Mitgliederrekord in der GKV – kein reiner Grund zur Freude

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Zum Jahreswechsel vermeldete der GKV-Verband einen neuen Mitgliederrekord. 72,7 Millionen Menschen sind in Deutschland gesetzlich krankenversichert – so viel wie nie. Bisher galt 1993 mit 72,2 Millionen GKV-Mitgliedern als das versicherungsstärkste Jahr.

Binnen Jahresfrist hat sich damit der Mitgliederbestand um rund 1,3 Millionen Menschen erhöht. Im Vergleich zu 2013 beträgt die Zunahme 2,8 Millionen Mitglieder. Das Wachstum ist in erster Linie auf die verstärkte Zuwanderung durch Arbeitsmigranten und Flüchtlinge zurückzuführen. Praktisch keinen Effekt haben dagegen Wanderungsbewegungen von und zur PKV. Hier zeigt sich die Bilanz für 2016 nahezu ausgeglichen. Während 129.000 Mitglieder die GKV in Richtung PKV verließen, kehrten umgekehrt 130.000 privat Versicherte in die „Gesetzliche“ zurück.
 

Arbeitsmigranten und Flüchtlinge sorgen für Zuwachs

Das Mitgliederwachstum korrespondiert mit der Bevölkerungszunahme in Deutschland. Sie ist praktisch ausschließlich der Zuwanderung zu verdanken, während die einheimische Bevölkerung aufgrund schwacher Geburtenraten schrumpft. Im vergangenen Jahr kamen 750.000 Menschen mehr nach Deutschland als auswanderten. 2015 waren es sogar 1,1 Millionen gewesen – einen wesentlichen Anteil daran hatte der Flüchtlingszustrom.

So erfreulich die Mitgliederentwicklung für die GKV sein mag, sie hat auch ihre Schattenseiten. Denn mehr Mitglieder bedeuten nicht automatisch mehr Beiträge. Tatsächlich ergibt sich in dieser Hinsicht ein differenziertes Bild:

Von den Arbeitsmigranten ist der weitaus größte Teil gesetzlich krankenversichert. Nur wenige aus dieser Gruppe überschreiten die Versicherungspflichtgrenzen und wählen die PKV. Ein kleinerer Teil der Arbeitsmigranten bleibt bis auf weiteres in der heimischen Sozialversicherung im Ausland, da die Betroffenen von ihrem Arbeitgeber befristet nach Deutschland entsandt wurden. Als Arbeitnehmer erzielen Arbeitsmigranten in der Regel eine sozialversicherungspflichtige Entlohnung, so dass auch Beiträge in die GKV fließen.

Anders sieht die Situation bei den Flüchtlingen aus. In den ersten 15 Monaten ihres Aufenthalts in Deutschland werden die Kosten für medizinische Behandlungen von Flüchtlingen von den jeweils zuständigen Kommunen getragen. Die dafür nötigen Ausgaben belasten die kommunalen Haushalte, aber nicht das GKV-System. Nach diesem Zeitraum gelten andere Regelungen.
 

Hartz IV-Bezieher - für die GKV eine finanzielle Belastung

Wer bis zum Ablauf des 15 Monate-Zeitraums keine Arbeit gefunden hat, erhält Asylbewerberleistungen im Rahmen von Hartz IV. Da dies bei vielen Flüchtlingen der Fall ist, werden sie als Hartz IV-Empfänger automatisch Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse. Sie sind damit anderen Beziehern von Arbeitslosengeld II – derzeit insgesamt sechs Millionen Menschen in Deutschland – de facto gleichgestellt. Für diese Personen zahlt der Bund einen monatlichen Betrag von 97 Euro als Kostenpauschale in das GKV-System.

Dieser Betrag ist aber bei weitem nicht kostendeckend. 2016 fielen für Hartz IV-Empfänger rund 14,6 Milliarden Euro an Leistungsausgaben für die Krankenkassen an. Dem standen aber nur 5,9 Milliarden Euro Einnahmen durch die Bundeszahlungen gegenüber – bleibt ein Fehlbetrag von 8,6 Milliarden Euro, der letztlich über die Beiträge der übrigen GKV-Mitglieder zu finanzieren ist.
 

Forderung nach adäquaten Leistungen des Bundes

Die unzureichenden Leistungen des Bundes im Zusammenhang mit Hartz IV-Empfängern werden von GKV-Seite seit Langem beklagt. Sie sorgen dafür, dass GKV-Mitglieder überproportional zur Finanzierung von Krankheitsleistungen herangezogen werden. Mit der verstärkten Einbindung von Flüchtlingen in das GKV-System verschärft sich das Problem zusätzlich. Dabei gibt es wenig Argumente dafür, warum GKV-Mitglieder mehr als andere zur gesundheitlichen Versorgung von Flüchtlingen beitragen sollten.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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