Beitragsschulden - Problem in der PKV wie in der GKV

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Es wird häufiger berichtet, dass sich Privat-Versicherte ihre Krankenversicherung nicht mehr leisten können und mit ihren Beiträgen in Rückstand geraten. Tatsächlich kommen solche Fälle vor. Oft stehen dahinter gravierende Lebensereignisse wie Berufsunfähigkeit, längere Krankheit oder Scheidung, zum Teil auch sonstige wirtschaftliche Schwierigkeiten, seltener ist das Alter der Grund.

Aber welche Bedeutung haben Beitragsschulden in der PKV überhaupt? Und wie sind sie im Verhältnis zur GKV zu sehen, wo das Phänomen durchaus auch bekannt ist? Darum soll es im Folgenden gehen. Fortgesetzte Nichtzahlung der Beiträge führt in der PKV automatisch zur Einstufung im sogenannten Notlagen-Tarif. Dessen Zahlen geben daher dort Auskunft über das Beitragsschulden-Problem.
 

PKV-Versicherte im Notlagen-Tarif deutlich gesunken

Zum 31.12.2017 befanden sich etwas mehr als 106.000 PKV-Versicherte im Notlagen-Tarif. Das entspricht rund 1,3 Prozent des Versicherten-Bestandes. Die in diesem Zusammenhang aufgelaufenen Beitragsschulden beliefen sich auf 386,5 Mio. Euro. Als der Notlagen-Tarif im Jahr 2013 eingeführt worden war, zählten die privaten Krankenversicherer noch 149.000 säumige Beitragszahler. Seither ist ihre Zahl um fast ein Drittel gesunken. Von daher kann sicher nicht von einer Verschärfung des Problems gesprochen werden. Im Gegenteil - die gute Konjunktur der letzten Jahre und die hohe Beschäftigung haben eher zur Entspannung beigetragen. Dafür spricht auch, dass die durchschnittliche Verweildauer im Notlagentarif weniger als ein Jahr beträgt. Den meisten Betroffenen gelingt es offensichtlich, ihre Beitragsschulden innerhalb eines überschaubaren Zeitraums doch zu begleichen.

Die Einstufung in den Notlagen-Tarif erfolgt, wenn rückständige Beiträge trotz zweimaliger Mahnung durch die Versicherung nicht gezahlt werden. Auch im Notlagen-Tarif sind Beiträge zu entrichten. Sie bewegen sich aber in einer Größenordnung von lediglich hundert Euro im Monat. Dafür beschränken sich die Leistungen im Wesentlichen auf Behandlungen bei akuten Krankheiten und Schmerzen. Eine Dauerlösung kann das nicht sein. Sobald die Rückstände beglichen sind, wird der ursprüngliche Versicherungsschutz, der zwischenzeitlich ruhte, wieder aufgenommen.
 

GKV - selbständige Geringverdiener und „Karteileichen“

In der GKV sind die Beitragsschulden Ende 2017 auf 8,21 Mrd. Euro angewachsen. Sie haben damit alleine im vergangenen Jahr um mehr als zwei Mrd. Euro zugenommen. 2013 hatte der Schuldenstand noch 2,15 Mrd. Euro betragen - das heißt: seither haben sich die Beitragsschulden fast vervierfacht. Aufgelaufen sind die Schulden in erster Linie im Bereich der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung. Bei GKV-versicherten Arbeitnehmern ist durch die automatische Abführung der Beiträge über die Arbeitgeber faktisch sichergestellt, dass es nicht zu Beitragsschulden kommen kann.

Die bisher ungünstige Behandlung von freiwillig GKV-versicherten Selbständigen mit geringen Einkünften ist ein wichtiger Grund für den Schuldenberg. Bei der Beitragsbemessung wird bis dato ein monatliches Mindesteinkommen von rund 2.284 Euro unterstellt, das viele Selbständige gar nicht erreichen. Trotzdem müssen sie auf dieser Grundlage Beiträge zahlen, die logischerweise viel zu hoch sind, zumal es hier keinen Arbeitgeber-Beitrag gibt. Ab kommendem Jahr wird dieses Problem entschärft. Dann wird das unterstellte Mindesteinkommen auf 1.142 Euro halbiert. Damit dürfte wenigstens der Schuldenanstieg merklich abgebremst werden.

Eine andere Ursache der GKV-Beitragsschulden liegt in der sogenannten obligatorischen Anschlussversicherung (OAV). Diese setzt automatisch ein, wenn die GKV-Versicherungspflicht endet, ohne dass bereits eine Folgeversicherung greift. Hier wird vermutet, dass es einen erheblichen Bestand an „Karteileichen“ gibt: GKV-Mitglieder, die weder Leistungen beziehen noch Beiträge zahlen. Das kann zum Beispiel bei Saisonarbeitern der Fall sein, die nur vorübergehend in Deutschland arbeiten. Die „säumigen“ Beiträge solcher Versicherten werden buchungstechnisch einfach fortgeschrieben, so dass es zum Aufbau von Beitragsschulden kommt. Die Kassen hatten bisher selbst wenig Interesse an einer Bereinigung, da auch solche Karteileichen bei Zahlungen aus dem Gesundheitsfonds berücksichtigt werden. Ihre Zahl wir auf rund 300.000 geschätzt.

Dieser Überblick zeigt: die Beitragsschulden in der Krankenversicherung sind ein vielschichtiges Phänomen - und manchmal nicht nur Sein, sondern auch Schein. 

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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