Pflegeversicherung quo vadis? Verschiedene Modelle in der Diskussion!

© boonchok - Adobe Stock

Die soziale Pflegeversicherung ist der Bereich des Gesundheitssystems, der am stärksten von Kostensteigerungen und Unterfinanzierung betroffen ist. Trotz mehrfacher Anhebung der Beitragssätze in den vergangenen Jahren - zuletzt Anfang 2019 - klafft eine Milliardenlücke. Alleine 2018 betrug das Defizit der Pflegekassen mehr als 3,5 Mrd. Euro - Tendenz steigend.

Ursache für diese Schieflage sind nicht nur Leistungsverbesserungen der letzten Pflegereformen. Die allgemeine Preisentwicklung macht sich ebenso bemerkbar wie Ansätze zur besseren Vergütung von Pflegekräften. Darüber hinaus bewirkt derdemografische Wandel und die s teigende Lebenserwartung eine zunehmende Anzahl an Pflegebedürftigen. Bis 2040 soll die Zahl der Pflegefälle in Deutschland auf 4,4 Mio. steigen, Ende 2017 waren es noch eine Mio. weniger.
 

Wie können steigende Ausgaben finanziert werden?

Dass die soziale Pflegeversicherung, die von Anfang nicht auf Kostendeckung angelegt, sondern als „Zuschussbetrieb“ gedacht war, damit finanziell an ihre Grenzen stößt, leuchtet unmittelbar ein. Gleichzeitig steigen die Eigenanteile der Versicherten. Es besteht Reformbedarf bei der Pflegefinanzierung. Es gibt derzeit drei Modelle für alternative bzw. ergänzende Finanzierungen, die für Diskussionsstoff sorgen. Hier ein Überblick:
 

1. PKV-Verband: Stärkung der privaten Pflegevorsorge

Dass der PKV-Verband als Interessenvertreter der privaten Krankenversicherer eine Stärkung der privaten Pflegevorsorge als Lösung empfiehlt, ist wenig überraschend. Bereits heute ist eine staatliche Förderung möglich - Stichwort: Pflege-Bahr. Wenn sie konsequent ausgebaut würde - zum Beispiel durch zusätzliche steuerliche Erleichterungen -, könnten die Beiträge zur Pflegeversicherung laut PKV-Verband stabil gehalten werden. Steigende Eigenanteile als Konsequenz würden durch mehr Versicherungsschutz aufgefangen.

Der PKV-Verband weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Kosten für privaten Pflegezusatzschutz zur Abdeckung von Eigenanteilen allgemein überschätzt würden. Ein 35jähriger finde dafür bereits Lösungen unter 40 Euro monatlich, 50jährige unter 77 Euro. Die Mehrbelastung sei daher überschaubar. Allerdings bedeutet der PKV-Vorschlag eine teilweise Abkehr vom Solidarprinzip.
 

2. Hans-Böckler-Stiftung: Bürger-Vollversicherung

Genau in die andere Richtung geht der Vorschlag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Eine von der Stiftung beauftragte Studie schlägt eine Bürger-Vollversicherung für die Pflege vor. Sie wäre wie die Gesetzliche Krankenversicherung auf volle Kostendeckung angelegt. Die private Pflegepflichtversicherung würde - einschließlich der üppigen Altersrückstellungen - von der Bürger-Vollversicherung „vereinnahmt“. Die Beiträge wären dabei nach Einkommen gestaffelt ähnlich wie heute in der sozialen Pflegeversicherung.

Nach Studien-Berechnungen würde die Bürger-Vollversicherung GKV-Mitglieder im Schnitt nur 5 Euro mehr im Monat kosten als die soziale Pflegeversicherung - bei vollem Pflegeschutz statt Kostenzuschuss. Im Vergleich zur privaten Pflegepflichtversicherung würden die Beiträge dagegen deutlich höher liegen. Insbesondere „Besser- und Bestverdiener“ müssten die Bürger-Vollversicherung teuer bezahlen. Es wäre eine Form der Umverteilung. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist ein Verfechter der Bürger-Vollversicherung. Die privaten Krankenversicherer laufen dagegen Sturm, weil sie darin einen Einstieg in die Bürgerversicherung auch beim Krankenschutz stehen.
 

3. DAK und Sozialverbände: mehr Steuerzuschüsse

Eine Art Kompromiss stellt das Modell von DAK und verschiedenen Sozialverbänden dar. Es zielt auf die Deckelung der Eigenanteile bei Pflegeheim-Unterbringung. Hier herrscht eine besondere Dynamik. Heimbewohner sollen demnach künftig einen monatlichen Fixbetrag von 450 Euro zuzgl. der Kosten für Investitionen, Unterkunft und Verpflegung als Eigenanteil zahlen. Der Rest würde über die Pflegeversicherung mit Hilfe von Steuerzuschüssen abgedeckt. Der Beitragssatz in der sozialen Pflegeversicherung könnte dann unverändert bleiben. Der Pflege-Fixbetrag würde der allgemeinen Lohnentwicklung angepasst.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will im ersten Halbjahr 2020 eine umfassende Pflege-Finanzreform vorschlagen. Vorab wurde bekannt, dass Eigenanteile dabei eine großes Thema sein sollen - vielleicht ein Hinweis auf das DAK-Modell. Ob es die GroKo allerdings bis ins Frühjahr schafft und entsprechende Reformkräfte entfaltet, ist derzeit alles andere als sicher

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Tipp: Ob Sie bereits privat versichert sind, oder es noch vorhaben: Vergleichen Sie über 38 Gesellschaften und sparen Sie viel Geld - kostenlos und unverbindlich!

Weiter zum kostenlosen PKV-Vergleich >>>