Fernbehandlung - ein neuer Trend in der PKV?

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Im digitalen Zeitalter unterliegt auch die Behandlung durch den Arzt grundlegenden Veränderungen. Wo moderne Informations- und Kommunikationstechnologie zur Verfügung steht, wird es weniger wichtig, physisch beim Arzt präsent zu sein. Noch sind Ferndiagnosen und -behandlungen bei uns mehr die Ausnahme als die Regel. Aber der Einstieg ist gemacht.
 

Fernbehandlungen - bis dato nicht ausschließlich möglich

Fernbehandlungen durch deutsche Ärzte sind schon heute möglich, sofern die Behandlung nicht ausschließlich auf diese Weise stattfindet. In der „(Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte“ - der sogenannten MBO-Ä - heißt es dazu in § 7 Abs. 4:

„Ärztinnen und Ärzte dürfen individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen. Auch bei telemedizinischen Verfahren ist zu gewährleisten, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Patientin oder den Patienten unmittelbar behandelt.“

Falls Fernbehandlungen eingesetzt werden, können sie also nicht voll an die Stelle des persönlichen Besuchs beim Arzt treten. Aber grundsätzlich zulässig sind sie schon. In der Regel findet der Arztbesuch am Beginn einer Behandlung statt, bei der der Arzt den Patienten unmittelbar in Augenschein nimmt. Weitere Behandlungsschritte sind dann ggf. auch auf dem Distanzweg möglich. So ist die Rechtslage bisher.
 

Ottonova mit Fernbehandlungen aus der Schweiz

Doch im Bereich der PKV gibt es bereits Ansätze, darüber hinauszugehen. Erst vor wenigen Wochen erzielte der private Krankenversicherer Ottonova Aufsehen mit dem Angebot von Fernbehandlungen aus dem Ausland. Ottonova ist ein seit diesem Jahr am Markt befindlicher PKV-Anbieter - die erste rein digitale private Krankenversicherung in Deutschland. Fernbehandlungen passen gut zum Image des jungen Unternehmens und zu seinen Kunden. Es handelt sich überwiegend um junge, gutverdienende „Digital Natives“.

Das Ottonova-Modell funktioniert mit Schweizer Ärzten. Kooperationspartner ist der digitale Behandlungsanbieter Eedoctors in der Schweiz. Versicherte mit einem medizinischen Problem können sich an den Concierge-Service von Ottonova wenden. Wenn der eine Fernbehandlung für sinnvoll hält, macht er die Verbindung zu Eedoctors möglich. Ein Arzt von Eedoctors befasst sich dann mit dem Fall, stellt Rezepte aus, bei Bedarf auch Überweisungen oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Im Unterschied zu den deutschen Vorschriften ist hier kein persönlicher Erstkontakt oder eine bestehende Arzt-Patienten-Beziehung nötig.
 

Ein Modellversuch in Baden-Württemberg

Weitere Versicherer ziehen nach. Ab Dezember wird es auch in Baden-Württemberg möglich sein, Fernbehandlungen und -diagnosen ohne vorherigen Arztkontakt in Anspruch zu nehmen. Zulässig wird das durch eine von der Ärztekammer genehmigte Änderung der Berufsordnung in dem Bundesland, die das „Ausschließlichkeitsverbot“ der MBO-Ä für Fernbehandlungen aufhebt. Die Aufhebung findet in Zusammenhang mit einem Modellprojekt statt, an dem TeleClinic - ein Anbieter für Arztgespräche via Videotelefonie - beteiligt ist. Das Unternehmen verfügt dazu über einen Pool von rund 200 Ärzten. An dem Modellversuch dürfen nur baden-württembergische Ärzte teilnehmen, weil die Berufsordnungen in anderen Bundesländern nach wie vor restriktiver sind.

Und zwei namhafte Versicherer sind ebenfalls mit von der Partie - die Barmenia Versicherung und dem Vernehmen nach auch die Debeka, Marktführer in der PKV. Eine Beteiligung der Debeka ist besonders bemerkenswert, denn das Unternehmen, das eher für sein traditionelles Unternehmenskonzept bekannt ist, hat sich finanziell auch bei Ottonova stark engagiert. Zunächst handelt es sich nur um einen Versuch und man will wohl auch nur Versicherten in Baden-Württemberg die Möglichkeit der ausschließlichen Fernbehandlung ermöglichen. Sollten die Resultate positiv ausfallen, dürfte das nicht das letzte Wort sein.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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