GKV - Abrechnungsbetrug, Rezeptfälschung & Co nehmen zu

Deutschland verfügt über ein gut ausgebautes Gesundheitswesen. Das medizinische Versorgungsniveau ist hoch und das System der Krankenversicherung kann sich im internationalen Vergleich sehen lassen. Die „Dualität“ aus GKV und PKV hat sich insgesamt bewährt. Allerdings: wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Dazu gehört nach Feststellung der Krankenkassen zunehmendes kriminelles Fehlverhalten.

Nach § 197a SGB V sind die Krankenkassen und ihre Verbände verpflichtet, „Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen“ zu unterhalten, die sich mit „Unregelmäßigkeiten“ oder mit der „rechtswidrigen Nutzung von Finanzmitteln“ befassen. Meist geht es um Hinweise auf unkorrekte Abrechnung von Leistungen - zum Beispiel für Leistungen, die nicht bzw. ohne die nötige Qualifikation erbracht wurden -, um unzulässige Zusammenarbeit von Vertragsärzten mit Nicht-Ärzten oder um Rezept- und Verordnungsfälschung. In diesem Sinne sind Fehlverhaltensstellen so etwas wie eine kasseninterne Fahndungs- und Kriminal-Organisation.
 

50 Prozent mehr „Tipps“ und 20 Prozent mehr Neufälle

Dem GKV-Spitzenverband ist jetzt der Tätigkeitsbericht der Bekämpfungsstellen für den Zeitraum 2016/2017 vorgelegt worden. Danach erhielten die Stellen im Berichtszeitraum deutlich mehr Hinweise auf Fehlverhalten als in der letzten Berichtsperiode 2014/2015. Die Anzahl der „Tipps von außen“ hat von 16.764 auf 25.039 besonders stark zugenommen - ein Anstieg um fast 50 Prozent. Gleichzeitig hat sich die Zahl der konkret verfolgten Neufälle ebenfalls deutlich erhöht. Sie ist von 21.046 auf 25.237 gestiegen - eine Zunahme um 20 Prozent.

Insgesamt gingen bei den Bekämpfungs-Stellen im Berichtszeitraum 33.041 Hinweise ein, davon 8.002 interne. Es wurden 40.090 Fälle verfolgt, darunter waren allerdings noch 14.853 Altfälle. 24.172 Fälle konnten abgeschlossen werden. 3.371mal wurde die Staatsanwaltschaft mittels Strafanzeigen eingeschaltet - ein neuer Rekord und ein „Plus“ von mehr als 11 Prozent. Für die abgeschlossenen Fälle wurden „gesicherte Forderungen“ in Höhe von mehr als 49 Mio. Euro erfasst. Auch das bedeutet eine erhebliche Zunahme (+ 17 Prozent), was nicht zuletzt auf höhere Fallzahlen zurückzuführen ist.
 

Fehlverhalten im Pflegebereich besonders ausgeprägt

Interessant ist ein Blick auf die einzelnen Leistungsbereiche, in denen sich Fehlverhalten gezeigt hat. Geht man nach den „gesicherten Forderungen“ - also den Beträgen, die bei den abgeschlossenen Fällen in Frage standen -, dann hatte der Bereich „Arznei- und Verbandmittel“ die größte Bedeutung. Er steht für mehr als ein Viertel der „gesicherten Forderungen“. Es folgt der Bereich „häusliche Krankenpflege“ mit einem Anteil von einem Fünftel. Die übrigen Bereiche fallen demgegenüber deutlich ab.

Legt man die Zahl der verfolgten Neufälle zugrunde, dann stechen die Bereiche „häusliche Krankenpflege“ und Pflegeversicherung mit Anteilen von jeweils rund einem Fünftel hervor. Offenbar ist der Pflegebereich für Betrug und inkorrektes Verhalten besonders anfällig. Dazu passen immer wieder zu lesende Meldungen über organisierten Pflegebetrug oder „Pflegemafia“-Aktivitäten. Nicht selten wirken dabei Pflegedienste, Ärzte und Patienten zu Lasten der Krankenkassen zusammen.
 

Mehr Schutz für Hinweis-Geber gefordert

In dem Bericht wird auch beklagt, dass der rechtliche Schutz von Hinweis-Gebern bisher unzureichend sei. So hätten die Mitarbeiter in den Bekämpfungsstellen kein Zeugnisverweigerungsrecht, mit dem die Identität von Hinweisgebern geschützt werden könnte. Folglich würden viele Hinweise anonym gegeben, was die „Fahndung“ nachhaltig erschwere. Eine gesetzliche Regelung zum Hinweisgeberschutz sei daher dringend erforderlich. 

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Tipp: Ob Sie bereits privat versichert sind, oder es noch vorhaben: Vergleichen Sie über 38 Gesellschaften und sparen Sie viel Geld - kostenlos und unverbindlich!

Weiter zum kostenlosen PKV-Vergleich >>>