Pflegeversicherung: 25% mehr Ausgaben!

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Als zum Jahresbeginn 2017 das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft trat, war bereits klar, dass die im Gesetz vorgesehenen Verbesserungen die Pflegeversicherung finanziell belasten würden. Die Neudefinition der Pflegebedürftigkeit, die Erweiterung des Pflegeanspruchs bei Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen und die Einführung von fünf Pflegegraden statt bisher drei Pflegestufen kosten eine Menge mehr Geld.

Aus diesem Grund war zeitgleich mit der Pflegereform auch eine Erhöhung der Beiträge in der gesetzlichen Pflegeversicherung verbunden. Der Beitragssatz ist um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent des Bruttolohns gestiegen. Bei Arbeitnehmern übernimmt der Arbeitgeber davon die Hälfte. Kinderlose zahlen einen Beitragszuschlag von 0,25 Prozentpunkten, der vollständig selbst zu tragen ist.
 

Ausgaben um 25 Prozent gestiegen

Nach einem Jahr Umsetzung des Pflegestärkungsgesetzes II zeigen sich die finanziellen Folgen der Reform in den Kassen der gesetzlichen Pflegeversicherung deutlich. Die durch die höheren Beiträge generierten Mehreinnahmen konnten die Mehrausgaben bei weitem nicht ausgleichen. Erstmals seit einigen Jahren sind die finanziellen Reserven der Pflegeversicherung deutlich gesunken - um fast 2,4 Mrd. Euro von 9,3 Mrd. Euro auf 6,92 Mrd. Euro. Das bedeutet einen Rückgang um gut ein Viertel.

Insgesamt gab die Pflegeversicherung im vergangenen Jahr 37,2 Mrd. Euro für Pflegeleistungen aus. 2016 waren es noch 28,3 Mrd. Euro. Demnach fielen Mehrausgaben in Höhe von 8,9 Mrd. Euro an, relativ gesehen bedeutet das einen Anstieg um 25 Prozent. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes sind davon 20 Prozent oder gut sieben Mrd. Euro auf die Pflegereform zurückzuführen. Der „Rest“ ist durch allgemeine Kosten- und Preissteigerungen bedingt, die auch ohne Pflegereform eingetreten wären.
 

Stärkster Anstieg bei den Geldleistungen

Interessant ist ein Blick auf die Entwicklung bei den einzelnen Ausgabeblöcken der Pflegeversicherung. Die meisten Ausgaben entfielen demnach auf die vollstationäre Pflege (36,6 Prozent), Geldleistungen (28,1 Prozent) und Pflegesachleistungen (12,7 Prozent). Die Ausgabenentwicklung in diesen Bereichen fiel durchaus unterschiedlich aus:

  • im größten Kostenblock - den Ausgaben für die vollstationäre Pflege - stiegen die Aufwendungen von 10,9 Mrd. Euro in 2016 auf 13,0 Mrd. Euro in 2017 - ein Plus von 16 Prozent;
  • bei den Geldleistungen gab es den prozentual größten Ausgabenanstieg. Die Ausgaben schnellten um 32 Prozent von 6,8 Mrd. Euro (2016) auf 10,0 Mrd. Euro (2017) hoch;
  • bei den Pflegesachleistungen fielen 700 Mio. Euro oder 16 Prozent mehr an. Die Ausgaben stiegen von 3,8 Mrd. Euro (2016) auf 4,5 Mrd. Euro (2017).

Der besonders starke Anstieg der Geldleistungen liegt im Trend. Ihr Anteil an den Pflegeausgaben nimmt bereits seit Jahren zu. 2012 bewegte er sich noch bei 23,2 Prozent. Im Gegenzug ist der Anteil der Ausgaben für die stationäre Pflege rückläufig. Er hatte 2012 schon mal 45,6 Prozent erreicht.
 

Beiträge vorerst wohl stabil

Auch die Zahl der Empfänger von Pflegeleistungen ist 2017 deutlich gestiegen. 3,3 Mio. Menschen erhielten Leistungen, 2016 waren es noch 2,96 Mio. gewesen. Trotz des „Minus“ in der Kasse der gesetzlichen Pflegeversicherung ist der GKV-Spitzenverband optimistisch, dass die Beiträge bis mindestens 2020 stabil bleiben können. Dies sein nicht zuletzt dank des üppigen Rücklagenpolsters möglich.

Dass das allerdings auf Dauer keine Lösung sein kann, leuchtet auch ein. Dort wo ständig mehr Ausgaben als Einnahmen anfallen, sind irgendwann Beitragserhöhungen unumgänglich, wenn das Leistungsniveau nicht schlechter werden soll. Das will wohl niemand.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

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