Trotz viel Geld - das deutsche Gesundheitssystem ist nicht immer gut

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Deutschland leistet sich eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Im vergangenen Jahr dürften bei uns fast 360 Milliarden Euro an Gesundheitsausgaben angefallen sein. Mehr als zwei Drittel davon wurden von den gesetzlichen Krankenkassen und der sozialen Pflegeversicherung getragen. Die private Krankenversicherung hat etwa jeden zehnten Euro bezahlt. Größere Finanzierungsanteile entfielen aber auch auf die privaten Haushalte.

Der deutsche „Gesundheitsetat“ ist damit größer als der Bundeshaushalt. Dessen Ausgaben erreichten 2016 rund 317 Milliarden Euro. Insgesamt gingen im letzten Jahr 11,3 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung auf das Konto von Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken. Im Weltmaßstab leisten sich nur die USA und die Schweiz mehr. Die Schweizer lagen mit 12,4 Prozent knapp vor der Bundesrepublik, deutlicher ist der Abstand zu den Vereinigten Staaten. Dort flossen 17,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ins Gesundheitswesen.
 

Bei Gesundheit sind die Deutschen nur durchschnittlich

Es ist davon auszugehen, dass der Gesundheitsanteil am BIP in Deutschland in Zukunft noch größer wird. Denn das Ausgabenwachstum war in der Vergangenheit tendenziell stärker als das Wirtschaftswachstum. So haben alleine die stationären Krankenhauskosten 2016 um 4,3 Prozent zugenommen. Das Wirtschaftswachstum erreichte nicht einmal die Hälfte davon. Neue Behandlungsmethoden, bessere Medikamente und die höhere Lebenserwartung werden zur Fortsetzung des Trends beitragen.

Wenn in einem Land so viel für die Gesundheit ausgegeben wird, sollte man erwarten, dass die Deutschen weltweit zu den gesündesten Völkern zählen. Doch das ist ein Irrtum, wie die aktuelle OECD-Studie „Health at al Glance 2017“ zeigt. Die Untersuchung bewertet den Gesundheitszustand der Bevölkerung in den OECD-Staaten und einigen weiteren Partnerländern. Die Ergebnisse werden mit den Leistungen der Gesundheitssysteme verglichen. So lassen sich Aussagen über das „Kosten-Nutzen-Verhältnis“ treffen.
 

Es liegt auch an der Lebensweise

Trotz der hohen Gesundheitsausgaben sind die Deutschen keineswegs gesünder. Im internationalen Vergleich liegen sie eher im Mittelfeld - und das, obwohl sich viele Länder kein so aufwändiges Gesundheitssystem leisten können. Hier ein paar besonders markante Beispiele:

bei der Lebenserwartung belegt Deutschland aktuell Platz 33 im internationalen Vergleich. Japaner werden im Schnitt 4,2 Jahre älter, Italiener leben 1,5 Jahre länger und Franzosen 1,2 Jahre. Auch unsere Schweizer und österreichischen Nachbarn haben bei der Lebenserwartung die Nase vorn;

mäßig sind die Behandlungserfolge bei Herzinfarkten: 2015 starben in Deutschland acht Prozent der Herzinfarktpatienten binnen eines Monats nach einem Krankenhausaufenthalt. So viele sind es in keinem anderen Industrieland.

überdurchschnittlich hoch ist auch die Todesrate bei Brustkrebs-Patientinnen. Von 100.000 Frauen überleben bei uns 29 die Krankheit nicht, in Spanien sind es 21 und in Südkorea nur acht.

Nun wäre es sicher verfehlt, diese enttäuschenden Zahlen alleine dem deutschen Gesundheitssystem zur Last zu legen. Es sind viele Ursachen, die verantwortlich sind. Eine wichtige ist die ungesunde Lebensweise vieler Deutscher. Laut „Health at a Glance 2017“ langen die Bundesbürger beim Essen, beim Alkohol und beim Rauchen mehr zu als Angehörige anderer Nationen. So trinkt jeder Erwachsene bei uns im Schnitt 11 Liter reinen Alkohol im Jahr, im OECD-Schnitt sind es nur neun Liter. Und rund ein Viertel der Deutschen ist übergewichtig, im OECD-Schnitt ist es jeder Fünfte.
 

Es gibt große Einsparpotentiale

Dennoch beweist die Studie, dass viel Geld für das Gesundheitswesen nicht automatisch zu guten Resultaten führt. Es gibt im deutschen Gesundheitssystem viele Ineffizienzen. Nach dem Vergleich mit anderen Gesundheitssystemen glauben die OECD-Experten, dass es möglich wäre, bis zu 20 Prozent der Gesundheitsausgaben zu streichen, ohne dass dies zu schlechterer Versorgung führen würde. Ansatzpunkte für Einsparungen wären danach u.a. weniger überflüssige Doppeluntersuchungen, Verzicht auf manche unnötigen Kaiserschnitte und Operationen und ein zurückhaltenderer Umgang mit Antibiotika. Viele Behandlungen, die heute stationär im Krankenhaus erfolgen, könnten außerdem ambulant oder in Arztpraxen vorgenommen werden.

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