Krankenkassen – gehen die Zeiten hoher Überschüsse zu Ende?

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In den vergangenen beiden Jahren meldeten die gesetzlichen Krankenkassen fast von Quartal zu Quartal neue Überschuss-Rekorde. Selten war die finanzielle Ausstattung so gut und Reserven so üppig. Bundesgesundheitsminister Spahn sah sich sogar veranlasst, die Kassen zum finanziellen Abbau ihrer Rücklagen aufzufordern und dafür gesetzliche Vorgaben zu schaffen. Zudem wurde der durchschnittliche Zusatzbeitrag wurde zum zweiten Mal gesenkt und liegt jetzt bei 0,9 Prozent.

Nachdem bald zwei Monate des neuen Jahres ins Land gegangen sind, liegt nun die „Abschlussbilanz“ bei Einnahmen und Ausgaben der Krankenkassen für 2018 vor. Danach zeigt sich doch ein etwas differenzierteres Bild bezüglich der Überschuss-Situation. Zwar sprudelten die Einnahmen im vergangenen Jahr weiterhin kräftig, aber nicht mehr ganz so stark wie 2017. Und auf der Ausgabenseite macht sich zum Teil ein wieder stärkerer Kostenanstieg bemerkbar.
 

AOK’s schnitten am besten ab

Am besten haben noch die AOK’s abgeschnitten. Deren Einnahmen lagen im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Euro über den Ausgaben. 2017 hatte der Überschuss noch 1,4 Milliarden Euro betragen. Das Plus ist daher um rund 300 Millionen Euro geschrumpft. Die Leistungsausgaben sind dabei nur um 1,4 Prozent gestiegen - deutlich unter dem „Branchenschnitt“, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass die AOK’s überdurchschnittlich viele jüngere Versicherte hinzugewonnen haben. Die weisen erfahrungsgemäß weniger Gesundheitsrisiken auf.
 

Ersatzkassen - Überschüsse zu 80 Prozent bei der TK

Noch drastischer haben sich die Überschüsse bei den Ersatzkassen reduziert. Hier hat sich der Einnahmen-Ausgaben-Saldo gegenüber dem Vorjahr fast halbiert - von 1,17 Milliarden Euro auf 561 Mio. Euro. 80 Prozent davon - absolut 452 Millionen Euro - gehen auf das Konto der Techniker Krankenkasse TK. Die konnte 2018 268.000 neue Mitglieder begrüßen, davon 245.000 Beitragszahler. Außerdem wirkten sich Sondereffekte wie die Auflösung zuvor gebildeter Rückstellungen positiv aus. Aber auch die erfolgsverwöhnte TK musste einen Überschuss-Rückgang gegenüber 2017 von 171 Millionen Euro hinnehmen. Die Barmer Ersatzkasse - nach der TK Nummer 2 der Ersatzkassen - konnte gar nur sechs Millionen Euro Überschuss erzielen. Insgesamt sind bei den Ersatzkassen auch die Ausgaben deutlich stärker gestiegen als im AOK-Bereich - besonders stark bei Heilmitteln, die mit 13 Prozent Mehrkosten zu Buche schlugen. Aber auch bei Arztkosten, Krankenhauskosten und Medikamenten war der Ausgabenanstieg überproportional.
 

Betriebs- und Innungskrankenkassen - Überschüsse halbiert

Nicht viel anders sieht es bei den Betriebskrankenkassen und bei den Innungskrankenkassen aus. Bei den Betriebskrankenkassen reduzierte sich der Überschuss von 295 Millionen Euro (2017) auf etwa 100 Millionen Euro (2018) - ebenfalls fast eine Halbierung. Bei den Innungskrankenkassen schrumpfte er von 174 Millionen Euro auf 76,5 Millionen Euro - ein Minus von 56 Prozent.
 

Warum die Überschüsse weniger werden

Für das Abschmelzen der Überschüsse lassen sich verschiedene Ursachen vermuten. Angesichts der bereits erreichten hohen Beschäftigung ist kein nachhaltiger weiterer Beschäftigungsaufbau mehr zu erwarten, der zusätzliche Beitragseinnahmen generieren könnte. Hinzu kommt, dass sich inzwischen eine Abkühlung der deutschen Konjunktur abzeichnet. In den beiden letzten Quartalen 2018 schrumpfte die Wirtschaft sogar leicht oder zeigte nur ein Nullwachstum. Inzwischen hat die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für 2019 auf ein Prozent zurückgenommen. Gleichzeitig ist eine neue Kostendynamik bei den Gesundheitsausgaben festzustellen.

Zwar ist die finanzielle Lage der Krankenkassen nach wie vor ausgezeichnet. Aber die Zeiten üppig sprudelnder Einnahmen könnten sich allmählich dem Ende neigen. Verteilungskämpfe dürften härter werden.

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