Unterschied zwischen PKV-Vollversicherung und Zusatzversicherung

    In Deutschland haben derzeit etwa 8 Millionen Menschen eine private Krankenvollversicherung, der Rest der Bevölkerung ist in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Anders sieht es aber im Bereich der privaten Krankenzusatzversicherungen aus, von denen weit über 20 Millionen existieren, Tendenz stark steigend. Rein statistisch betrachtet nutzt somit etwa jeder 4. Deutsche eine private Zusatzversicherung. Im Gegensatz zu einer Vollsicherung, die Selbstständigen unabhängig von der Einkommenshöhe und Angestellten mit einem Gehalt oberhalb der Pflichtgrenze (2015 = 54.900 Euro Jahresbruttogehalt) offen steht, deckt eine Zusatzversicherung die Kosten für einen ganz bestimmten Bereich. Sehr häufig werden im Bereich Zahnersatz oder für Aufenthalte im Krankenhaus solche Zusatzversicherungen abgeschlossen, um sich vor hohen Kosten zu schützen bzw. um in diesem Bereich im Grunde den hohen Standard der PKV genießen zu können. Auch heilpraktische Behandlungen können über eine Zusatzversicherung bezahlt werden. Hintergrund dieser Zunahme an Zusatzversicherungen ist der seit Jahren schrumpfende Leistungskatalog der GKV. Da durch eine private Krankenzusatzversicherung nur geringe monatliche Mehrkosten entstehen, handelt es sich um eine attraktive Option, um auch als Kassenpatient in ausgewählten Bereich wie ein Privatpatient im wahrsten Wortsinne behandelt zu werden.

    Voll- vs. Zusatzversicherung: Was Interessenten in diesem Beitrag erfahren

    Nach der Einführung in die generellen Unterschiede wird es um konkrete Leistungsinhalte gehen, die mit einer Zusatzversicherung abgedeckt werden können. Zudem soll auf die Frage eingegangen werden, wann bzw. für wen eine solche Zusatzversicherung eine gute Wahl ist und was man bei eben jener Wahl beachten sollte. Grundsätzlich ist jede Zusatzversicherung freiwillig. Die Sinnhaftigkeit einer Police kann immer nur mit Blick auf den Einzelfall konkret beantwortet werden. Folgende Fragen helfen aber dabei, die Notwendigkeit zu prüfen:

    • Ist die Zusatzversicherung in diesem Bereich für die eigene Gesundheit wichtig?
    • Welche Leistungen werden konkret garantiert?
    • Werden alle Leistungen auch wirklich benötigt?
    • Welche monatlichen Zusatzkosten stehen den Leistungen gegenüber?
    • Ist es möglich, Teilleistungen zu vereinbaren?
    • Was bietet die konkrete gesetzliche Krankenkasse im jeweiligen Gebiet an Leistungen an? Welcher Eigenanteil wäre zu tragen?
       

    Wegfall der Versicherungspflicht: Ist eine private Krankenvollversicherung dann sinnvoll?

    Generell steht die private Krankenversicherung allen Selbstständigen, Beamten und Freiberuflern offen, wobei die Höhe der Einkünfte nicht entscheidend ist. Im Gegensatz zur prozentualen Berechnung in der GKV richten sich die privaten Krankenversicherungsbeiträge ausschließlich nach dem Alter und Gesundheitszustand. Im Rahmen einer Gesundheitsprüfung werden persönliche Risiken ermittelt. Angestellte können sich privat krankenversichern, wenn sie mit ihrem Einkommen dauerhaft über der Jahreseinkommensgrenze liegen. Tun sie dies, so fällt die formale Versicherungspflicht weg. Angestellte können dann als freiwillig Versicherte in der GKV bleiben oder aber in die PKV wechseln. Von den reinen Kosten dürften sich keine gravierenden Unterschiede ergeben, wobei das Leistungsspektrum der PKV höhere Beiträge ganz grundsätzlich legitimiert. Privat Krankenversicherte erhalten auch vom Arbeitgeber einen Zuschuss, der in der Regel etwa 50 % der Kosten deckt. Aus finanzieller Sicht spricht eigentlich nichts gegen den Wechsel in die PKV, zumal sich mit modernen Tarifen und perfekt abgestimmten Bausteinen eine sehr individualisierte Gesundheitsversorgung nutzen lässt. Allenfalls bei der langfristigen Perspektive bringt die PKV den Nachteil mit sich, dass Kinder nicht kostenlos familienversichert sind und so zusätzliche Kosten entstehen. Sollte das Gehalt unter die Pflichtgrenze fallen, so ist ein problemloser Wechsel zurück in die GKV wieder möglich, wobei eine günstige Anwartschaftsversicherung den erworbenen Status in der PKV sichern kann. Aber auch, wenn sich Angestellte für einen Verbleib in der GKV entscheiden, so können sie mit der gezielten Auswahl von Zusatzversicherungen ihre nutzbaren Gesundheitsleistungen deutlich ausbauen.
     

