IKK-Chef: 50 Krankenkassen sind genug!

News-Artikel vom: 18.12.2022

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland leiden unter einer akuten Finanzklemme. Mit dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz will Bundesgesundheitsminister Lauterbach im nächsten Jahr die zu erwartende Milliarden-Deckungslücke schließen. Neben einer Erhöhung der Zuschüsse aus Steuermitteln und einigen weiteren Maßnahmen sollen auch die Zusatzbeiträge deutlich steigen: um 0,3 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent.

Mehr als eine Kurzfrist-Entlastung bringt das Gesetz nicht. Schon 2024 könnten weitere Löcher zu stopfen sein. Vor diesem Hintergrund sind Konzepte und Maßnahmen gefragt, die die GKV-Finanzen langfristig wieder ins Lot bringen. Dabei ist nicht nur auf der Einnahmenseite, sondern auch auf der Kostenseite anzusetzen. Ein möglicher Ansatz wurde bisher noch wenig diskutiert: Kosteneinsparungen durch eine weitere Zusammenlegung von Krankenkassen. Dieses Thema hat jetzt Ralf Hermes, Vorstandschef der IKK - Die Innovationskasse in Lübeck ins Spiel gebracht.
 

Krankenkassen unter 100.000 Versicherten vor der Existenzfrage

In Deutschland gebe es derzeit noch knapp 100 gesetzliche Krankenkassen. Eine so große Zahl sei überflüssig, so Hermes laut einem FAZ-Bericht. Es sei zwar schwer zu sagen, wie viele Kassen tatsächlich auf Dauer überlebensfähig seien, aber eine Reduzierung auf die Hälfte durch Zusammenschlüsse könne durchaus ein Ziel sein. Durch Fusionen seien deutliche Personaleinsparungen möglich und zusätzliche Kostenreduzierungen könnten durch den Abbau von Doppelt- und Mehrfachstrukturen erzielt werden.

Für Hermes stellt sich die „Existenzfrage“ vor allem bei Krankenkassen mit weniger als 100.000 Versicherten. Diese hätten es schwer, weil sie mangels eigener Kapazitäten viele Dienstleistungen extern am Markt einkaufen müssten. Das gelte insbesondere für digitale Lösungen und Services. Derzeit erreicht rund jede zweite Krankenkasse die 100.000er-Marke nicht und könnte nach Ansicht des IKK-Chefs über kurz oder lang vom Markt verschwinden. Es handelt sich dabei praktisch ausschließlich um Unternehmen aus dem Bereich der Betriebskrankenkassen (BKK).
 

Fusionen seit Jahrzehnten - noch knapp 100 Krankenkassen in Deutschland

Fusionen sind im GKV-Bereich nichts Neues. Seit Jahrzehnten finden Zusammenschlüsse statt. Erst im letzten Jahr hat sich die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen um weitere sechs reduziert. 1970 hatte es noch mehr als 1.800 Krankenkassen gegeben.

Allerdings erweist sich die Erwartung, dass es bei einem Zusammenschluss zu einem schnellen Kostenspareffekt kommt, häufig als Illusion. Oft dauert es Jahre, bis der rechtlichen Fusion auch Zusammenlegungen bei Strukturen und Abläufen folgen.
 

Riesen und Zwerge im GKV-Bereich

Die Bandbreite der Betriebsgrößen im Krankenkassenbereich ist riesengroß. Deutschlands größte Krankenkasse - die TK Techniker Krankenkasse - bringt es auf über 11 Mio. Versicherte und mehr als 8 Mio. Mitglieder. Der Zwerg schlechthin ist die BKK Textilgruppe Hof mit jeweils gut 8.000 Versicherten und 7.000 Mitgliedern.

IKK - Die Innovationskasse, das Unternehmen von Hermes, ist selbst 2006 aus einer Fusion hervorgegangen. Damals schlossen sich die IKK Mecklenburg-Vorpommern und die IKK Schleswig-Holstein unter dem neuen Namen zusammen. Das Unternehmen gehört mit rund 247.000 Versicherten und etwas über 200.000 Mitgliedern selbst zu den kleineren Krankenkassen im Lande - weitere Fusionen nicht ausgeschlossen.
 

Mehr Wettbewerb - Politik soll sich raushalten

Der IKK-Chef spricht sich im Übrigen nicht nur für Zusammenschlüsse aus, sondern fordert auch mehr Wettbewerb im GKV-Bereich. Bisher beschränkt sich der Wettbewerb im Wesentlichen auf die Zusatzleistungen und den Zusatzbeitrag. Zusatzleistungen machen allerdings nur etwa fünf Prozent der Kassenleistungen aus. Hermes fordert die Politik auf, mehr echte Konkurrenz zuzulassen und sich im Übrigen soweit wie möglich aus dem Geschäft der Kassen herauszuhalten.

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