Wird die Pflegeversicherung bald teurer?

© Waldbach - fotolia.com

Als Anfang letzten Jahres das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft trat, stand bereits fest, dass die Neuregelungen bei den Pflegeleistungen zu erheblichen Mehrausgaben für die Pflegekassen führen würden. Mit der Neudefinition der Pflegebedürftigkeit und der Einführung von fünf Pflegegraden wurde der Kreis der Pflegeberechtigten erweitert und das Pflegeniveau tendenziell erhöht. Aus diesem Grund erfolgte zeitgleich eine Anhebung der Beiträge um 0,2 Prozentpunkte. Seither beträgt der Beitragssatz in der gesetzlichen Pflegeversicherung 2,55 Prozent, Kinderlose zahlen 0,25 Prozentpunkte mehr.

Doch das reicht wohl nicht. Seit seinem Amtsantritt versucht der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Öffentlichkeit darauf einzustimmen, dass die Beitragssätze demnächst erneut angehoben werden müssen. Der Grund dafür ist einfach. Seit der Reform sind die Pflegeausgaben deutlich stärker gestiegen als ursprünglich kalkuliert worden war. Gab es Ende 2016 noch 2,95 Millionen Menschen mit Leistungen aus der Pflegeversicherung, werden es bis Ende des Jahres voraussichtlich 3,46 Millionen sein. Davon geht jedenfalls der GKV-Verband aus.
 

Drei-Milliarden-Loch in der Pflegeversicherung

Das würde einen Anstieg der Leistungsempfänger um rund ein Sechstel binnen zwei Jahren bedeuten. Alleine in der ambulanten Pflege sind im vergangenen Jahr 115.000 Pflegebedürftige mehr aufgenommen worden als veranschlagt worden war. Darüber hinaus zeigt eine Auswertung der Begutachtungs-Ergebnisse eine Verschiebung der Einstufungen hin zu höheren Pflegegraden, in denen mehr Leistungen gewährt werden. Mehr Pflegebedürftige als erwartet und im Schnitt mehr Leistungen pro Kopf – das bedeutet automatisch, dass die Pflegeausgaben überproportional steigen.

Die Mehrausgaben durch diese Entwicklung werden vom GKV-Verband alleine für dieses Jahr auf zwei Milliarden Euro beziffert. Dabei hatte man bereits mit einer Unterdeckung von knapp einer Milliarde Euro geplant. Damit würde bis Jahresende ein Finanzierungsloch von insgesamt drei Milliarden Euro entstehen. Da es sich um ein strukturelles Defizit handelt, dass nicht einfach durch Kosteneinsparungen zu beseitigen ist, muss auf der Einnahmeseite angesetzt werden.
 

Wenig Begeisterung für Beitragserhöhungen

Gesundheitsminister Spahn schwebt dabei eine weitere Beitragsanhebung um mindestens 0,2 Prozentpunkte vor. Der Beitragssatz würde dann auf 2,75 Prozent bzw. 3 Prozent steigen oder sogar auf mehr. Sehr viel Zustimmung zu diesen Plänen hat er allerdings bisher nicht erhalten. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mahnt ein langfristiges solides Finanzierungskonzept für die Pflegeversicherung an. Es dürfe nicht sein, dass die Beitragssätze immer weiter steigen. Diese Position ist nachvollziehbar, schließlich tragen die Arbeitgeber die Hälfte der Beiträge zur Pflegeversicherung bei Arbeitnehmern, sind also als Zahler unmittelbar betroffen.

Aber auch die Gewerkschaften zeigten sich wenig begeistert von den Plänen. Von DGB-Seite wurde gefordert, es müssten erst alle Kosten für sonst noch geplante Pflegevorhaben auf den Tisch, ehe über höhere Beiträge gesprochen werde. Selbst der GKV-Verband, dessen Mitglieder die Nutznießer höherer Einnahmen wären, widersprach den Beitragsplänen. Stattdessen wird die Einführung eines Bundeszuschusses – analog ähnlichen Zuschüssen in der Renten- und Krankenversicherung - ins Spiel gebracht. Schließlich erfülle die Pflegeversicherung auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für die eine (Mit-)Finanzierung aus Steuermitteln durchaus angebracht sei, so die Argumentation. Dabei dürften auch die üppig gefüllten Kassen des Bundes vor Augen gestanden haben.
 

SPD würde wohl zustimmen

Man darf gespannt sein, wie es mit den Beitragsplänen weitergeht. Zunächst soll in den nächsten Wochen eine genauere Analyse der Einnahmen- und Ausgabensituation der Pflegeversicherung erfolgen. Beim Koalitionspartner SPD wäre man wohl offen für eine Beitragserhöhung - der Nähe zu den Gewerkschaften zum Trotz. Von daher ist es alles andere als unwahrscheinlich, dass die Pflegeversicherung demnächst teurer wird.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Tipp: Ob Sie bereits privat versichert sind, oder es noch vorhaben: Vergleichen Sie über 38 Gesellschaften und sparen Sie viel Geld - kostenlos und unverbindlich!

Weiter zum kostenlosen PKV-Vergleich >>>