25 Prozent Krankenkassenbeitrag bis 2060 möglich!

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Aktuare sind wissenschaftlich ausgebildete Sachverständige, die sich bestens mit mathematisch-statistischen Verfahren, Versicherungsmathematik und dem Versicherungswesen auskennen - ein kleiner, aber feiner und sehr spezialisierter Berufszweig, dessen Mitglieder sich in der Deutschen Aktuarvereinigung zusammengeschlossen haben.

In der jüngsten Pressekonferenz der Aktuarvereinigung hat sich deren scheidender Vorsitzender Roland Weber intensiv mit der weiteren Entwicklung der Beiträge in GKV und PKV befasst und dabei Reformbedarf angemahnt. Ohne gegensteuernde Maßnahmen drohen in beiden Systemen auf lange Sicht massive Beitragssteigerungen.
 

Fortschritt, Demografie und Niedrigzinsen

Sowohl in der GKV als auch in der PKV sind der demografische Wandel und der medizinisch-technische Fortschritt Kostentreiber. Die GKV leide außerdem unter einer strukturellen Einnahmeschwäche - trotz der derzeit noch gut gefüllten Kassen. In der PKV wirke sich dagegen die anhaltende Niedrigzinssituation im Zeitablauf immer negativer aus. Besonders betroffen von steigenden Ausgaben sei in beiden Systemen die Pflegeversicherung - also die soziale Pflegeversicherung und die private Pflegepflichtversicherung. Hier müssten die Beiträge noch deutlich stärker steigen als in der Krankenversicherung, um das finanzielle Gleichgewicht zu halten.
 

25 Prozent GKV-Beitrag bis 2060 möglich

Nach Berechnungen der Aktuare könnten sich die Beiträge in der GKV bis 2060 bei einfacher Fortschreibung der Entwicklung von heute 15,6 Prozent im Schnitt (allgemeiner Beitragssatz + Zusatzbeitrag) auf 25 Prozent erhöhen. In der sozialen Pflegeversicherung könnten die Beiträge - ohne Leistungsausweitungen - sogar bis auf 8,5 Prozent steigen und würden sich damit gegenüber heute mehr als verdoppeln. Im Extremfall müssten Versicherte dann - ohne Arbeitgeberbeitrag - zusammen mehr als ein Drittel ihres Einkommens für Kranken- und Pflegeversicherung aufwenden. Hinzu kommt, dass auch die Rentenversicherung stark durch den demografischen Wandel belastet ist.
 

Beiträge in der PKV mehr als verdoppelt

Nicht viel besser sieht es in der PKV aus. Hier wirkt sich der demografische Wandel in der Krankenversicherung zwar nicht so stark aus, dafür machen sich die niedrigen Zinsen auf Dauer massiv bemerkbar. Bleibt es bei dem jetzigen Zinsniveau nahe Null, erhöht sich der PKV-Durchschnittsbetrag bis 2060 laut Aktuar-Berechnungen um den Faktor 2,7. Geht man ab 2030 von einer Normalisierung der Zinslage aus, ergäbe sich immer noch ein Faktor von 2,4. In der privaten Pflegepflichtversicherung droht sogar eine Beitragssteigerung um den Faktor 4,5. Hier zahlen privat Versicherte heute oft deutlich weniger als bei einer Versicherung im gesetzlichen System.
 

Strikte Ausgabendisziplin und mehr Effizienz

Angesichts dieser Aussichten spricht sich die Aktuarvereinigung dafür aus, alles zu tun, was zu einer Begrenzung des weiteren Kostenanstiegs führt. Im Fokus steht dabei die Pflegeversicherung. Hier müssten mögliche zusätzliche Leistungsausweitungen besonders kritisch auf ihre langfristige Finanzierbarkeit geprüft werden. Außerdem seien die Chancen durch die Digitalisierung im Gesundheitswesen konsequenter zu nutzen. Große Hoffnungen setzen die Aktuare hier auf die digitale Gesundheitskarte und die Telemedizin. Beides ermögliche signifikante Kosteneinsparungen.
 

Reform der PKV-Beitragsanpassungen angemahnt

Einmal mehr hat sich die Aktuarvereinigung auf der Pressekonferenz für eine Reform der gesetzlich vorgegebenen Beitragsanpassungen in der PKV angesprochen. Die bestehende gesetzliche Regelung sei nicht mehr zeitgemäß. Sie führe nach Jahren relativer Beitragsstabilität zwangsläufig zu großen Beitragssprüngen, die jedes Mal für die Versicherten wie ein Schock wirken. Die Aktuare befürworten eine Neuregelung, die zu kontinuierlicheren, aber geringeren Anpassungen führen. Dazu wurde auf der Pressekonferenz ein Maßnahmenpaket vorgestellt. Es beinhaltet unter anderem eine Berücksichtigung der Zinsentwicklung als auslösender Faktor für Anpassungen. Dies ist heute nicht der Fall. Die Zinssituation geht erst dann in die Berechnung ein, wenn andere auslösende Faktoren eine Beitragsanpassung erforderlich machen.

Hohe Krankenkassenbeiträge:
"Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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