Gesetzliche Krankenkassen mit tiefroten Zahlen im zweiten Quartal 2021

Im ersten Quartal dieses Jahres hatten die gesetzlichen Krankenkassen mit erstaunlich positiven Zahlen überrascht. Man konnte das Ergebnis in gewissen Sinn als „rote Null“ bezeichnen. Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen um lediglich 100 Mio. Euro, nachdem die Jahresbilanz 2020 ein Minus von 2,65 Mrd. Euro gezeigt hatte.

Schon bei der Vorlage der Zahlen des 1. Quartals war klar, dass das fast ausgeglichene Ergebnis vor allem Sondereffekten geschuldet war und sich im weiteren Jahresverlauf nicht fortsetzen würde. Jetzt liegen Zahlen für das 2. Quartal vor, die diese Erwartung mehr als bestätigen.
 

Fast durchweg deutliche Verschlechterung im 2. Quartal

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen haben die ersten sechs Monate mit einem Defizit von 1,6 Mrd. Euro abgeschlossen, nachdem sie im 1. Quartal bereits ein Minus von 568 Mio. Euro verzeichnet hatten. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Innungskrankenkassen. Statt des in den ersten drei Monaten erzielten Überschusses von 49,2 Mio. Euro weist das 1. Halbjahr ein Minus von 25,4 Mio. aus. Bei den Ersatzkassen nimmt sich das Halbjahresdefizit mit 14 Mio. Euro zwar bescheiden aus, dem hatte aber im 1. Quartal noch ein Überschuss von 435 Mio. Euro gegenübergestanden. Das bedeutet: im 2. Quartal betrug das Defizit 449 Mio. Euro. Die Betriebskrankenkassen schlossen das 1. Halbjahr mit einem Defizit von 230 Mio. Euro nach einem Minus von 63 Mio. Euro im Zeitraum Januar bis März ab. Eine Ausnahme macht nur die Knappschaft, deren Fehlbetrag sich von 50 Mio. Euro auf 18 Mio. verringert hat.
 

Drastischer Ausgaben-Anstieg nach Corona-Ruhe

Die deutliche Verschlechterung der Finanzsituation ist vor allem auf einen starken Ausgabenanstieg zurückzuführen. So erhöhten sich die Ausgaben bei den AOK’s im 2. Quartal um 10 Prozent. Bei den Ersatzkassen betrug der Ausgabenanstieg in den ersten 6 Monaten im Schnitt 8,2 Prozent nach nur 2,3 Prozent im 1. Quartal. Besonders stark sind die Krankenhausausgaben pro Versichertem gestiegen: nach Ersatzkassen-Angaben um 17 Prozent im 2. Quartal im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal.

Die Ursachen für diese Entwicklung liegen auf der Hand. Wegen der Corona-Lage hatten viele Versicherte anstehende Operationen zunächst verschoben oder auf den Arztbesuch verzichtet. Dadurch wurden während der Lockdown-Monate insgesamt weniger medizinische Leistungen in Anspruch genommen. Entsprechend fiel die Ausgabenunterdeckung nicht so drastisch aus wie sonst zu erwarten gewesen wäre oder es wurden sogar Überschüsse erzielt.
 

Steuerzuschuss reicht womöglich nicht

Diese Situation ist im 2. Quartal nicht mehr gegeben gewesen. Es bedeutete vielfach die Rückkehr zum Normalzustand. Konsequenz: Aufgeschobenes wurde nun nachgeholt. Das erklärt einen großen Teil des drastischen Ausgabenstiegs. Hinzu kommen noch andere Effekte, zum Beispiel der Wegfall der Mehrwertsteuerabsenkung, der allgemeine Ausgabentrend nach oben im Gesundheitswesen, Mehrkosten durch Corona-Prävention und -Schutz usw..

Die Perspektiven für das 2. Halbjahr sehen kaum besser aus. Alleine die AOK-Gemeinschaft hält bis zum Jahresende ein Minus von deutlich über 4 Mrd. Euro für möglich. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der von der Bundesregierung zugesagte Steuerzuschuss von 7 Mrd. Euro nicht ausreichen dürfte, die „Löcher zu stopfen“. Der Zuschuss soll die Einhaltung des Versprechens der Großen Koalition sicherstellen, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag 1,3 Prozent nicht übersteigt, um die Sozialgarantie einzuhalten.

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