docdirekt - erstes Telemedizin-Modellprojekt für Kassenpatienten

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Ärztliche Behandlungen online, ohne vorher im persönlichen Kontakt mit einem Mediziner gestanden zu haben - das ist jetzt in Baden-Württemberg möglich. Am 16. April ist das Modellprojekt docdirekt der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) gestartet. Damit hält die Digitalisierung endgültig beim „Gang zum Arzt“ Einzug. Der ist nämlich jetzt auch virtuell möglich.
 

Bisher enge Grenzen für Telemedizin

Bisher sind ausschließliche Fernbehandlungen in Deutschland verboten. Es ist zwar zulässig, Patienten telemedizinisch zu beraten. Das setzt aber voraus, dass zuvor mindestens eine persönliche „Inaugenscheinnahme“ und Behandlung stattgefunden hat. Das ist in der der (Muster-)Berufsordnung für Ärzte (MBO-Ä) ausdrücklich so geregelt. Dort heißt es in § 7 Abs. 4 MBO-Ä:

„Ärztinnen und Ärzte dürfen individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen. Auch bei telemedizinischen Verfahren ist zu gewährleisten, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Patientin oder den Patienten unmittelbar behandelt.“

Weg vom Telemedizinverbot?

Diese Regelung ist vielfach als Telemedizinverbot gewertet worden. Dementsprechend suchte man in Deutschland bislang nach solchen Angeboten vergebens. Einen ersten Schritt wagte im vergangenen Jahr der digitale PKV-Anbieter Ottonova - und zwar über den Umweg Schweiz. Das junge Unternehmen, das sich bevorzugt an „Aufsteiger“ mit hoher Digital-Affinität richtet, ermöglicht seit Oktober 2017 seinen Kunden Fernbehandlungen in Kooperation mit dem Schweizer Start-up Eedoctors. Bei den Eidgenossen ist man in puncto Fernbehandlung nämlich nicht so restriktiv wie bei uns.

Auch das jetzt für Kassenpatienten gestartete Projekt docdirekt hatte zunächst Hürden zu nehmen. Denn um das Modellvorhaben zu ermöglichen, musste die Landesärztekammer Baden-Württemberg extra die Berufsordnung ändern. Es handelt sich auch ausdrücklich nicht um ein Breitenangebot, sondern um ein Pilotvorhaben, das nur in zwei Modellregionen - dem Stadtkreis Stuttgart und dem Landkreis Tuttlingen - getestet wird.

Aber immerhin, ein Einstieg ist gemacht. Und sollte sich das Modell bewähren, dürften weitere Regionen folgen. Auch die Beschränkung auf Baden-Württemberg wäre dann sicher nicht von Dauer. Die Bundesärztekammer strebt bereits eine Öffnung der Berufsordnung in Richtung Telemedizin auf dem kommenden Ärztetag im Mai an. Die Initiative ist allerdings umstritten. Widerstand kommt vor allem von Seiten der Hausärzte. Von daher ist nicht sicher, ob es zu einem entsprechenden Beschluss kommen wird.
 

So funktioniert docdirekt

Auf jeden Fall werden die Erfahrungen des Modellvorhabens in Baden-Württemberg mit Aufmerksamkeit verfolgt werden. docdirect wendet sich an Patienten mit Akut-Beschwerden. Diese können montags bis freitags von 9.00 Uhr bis 19.00 Uhr bei docdirect anrufen. Ein medizinisch geschulter Angestellter erfasst dann die Personaldaten und die Beschwerden. Bei Verdacht auf einen Notfall mit Lebensgefahr erfolgt sofort die Weiterleitung an den Notruf 112. Ansonsten wird der Anrufer zu einem Tele-Arzt von docdirect vermittelt.

Der Tele-Arzt setzt sich dann mit dem Patienten in Verbindung. Er verschafft sich im Rahmen der Anamnese einen Eindruck vom Krankheitsbild und führt – soweit das möglich ist – eine abschließende medizinische Beratung durch. Kommt der Tele-Arzt zu dem Ergebnis, dass doch eine persönliche Inaugenscheinnahme ratsam ist, stellt er dem Patienten einen Berechtigungscode aus, der den taggleichen Besuch in einer sogenannten PEP-Praxis möglich macht. „PEP-Praxis“ steht dabei für „patientennah erreichbare Portalpraxis“. Dort findet dann eine Behandlung „nach klassischem Muster“ statt.

Der Modellversuch ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Danach soll eine Evaluierung des Projektes stattfinden und es wird entschieden, wie es weitergeht.

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