    Gesundheitsbereiche der privaten Zusatzversicherung in der kompakten Übersicht

    Wie es der Name bereits verrät, werden private Zusatzversicherungen von Privatversicherern angeboten, die die Leistungen und auch Bedingungen festlegen. Schon aus diesem Grund und wegen des hohen Wettbewerbs lohnt sich immer ein Vergleich verschiedener Anbieter, um ein bestmögliches Preis-Leistungsverhältnis für sich nutzen zu können. Generell werden solche Policen mit zunehmendem Alter teurer, da auch das Versicherungsrisiko steigt. Für nahezu alle Zusatzversicherungen ist dementsprechend eine Gesundheitsprüfung vorgesehen. Generell kann und sollte eine private Zusatzversicherung in dem Bereich gewählt werden, der für den Versicherten persönlich eine große Bedeutung hat. Im stationären Bereich kann eine Zusatzversicherung etwa ein Einbett- oder Zweibettzimmer sowie eine Chefarztbehandlung ermöglichen, auch eine freie Wahl des Krankenhauses ist möglich. Im ambulanten Bereich können beispielsweise Kosten für Zahnbehandlungen oder Zahnersatz in einer individuellen Höhe versichert werden. Sehr gefragt sind auch private Zusatzversicherungen für heilpraktische und homöopathische Behandlungen, da diese in aller Regel nicht von der GKV getragen werden. Auch eine private Zusatzversicherung für Reisen kann sinnvoll sein, um sich und die Familie vor hohen Kosten zu schützen. Zwar übernehmen auch gesetzliche Krankenkassen zahlreiche in der EU erbrachte Leistungen, der Rücktransport für Kranke ist aber nicht abgesichert, und diesbezüglich ist mit sehr hohen Kosten zu rechnen. Da eine Zusatzversicherung für die Reise in der Regel sehr günstig ist, sollte diese Alternative auf jeden Fall ernsthaft geprüft werden, vor allem wenn häufig gereist wird.
     

    Für wen bzw. in welchen Fällen erscheint eine Zusatzversicherung lohnenswert?

    Aufgrund der demografischen Entwicklung und steigender Kosten wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis es weitere Leistungseinschnitte im System der GKV gibt. Insofern sind Zusatzversicherungen eine flexible und kosteneffiziente Option, um entstehende Leistungslücken bzw. potenzielle Kostenfaktoren durch Zuzahlungen gezielt zu minimieren. Gerade im Bereich der Zahnbehandlungen sind jetzt schon hohe Zuzahlungen die Regel: Daher empfiehlt es sich, als Kassenpatient schon in jungen Jahren in eine Zusatzversicherung zu investieren, zumal die Kosten hierfür sehr gering sind. Generell lohnt sich eine private Zusatzversicherung für alle gesetzlich Versicherten, die sich nicht komplett privat krankenversichern lassen können oder wollen, dennoch ihre Gesundheitsversorgung mit Blick auf die eigenen Bedürfnisse gezielt verbessern möchten. Ebene jene eigenen Bedürfnisse sind es auch, die im Einzelfall über die Notwendig- bzw. Sinnhaftigkeit einer Zusatzversicherung entscheiden sollten! Folgende allgemeine Empfehlungen lassen sich allerdings geben:

    • Bereich ambulante Zusatzversicherung
      Zu empfehlen für gesetzlich Versicherte, die großen Wert auf alternative Behandlungsmethoden legen. Auch Brillen- oder Kontaktlinsenträger können durch eine solche Police Zuzahlungen stark begrenzen.
       
    • Bereich Krankenhauszusatzversicherung
      Hier entscheiden die persönlichen Wünsche: Wer Ruhe und ein Einzelzimmer unbedingt braucht/wünscht, sollte dies mit einer Zusatzpolice sicherstellen, damit im Ernstfall der Heilungsprozess nicht durch ein permanentes Unwohlsein gestört wird. Wer Wert auf eine Chefarztbehandlung legt, kann dies auch mit einer Zusatzversicherung sicherstellen.
       
    • Bereich Zahnzusatzversicherung
      Eine solche private Zusatzversicherung ist eigentlich für jeden sinnvoll, da seit dem so genannten Modernisierungsgesetz aus dem Jahr 2004 nur noch ein Anspruch auf einen recht geringen Festzuschuss besteht. Hohe Kosten für notwendige Behandlungen im Alter sind somit in der GKV vorprogrammiert. Der Abschluss einer Police in diesem Bereich schon in jungen Jahren ist eine kostengünstige Alternative, um dieser Entwicklung entgegenzusteuern.
       
