Verkehrte Welt - Negativzinsen belasten GKV und PKV

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Am 11. Juni 2014 führte die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Einlagefazilität erstmals Negativzinsen sein. Damals wurde der Zinssatz, zu dem Banken Geld bei der Euro-Notenbank parken können, von 0 % auf -0,1 % festgelegt. Seither hat die EZB zweimal diesen Zinssatz weiter gesenkt, zuletzt am 16. März 2016 auf -0,4 %. Dabei ist es bis heute geblieben.

Die Hoffnung auf eine Zinswende ist in den letzten zwölf Monaten immer geringer geworden. Im Gegenteil: seit die US-Notenbank Fed ihren Kurs moderater Zinserhöhungen gestoppt hat und dunkle Wolken am Konjunkturhimmel aufgezogen sind, steuert die EZB auf eine Wiederaufnahme und Intensivierung ihrer ultralockeren Geldpolitik zu. Die lange erwartete Zinsanhebung bei der Einlagefazilität ist in weite Ferne gerückt, sogar eine weitere Absenkung ist nicht ausgeschlossen. Die Negativzinsen würden dann „noch negativer“ werden.
 

Markt rechnet mit sinkenden Zinsen

Lange versuchten die Banken eine Weitergabe der Negativzinsen an ihre Kunden zu vermeiden. Doch je länger die Minuszins-Phase andauert, umso schwieriger wird das. Bei Firmenkunden und vermögenden Privatkunden sind Negativzinsen auf größere Einlagenbeträge bei Tagesgeld- und Termingeld-Konten nicht selten. Bei Kleinanlegern wird an der Gebührenschraube gedreht. Der Trend zu Negativzinsen zeigt sich auch bei Bundesanleihen. Anleihen mit 10jähriger Restlaufzeit rentieren aktuell sogar unter dem EZB-Einlagesatz, aktuell bei fast -0,57 Prozent. Bei kürzeren Restlaufzeiten ist das Minus zum Teil noch größer. Das bedeutet: der Markt rechnet mit weiter sinkenden Zinsen.

Negativzinsen bedeutet: für Geldanlagen erhält man keine Vergütung, sondern muss etwas dafür bezahlen - eine verkehrte Welt. Dies trifft nicht nur den normalen Sparer, sondern auch die Krankenversicherung – und zwar sowohl das gesetzliche System als auch die Privaten. In der PKV sind vor allem die Geldanlagen aus den Altersrückstellungen betroffen – Ende 2018 lagen diese bei rd. 255 Mrd. Euro. Da es sich hier überwiegend um längerfristige Anlagen handelt, bei denen höhere Zinssätze üblich sind, hält sich der Negativzins-Effekt allerdings noch in Grenzen.
 

67 Mio. Euro Negativzinsen in der Sozialversicherung

Unmittelbar betroffen sind dagegen kurzfristige Geldanlagen der Krankenversicherer. Diese werden vorgenommen, wenn kurzzeitige Einnahmeüberschüsse auftreten, was bei zeitlich unterschiedlichem Einnahme- und Ausgabenverlauf immer wieder vorkommt. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Krankenversicherung umlagefinanziert ist wie in der GKV oder nach dem Äquivalenzprinzip funktioniert wie in der PKV. Solche kurzfristigen Überschüsse werden oft als Giroguthaben, Termin- und Tagesgelder bei Banken oder in Form von Geldmarktpapieren gehalten.

Nach einer Umfrage des Berliner Tagesspiegels beliefen sich die Kosten für Negativzinsen bei deutschen Sozialversicherungsträgen (Rentenversicherung, GKV und soziale Pflegeversicherung) alleine im vergangenen Jahr auf 67 Mio. Euro. Auf den Gesundheitsfonds der GKV entfielen alleine 9,2 Mio. Euro, auf den Ausgleichsfonds der sozialen Pflegeversicherung 3,5 Mio. Euro. Auch bei den Kranken- und Pflegekassen selbst fallen Negativzinsen an. Über Beträge gibt die Tagesspiegel-Umfrage keine Auskunft, ebenso wenig über Negativzinsen im Bereich der PKV.
 

Versicherte werden zu Leidtragenden

Die Durchschnittsverzinsung der Geldanlagen in der PKV lag 2017 geschätzt noch bei 3,40 Prozent – ein erstaunlich hoher Wert, der den höheren Zinsen in der Vergangenheit bei langfristigen Investments geschuldet ist. Diese Anlagen laufen aber nach und nach aus und müssen durch niedrigverzinste - im Extremfall sogar negativverzinste - Geldanlagen ersetzt werden. Daher ist seit etlichen Jahren parallel zur allgemeinen Zinsentwicklung ein Abschmelzungsprozess bei der Durchschnittsverzinsung festzustellen. 2005 hatte sie noch bei 4,63 Prozent gelegen.

Die Versicherten spüren die Zinsmisere nicht nur bei ihren eigenen Geldanlagen, für die sie immer weniger Zinsen erhalten. Sie werden indirekt auch bei ihrer Krankenversicherung zu Leidtragenden. Denn die Krankenversicherer müssen die „Zinsschäden“ weiterreichen - über die Zusatzbeiträge bei den Krankenkassen und im Rahmen von Beitragsanpassungen in der PKV.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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