 relativ unkompliziert realisieren, weshalb es von der DAV favorisiert wird. „Teurer“ oder „billiger“ würde die PKV dadurch nicht. Es käme lediglich zu häufigeren, aber nicht so drastischen Beitragsveränderungen.
 

Relativierung im Langzeitvergleich

Betrachtet man die Beitragsentwicklung auf längere Sicht, dann kann sich die PKV im Vergleich zur GKV durchaus sehen lassen. Zwischen 2010 und 2018 sind die Beiträge im Schnitt für Angestellte um 3,8 Prozent pro Jahr gestiegen, bei Beamten um 2,9 Prozent. Dazu passt auch, dass die diesjährige Beitragserhöhungsrunde wieder sehr viel moderater ausgefallen ist als 2016/17. Für Angestellte verteuert sich die PKV 2018 im Schnitt um 2,9 Prozent, für Beamte um 2,8 Prozent.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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