Das aus für "Meine Gesundheit"? - Digitalisierungsprojekt in der PKV zurückgeworfen

Digitalisierung im Gesundheitswesen ist ein ebenso wichtiges wie schwieriges Thema. Schon manches Vorhaben scheiterte oder zog sich über ungeahnt lange Zeiträume hin. Besondere Hürden bauen sich stets auf, wenn mehrere Beteiligte an einem Projekt unterschiedliche Interessen und Zielsetzungen verfolgen.

Sowohl das gesetzliche System als auch die privaten Krankenversicherer mussten in dieser Hinsicht Erfahrungen sammeln. Ein Paradebeispiel dafür ist die Plattform „Meine Gesundheit“. Das Portal wird von der MGS Meine-Gesundheit-Services GmbH (MGS) betrieben, die es auch entwickelt hat. Die MGS ist ein Joint Venture desAXA Konzerns und der CompuGroup Medical SE (CGM) und wurde 2015 gegründet.
 

Online-Abrechnung und Belegeinreichung

Seit Mai 2016 haben krankenvollversicherte AXA-Kunden die Möglichkeit, ihre Rechnungen und Belege dort online einzureichen. Weitere Services von „Meine Gesundheit“: aktuelle Infos zum Stand der Abrechnung, über Beitragsrückerstattungen und Selbstbehalte, digitale Arzt- und Therapeutensuche sowie medizinische Online-Beratung. Auch die Teilung von Dokumenten mit Ärzten und Krankenhäusern ist möglich.
 

1,4 Mio. registrierte Nutzer bei „Meine Gesundheit“

Später dockten sich unter anderm die DEBEKA und die Versicherungskammer Bayern mit ihren Krankenversicherern Union und Bayerische Beamtenkrankenkasse (BBKK) an „Meine Gesundheit“ an. Mit der DEEBKA stieg der Marktführer der PKV in das Portal-Projekt ein. Damit wurde die Plattform zu einem maßgeblichen digitalen Angebot in der PKV-Branche. Die DEBEKA verfügt in der Krankenvollversicherung über einen Marktanteil von rund 28,4 Prozent, die AXA über 9,2 Prozent und die BBKK über 3,5 Prozent. Zusammen stehen die Beteiligten damit für fast die Hälfte des Marktes. Derzeit sind rund 1,4 Mio. Nutzer bei „Meine Gesundheit“ registriert.

Die Plattform hat also durchaus Akzeptanz auf Kundenseite gefunden. Trotzdem muss das Projekt jetzt einen herben Rückschlag verzeichnen. DEBEKA, die Versicherungskammer Bayern und ein weiterer Versicherer werden sich einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge ab Mitte 2023 zurückziehen. Nur die beiden ursprünglichen Initiatoren AXA und CompuGroup wollen die Plattform weiterführen. Damit würde „Meine Gesundheit“ sozusagen auf seine Anfänge zurückgeworfen.
 

Divergenzen bei der elektronischen Patientenaktie und Strategie-Differenzen

Grund für den Absprung der übrigen Partner sind wohl Divergenzen über die Integration der elektronischen Patientenakte, aber auch unterschiedliche Digitalisierungsstrategien in den einzelnen Häusern, die sich nicht miteinander in Einklang bringen lassen. Die elektronische Patientenakte hat in Deutschland eine lange Wegstrecke zurücklegen müssen, ehe sie - zumindest in wichtigen Teilen - Realität wurde. Erste Modellversuche dazu gab es bereits 2011, die Einführung verzögerte sich aber immer wieder. Seit dem 1. Januar 2021 ist sie im GKV-Bereich verfügbar. Die PKV-Branche arbeitet noch an der Realisierung.
 

Eigene digitale Angebote geplant

Trotz des beabsichtigten Rückzugs - bis auf weiteres können die Versicherten unter anderem von DEBEKA, Union und BBKK die Services von „Meine Gesundheit“ weiter nutzen. Rechtzeitig zum Ende der Plattform-Beteiligung wollen die Versicherer ihren Kunden adäquate Ersatzangebote zur Verfügung stellen.

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