Was sind die Unterschiede zwischen Jahresarbeitentgeltgrenze, Versicherungspflichtgrenze und Beitragsbemessungsgrenze?

    Wer mit einem Wechsel in die private Krankenversicherung liebäugelt, muss als Angestellter mit Blick auf die Beitragsgrenze eine formale bzw. einkommenstechnische Voraussetzung erfüllen. Für Selbstständige und Freiberufler entfällt diese Orientierung an der aktuellen Einkommensgrenze, da sie sich unabhängig von der Höhe des Verdienstes privat krankenversichern lassen können. An der Beschäftigung mit den Begriffen Versicherungspflichtgrenze, Jahresarbeitsentgeltgrenze und Beitragsbemessungsgrenze führt daher kein Weg vorbei, wenn man sich als Angestellter mit den Zulassungsvorlaussetzungen der privaten Krankenversicherung beschäftigen möchte. Im Folgenden soll dies in kompakter und übersichtlicher Form leicht gemacht werden.
     

    Definitorische Abgrenzungen:
    Über die Bedeutung und Auswirkung der genannten Fachbegriffe

    Die so genannte Beitragsbemessungsgrenze hat den Sinn, als dynamische (d.h. jährlich angepasste) Einkommensgrenze die Beiträge zur Krankenversicherung zu deckeln. Diese Werte sind in erster Linie für die gesetzliche Krankenkasse relevant, da die Beiträge für Versicherte bis maximal zur Höhe der aktuellen Grenze zu zahlen sind. Im Jahr 2017 liegt die Grenze bei einem Jahreseinkommen von 52.200 Euro (dies entspricht 4350 Euro im Monat). Die Beiträge in der PKV werden grundsätzlich unabhängig vom Einkommen anhand des Alters und etwaiger Risikofaktoren bestimmt. Aber für Angestellte in der privaten Krankenversicherung ist dieser Wert trotzdem relevant, denn Arbeitgeber zahlen auch 50 % der Kosten für die Versicherungsbeiträge, allerdings maximal nur bis zur oben genannten Grenze.
     

    Versicherungspflicht und Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG)

    Wer als Angestellter in die PKV wechseln möchte, muss sich an der aktuellen Versicherungsgrenze orientieren. Diese wird jedes Jahr mit Blick auf die statistische Einkommensentwicklung angepasst. Konkret bezeichnet der Begriff Versicherungspflichtgrenze das Bruttoeinkommen in einem Kalenderjahr. Unterschreiten Angestellte diese Grenze, so besteht eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wird diese Grenze überschritten, so können sie sich privat krankenversichern lassen oder aber als freiwillig Versicherte in der GKV bleiben, wobei die oben genannte Beitragsbemessungsgrenze herangezogen wird, so dass ein PKV Tarif oftmals günstiger ist, gerade für jüngere Versicherte. Im Jahr 2017 liegt die Versicherungspflichtgrenze bei 57.600 Euro im Jahr, was einem Monatsverdienst von 4800 Euro entspricht. Im Jahr 2011 wurde diesbezüglich eine Reform beschlossen: eine vorher geltende Frist von 3 Jahren wurde abgeschafft, sodass es jetzt als Zulassungsvoraussetzung ausreicht, wenn das Vorjahreseinkommen oberhalb dieser Grenze liegt. Der genannte Wert von 57.600 Euro mit Blick auf die Versicherungspflicht wird im Fachjargon auch Jahresarbeitsentgeltgrenze genannt (JAEG). Beide Begriffe meinen das Gleiche. Angestellte, deren Gehalt sich um die Jahresarbeitsentgeltgrenze herum bewegt, müssen also im Falle der Reduzierung des Arbeitsumfanges damit rechnen, die Voraussetzungen für den Verbleib in der PKV nicht mehr erfüllen zu können.
     

    Die Bedeutung der Bemessungsgrenzen für die private Krankenversicherung

    Seit Beginn des Jahres 2009 gilt, dass private Krankenversicherer einen brancheneinheitlichen Basistarif anbieten müssen. Was dessen Leistungen und Kosten angeht, so gelten ähnliche Bestimmungen wie in der gesetzlichen Krankenversicherung. Allerdings bietet die private Krankenversicherung den großen Vorteil, dass flexible Zusatzbausteine integriert werden können, um eine bestmögliche, individuelle Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Neukunden erlangen auch in der PKV eine gewisse finanzielle Planungssicherheit, denn auch der Basistarif wird durch die oben angeführte Beitragsbemessungsgrenze nach oben hin gedeckelt, sodass maximale Monatsbeiträge von ca. 680 Euro entstehen können. Auf lange Sicht gesehen erlaubt es die Beitragsentlastung für das Alter in der PKV, dass im Rentenalter eine moderate Kostenentwicklung genossen werden kann.

    Gesetzliche Grundlagen, Hintergründe und Auswirkungen

    Die hier vorgestellten Rechen- bzw. Bezugsgrößen werden jedes Jahr vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales bestimmt und im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Als Grundtendenz einer an sich teurer werdenden Gesundheitsversorgung ist davon auszugehen, dass die Grenzen jedes Jahr leicht steigen werden, was in den letzten Jahren konstant der Fall gewesen ist. Die Versicherungspflicht ist in erster Linie für Angestellte relevant, da Selbstständige sich problemlos unabhängig vom Einkommen privat krankenversichern können. Die Beitragsbemessungsgrenze gibt auch in der PKV einen gewissen finanziellen Rahmen bzw. eine Deckelung vor, da sie die maximalen Kosten im Basistarif sowie die maximale Zuzahlung durch den Arbeitgeber zahlenmäßig konkretisiert. Ein Blick auf die Beitragsbemessungsgrenze zeigt, dass gut verdienende Selbstständige in der GKV nicht selten über 600 Euro im Monat an Beiträgen zahlen müssen. In der PKV lassen sich oftmals geringere Kosten bei einer besseren bzw. deutlich bedarfsgerechteren Gesundheitsversorgung erzielen. Neben den aktuellen Zulassungsvoraussetzungen sollten Interessenten auch einen Anbietervergleich anstreben, um sich das individuell am besten passende ‚Gesundheitspaket‘ zu schnüren.

    Zusammenfassung der wichtigsten Fakten in einer Kurzübersicht:

    • formale Zulassungsvoraussetzung: privat krankenversicherte Angestellte müssen die aktuell geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze von 57.600 Euro im Jahr überschreiten
    • Selbstständige und Freiberufler müssen diese Einkommensgrenze nicht als formale Rahmenbedingung beachten
    • die Beitragsbemessungsgrenze liegt 2017 bei 52.200 Euro (4350 Euro monatlich): sie deckelt in beiden Versicherungsformen die Höchstbeträge (in der PKV nur in Bezug auf Basistarife)
    • die genannten Beträge und Grenzen werden jedes Jahr neu durch die Politik angepasst, wobei die Richtung in den letzten Jahren immer eine Anhebung war
    • vereinfachte Zulassungsvoraussetzung für die PKV: seit 2011 müssen keine 3 Jahre oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze mehr nachgewiesen werden

    Hohe Krankenkassenbeiträge:
    "Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

    Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

    Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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