PKV-Beiträge 2021 - wie stark sind sie wirklich gestiegen?

In regelmäßigen Zeitabständen gibt es immer wieder Berichte über drastische Beitragssteigerungen in der PKV. Auch in den ersten Monaten dieses Jahres wurden viele Privatversicherte mit deutlich höheren Beiträgen - manchmal sogar im zweistelligen Prozentbereich - konfrontiert. Das Statistische Bundesamt hat dazu jetzt Zahlen veröffentlicht und mit einer Grafik unterlegt, die den Anstieg mit der Entwicklung der Verbraucherpreise vergleicht.

Im Verhältnis zur allgemeinen Preisentwicklung ist die PKV danach stetig „teurer“ geworden. Die Schere zwischen Krankenversicherungsbeiträgen und Verbraucherpreisen öffnet sich immer weiter. Und noch eins zeigt die Grafik. Der Beitragssprung zum Jahreswechsel 2020/2021 fiel diesmal besonders kräftig aus. In konkreten Zahlen: im März 2021 lagen die PKV-Beiträge im Schnitt um 5,3 Prozent über dem gleichen Vorjahresmonat, die Inflation erreichte in diesem Zeitraum nur 1,7 Prozent. Zum Jahreswechsel waren im Jahresvergleich noch durchschnittliche Beitragserhöhungen von 4,9 Prozent gemessen worden. Auch das war schon deutlich höher als die Beitragsanpassungen der Vorjahre. 2019 lag der Wert bei 2,6 Prozent, 2018 bei 1,7 Prozent.

Dass es jeweils rund um den Jahreswechsel zu Beitragsanpassungen kommt, ist wenig überraschend. Bei vielen PKV-Verträgen ist das Versicherungsjahr mit dem Kalenderjahr identisch, so dass Beitragsanpassungen regelmäßig ab Beginn des Folgejahres wirksam werden. Das bewirkt die „Treppenform“ in der Beitragsentwicklung.
 

Beitragsanstieg folgt der Entwicklung der Gesundheitsausgaben

Ebenfalls nicht überraschend ist, dass der Beitragsanstieg im Zeitablauf immer deutlicher über der allgemeinen Entwicklung der Verbraucherpreise liegt. Denn die Gesundheitsausgaben sind ebenfalls stärker gestiegen als die Inflation. Im Zehnjahreszeitraum von 2009 bis 2019 haben sich die Gesundheitsausgaben in Deutschland durchschnittlich um 3,85 Prozent pro Jahr erhöht. In diesem Zeitraum lag die Inflationsrate maximal bei 2,1 Prozent, in den meisten Jahres deutlich darunter. Die Gründe für den (überproportionalen) Anstieg der Gesundheitsausgaben liegen auf der Hand.

  • Mehrkosten durch den demografischen Wandel und die steigende Lebenserwartung;

  • neue Behandlungen und Medikamente sind in der Regel teurer;

  • im Gesundheitswesen schlägt sich auch die allgemeine Lohn- und Preisentwicklung nieder.

Die privaten Versicherer müssen diese Kostensteigerungen in ihrer Tarifkalkulation berücksichtigen, was sich zwangsläufig in den Beiträgen niederschlägt. Als zusätzlicher Belastungsfaktor wirken die anhaltenden Niedrigzinsen, die die Kapitalerträge der Versicherer schmälen und auch eine neue Kalkulation bei den Altersrückstellungen erforderlich machen. Der besonders starke Beitragsanstieg dieses Jahres hängt damit zusammen, aber auch mit den Mehrbelastungen infolge der Corona-Pandemie.
 

Auch in der GKV sind die Beiträge überproportional gestiegen

In einer Stellungnahme zu den Zahlen des Statistischen Bundesamtes weist der PKV-Verband darauf hin, dass die Beitragsentwicklung in der GKV keineswegs „günstiger“ verlaufen ist als in der PKV. Im Gegenteil: lässt man die aus Bundeszuwendungen dotierte Familienversicherung außen vor, sind die GKV-Beiträge in den letzten 10 Jahren sogar etwas stärker gestiegen als in der PKV - im Schnitt um 3,3 Prozent p.a. gegenüber 3,0 Prozent p.a. in der PKV.
 