    • Krankentagegeld
      Die gesetzliche Krankenkasse zahlt nach 6 Wochen Arbeitsunfähigkeit ein Krankengeld, das nie die volle Höhe des Lohnes deckt (meisten fallen 20 bis 30 % weg). Insofern kann eine Krankentagegeldversicherung hier Abhilfe schaffen, um etwaige Lücken zu schließen. Privat Vollversicherte schließen diesen Baustein in der Regel immer mit ihrem Tarif ab, da in der PKV kein Krankengeld bezahlt wird. Die Höhe sowie der Beginn der Auszahlung können flexibel bestimmt werden.
       

    Zusammenfassung und Ausblick zur Gegenüberstellung private Krankenvollversicherung / private Zusatzversicherung

    Mit einer privaten Krankenzusatzversicherung haben gesetzlich Versicherte die flexible Möglichkeit, ihre Leistungsansprüche in ausgewählten Bereichen, die hier skizziert wurden, gezielt zu verbessern. Allerdings bietet eine solche Police nur in diesem Bereich eine verbesserte Leistung, wohingegen eine private Vollversicherung in jedem gesundheitsrelevanten Gebiet mit einem erstklassigen Leistungsspektrum überzeugen kann. Die große Vielfalt der Zusatzversicherungen erlaubt es, mit Blick auf die eigenen Bedürfnisse gezielt mitunter große finanzielle Belastungen durch einen geringen Monatsbeitrag abzufedern. Wer z.B. mit einer Zusatzpolice stationäre Krankenhausaufenthalte absichert, wird sich wie ein privat Vollversicherter vorkommen. Im zahnärztlichen Bereich, der in Zukunft wohl jeden kostentechnisch berühren wird, sind die Versicherungsoptionen sehr breit gefächert, sodass eine individuell passende Lösung schnell gefunden werden kann. Fachberatung und der gezielte Vergleich von Angeboten machen es möglich, dass für sich beste Preis-Leistungsverhältnis nutzen zu können. In den in diesem Beitrag erwähnten Leistungsbereichen können sich gesetzlich Versicherte also flexibel den ‚Luxus‘ von privaten Leistungsstandards sichern. Bei der Auswahl bzw. Bewertung der Sinnhaftigkeit einer Zusatzversicherung sollten die eigenen Vorstellungen möglichst konkret sein, sodass vorhandene Produkte gefiltert werden können. Das, was einem in puncto Gesundheitsversorgung persönlich sehr wichtig ist, sollte man als Kassenpatient mit einer Zusatzversicherung gezielt aufwerten.

    Wer die Option zur Krankenvollversicherung hat, sollte diese Option ernsthaft und nachhaltig prüfen, zumal der Kostenfaktor meistens nicht gegen die PKV spricht. Auch die langfristige Perspektive ist bei der Entscheidung immer mit einzubinden, da die Entscheidung eine gewisse Nachhaltigkeit besitzt.
     

    Übersicht der wichtigsten Aspekte zum Thema private Krankenvollversicherung vs. Zusatzversicherung

    • in Deutschland gibt es weit über 20 Millionen private Krankenzusatzversicherungen, Tendenz stark steigend
    • für eine private Krankenvollversicherung müssen Angestellte die Versicherungspflichtgrenze überschreiten (2015: Jahresbruttogehalt 54.900 Euro), Selbstständige haben freien Zugang unabhängig vom Einkommen
    • Angestellte oberhalb der Jahreseinkommensgrenze können auch als freiwillig Versicherte in der GKV bleiben
    • private Zusatzversicherungen sind eine Alternative für gesetzlich Versicherte, die sich nicht voll privat versichern lassen können oder wollen
    • mit einer Zusatzversicherung kann der Leistungsumfang der GKV in ausgewählten Bereichen gezielt verbessert werden
    • je früher, desto günstiger: wer in jungen Jahren eine Zusatzversicherung abschließt, genießt geringe Beiträge
    • Zusatzversicherungen werden vor allem im Bereich stationäre Behandlungen (Einzelzimmer, Chefarztbehandlung) und ambulante Behandlung (Heilpraktiker, Hilfsmittel wie Brillen, Zahnbehandlungen und –ersatz) abgeschlossen
    • über die Sinnhaftigkeit von Zusatzversicherungen können letztlich nur die eigenen Bedürfnisse sowie der Gesundheitszustand (bzw. mögliche Risiken) Auskunft geben
    • für viele private Krankenzusatzversicherungen ist eine Gesundheitsprüfung vorgesehen, um Versicherungsrisiken bemessen zu können
    • gezielt für die eigene Gesundheit vorsorgen: gerade im Bereich Zahnersatz/-behandlungen ist eine Zusatzversicherungen sehr sinnvoll, da Zuzahlungen in der GKV auf ein festes Minimum begrenzt wurden

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    Hohe Krankenkassenbeiträge:
    "Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

    Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

    Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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