DAK-Pflegereport 2018: starke regionale Unterschiede bei der Pflege

In wenigen Wochen - pünktlich zum 1. Januar 2019 - steigen die Beiträge in der sozialen Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte. Mit dieser spürbaren Anhebung wird den stark gestiegenen Pflegekosten im Zusammenhang mit den Pflegereformen der letzten Legislaturperiode Rechnung getragen. Auch die beabsichtigte Intensivierung des Personaleinsatzes in der Pflege spielt eine Rolle.

Doch wie sieht überhaupt die aktuelle Situation in der Pflege aus? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Pflegefinanzierung? Erkenntnisse dazu bietet der DAK-Pflegereport 2018. Mit dem Pflegereport erhebt die DAK-Gesundheit jedes Jahr umfassend und repräsentativ die „Pflegelage“ in Deutschland. Hier einige Ergebnisse der diesjährigen Erhebung im Überblick.
 

1. Viele sehen bei Pflege ein hohes finanzielles Risiko

Der Report zeigt eindrucksvoll, dass Pflege von der Bevölkerung - trotz Pflegeversicherung - als finanzielles Risiko gesehen wird. Der Aussage „Viele, die ins Pflegeheim kommen, werden wegen der hohen Kosten zum Sozialfall“ stimmten 61 Prozent der Befragten zu, 70 Prozent teilten die Feststellung, dass sich Familien keinen Pflegeheimplatz oder Pflegedienst leisten könnten und sogar 87 Prozent fanden Pflegeheime generell zu teuer. Bemerkenswert ist, dass Befragte, die Pflegebedarf bereits im eigenen Umfeld erlebt haben, jedem dieser drei Statements noch häufiger zustimmten. Hier beurteilten zum Beispiel 90 Prozent Pflegeheime als zu teuer.
 

2. Die Politik tut zu wenig

„Die Politik tut zu wenig“: Auch diese Aussage stieß auf eine überwältigende Zustimmung. 84 Prozent der Befragungs-Teilnehmer waren der Ansicht, dass die Politik der Pflege nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkt. Nur sieben Prozent sagten, die Pflege besitze den Stellenwert, den sie verdiene. Hier schwingt unter Umständen die politische Stagnation nach der letzten Bundestagswahl mit. Die Streitigkeiten in der Koalition über andere Themen dürften den negativen Eindruck zusätzlich verfestigt haben.
 

3. Pflegequalität ist regional unterschiedlich

Der Pflegereport beschäftigt sich auch intensiv mit regionalen Unterschieden in der Pflege-Versorgung. Die sind beträchtlich und nach wie vor besteht in diesem Bereich ein deutliches Ost-West-Gefälle. Vielfach würden Pflegebedürftige in Krankenhäusern behandelt, was stets ein Hinweis auf sub-optimale Versorgung sei, so der Report. Während in den neuen Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen zwischen 142 und 150 Krankenhausfälle auf 100 Pflegebedürftige kommen, sind es in anderen Bundesländern deutlich weniger - in Baden-Württemberg zum Beispiel nur 115, in Niedersachsen 119.
 

4. Angebot an Pflegeheimen schwankt

Die Art der Pflege weist ebenfalls regionale Besonderheiten auf. In den neuen Bundesländern, aber auch im „mittleren Westen“ - in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland - dominiert die häusliche Pflege durch Angehörige. Hier gibt es nur relativ wenige Pflegeheime. Anders sieht es in Schleswig-Holstein, Bayern und Baden-Württemberg aus. Hier findet Pflege wesentlich häufiger im Heim statt.
 

Schlussfolgerung: keine Gleichwertigkeit gegeben

Aufgrund der Untersuchungs-Ergebnisse kommen die Autoren zum Schluss, dass die pflegerische Versorgung in der Bundesrepublik weniger vom Pflegebedarf als vom jeweiligen regionalen Angebot abhängt - ein unbefriedigender Zustand. Er stehe im Gegensatz zum vom Grundgesetz vorgegebenen Ziel der Bundesregierung, für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen.
 

Forderungen für die Pflegefinanzierung

Angesichts der bestehenden Unterschiede wird eine umfassende Reform der Pflegefinanzierung gefordert. Es reiche nicht, einfach nur Beiträge zu erhöhen. In einigen Bundesländern müssten Pflegebedürftige mehr als Doppelte für gleichartige Leistungen aus eigener Tasche zahlen wie in anderen Ländern. Viele seien dadurch finanziell überfordert und auf staatliche Fürsorge angewiesen. Die Pflegeversicherung zahle bisher nur einen - überall gleichen - Sockelbetrag.

Eine Reform müsse die Verhältnisse umkehren: Pflegebedürftige sollten nur einen nach Pflegegraden gestaffelten, überall gleichen Grundbetrag zahlen müssen. Die Differenz zu den tatsächlichen Kosten wäre dann von der Pflegeversicherung zu übernehmen - eine grundsätzliche Systemumstellung mit finanziellem Mehrbedarf. Dieser solle - da es um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe gehe – aus Steuermitteln finanziert werden. 

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