Auf den Zeitraum Januar 2015 bis März 2021 gesehen war die Beitragsdynamik in der PKV dagegen etwas stärker ausgeprägt als in der GKV: Privatversicherte zahlen heute im Schnitt 24,7 Prozent mehr als Anfang 2015, Kassenmitglieder 20,5 Prozent. Dabei kommt es auch auf das jeweilige Ausgangsniveau an. Es ist bei privaten Tarifen wegen der einkommensunabhängigen Kalkulation oft niedriger.

Ein wesentlicher Unterschied bei PKV-Beitragsanpassungen im Vergleich zur GKV ist: die Beiträge orientieren sich ausschließlich an den anfallenden Ausgaben in einem Tarif und Versicherte werden über Beitragsanpassungen vorab informiert. In der GKV gibt es diese unmittelbare Ausgabenkoppelung nicht, die Beiträge steigen praktisch automatisch mit dem Einkommen und nur bei Anpassung der Zusatzbeiträge besteht eine vorherige Informationspflicht zum Sonderkündigungsrecht.

Zahlen "Privatpatienten" wirklich weniger, als Kassenpatienten?

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Erfüllen Sie diese Voraussetzungen nicht, können Sie dennoch Ihren Versicherungsschutz über private "Zusatztarife" aufwerten.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung - vorausgesetzt man ist beim richtigen Anbieter.

Tipp: Ob Sie bereits privat versichert sind, oder es noch vorhaben: Vergleichen Sie vor einem Wechsel über 38 Gesellschaften und sparen Sie so "regelmäßig" bis zu mehrere hundert Euro monatlich - kostenlos und unverbindlich!

Weiter zum Vergleich >>>

Beliebte Artikel zum Thema:

2020 neigt sich allmählich dem Ende entgegen. Was für ein Jahr - wie kein anderes seit 100 Jahren war und ist es durch ein weltweites Pandemie-Geschehen geprägt, Corona wird uns wohl noch weit bis weit in 2021 hinein beschäftigen. Neben der enormen
Beitragserhöhungen sind für jeden Versicherungsnehmer ein Ärgernis. Für PKV-Versicherte gilt das besonders, steigen ihre Beiträge doch manchmal schmerzhaft. Nach Jahren relativer Stabilität sind zweistellige Anpassungen keine Seltenheit. Die
Jahrelang ist der Standardtarif ohne Beihilfe in der PKV stabil geblieben, jetzt müssen sich Versicherte ohne Beihilfeanspruch auf höhere Beiträge einstellen. Zum 1. Juli steigen die Prämien deutlich - auf durchschnittlich 390 Euro im Monat, wie der
In diesem Jahr haben viele PKV-Versicherte unerfreuliche Post von Ihrer Krankenversicherung erhalten. Nach Jahren relativer Beitragsstabilität steigen die Beiträge in etlichen Tarifen 2021 drastisch, die Gründe dafür sind vielschichtig. Eine
Immer wieder gibt es Klagen über zu hohe Beiträge in der PKV - meistens dann, wenn Beitragsanpassungen anstehen. Dabei geht fast ein wenig unter, dass die privaten Krankenversicherer Jahr für Jahr auch etliche hundert Millionen Euro an ihre
Wie bei jeder privaten Versicherung gibt es auch in der PKV Beitragsanpassungen. In der Regel handelt es sich um Beitragserhöhungen. Denn im Gesundheitssystem besteht ein Trend zu höheren Ausgaben - bedingt durch den medizinischen Fortschritt, mehr
Betriebsrenten aus einer betrieblichen Altersvorsorge werden in der GKV als beitragspflichtiges Einkommen behandelt. Renten aus einer privaten Rentenversicherung bleiben dagegen beitragsfrei – eine Ungleichbehandlung, die schwer nachvollziehbar ist
In schöner Regelmäßigkeit wird in den Medien über Beitragsschocks in der privaten Krankenversicherung berichtet. Prämienerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich sind besonders schlagzeilenträchtig und vielfach ein willkommener Anlass, um die Flucht
Sich bereits heute die Bedingungen für einen späteren Wechsel in die PKV sichern - diese Möglichkeit bietet ein Optionstarif. Die meisten privaten Krankenversicherer bieten solche Optionstarife an, die konkrete Ausgestaltung ist aber unterschiedlich
Ärztliche Behandlungen, Krankenhausaufenthalte, Arzneimittel und andere Maßnahmen für die Gesundheit verursachen in Deutschland jedes Jahr mehr Ausgaben als der Bundeshaushalt. Im Jahr 2018 waren das 390,6 Mrd. Euro oder 4.712 Euro pro Kopf. Dies hat