Pflegeversicherung - Pflegebedarf deutlich gestiegen

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    Das Thema Pflege ist in der Schlussphase des Bundestagswahlkampfs noch einmal in den Vordergrund gerückt, nachdem es zuvor eher einen „Dornröschenschlaf“ geführt hatte. Die Verbesserung der Pflegesituation dürfte zu einer der Herausforderungen für die neue Bundesregierung werden. Dass Handlungsbedarf besteht, wird von praktisch allen Parteien anerkannt.

    Dabei hat die Pflegeversicherung gerade eine der größten Reformen seit ihrer Gründung hinter sich. Im Januar ist mit dem Pflegestärkungsgesetz III die letzte Stufe der Pflegereform unter Noch-Bundesgesundheitsminister Gröhe in Kraft getreten. Seit Jahresbeginn gelten fünf Pflegegrade, die die früheren drei Pflegestufen abgelöst haben. Ein neues Begutachtungsverfahren findet seither ebenfalls Anwendung.
     

    Jetzt über 3,1 Millionen Leistungsempfänger

    Einer der Kernpunkte der Pflegereform ist eine stärkere Berücksichtigung von Einschränkungen der Alltagskompetenz bei Feststellung der Pflegebedürftigkeit. Während vorher vor allem körperliche Defizite Pflegeansprüche begründeten, kommen jetzt auch mehr Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und Demenz-Erkrankungen in den Genuss von Pflegeleistungen.

    Ein gutes Dreivierteljahr nach dem Inkrafttreten liegen mittlerweile valide Zahlen zu den Auswirkungen der Pflegereform vor. Sie zeigen einen deutlichen Anstieg an Empfängern von Pflegeleistungen. Seit Januar hat die Zahl der Leistungsempfänger um mehr als 350.000 zugenommen. Davon gehen 220.000 auf das Konto des neuen Pflegebegriffs. Insgesamt gibt es damit über 3,1 Millionen Leistungsempfänger in der sozialen Pflegeversicherung. Hinzu kommen noch 188.000 Begünstigte aus der privaten Pflegepflichtversicherung.
     

    Fast 1,4 Millionen Begutachtungen seit Jahresbeginn

    Wer bereits vorher Pflegeleistungen im Rahmen der Pflegeversicherung erhielt, wurde zum Jahreswechsel automatisch in die neuen Pflegegrade übergeleitet, was vielfach eine Verbesserung bedeutete. Die Überleitung funktionierte weitgehend reibungslos. Viele Pflegebedürftige nutzten aber auch die Chance einer neuen bzw. erstmaligen Begutachtung, um die Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können.

    In den vergangenen neun Monaten wurden 1,38 Millionen Pflegebegutachtungen vorgenommen, davon gut 1,1 Millionen nach dem neuen Verfahren. Für den kleineren Rest galt noch das alte Begutachtungssystem, was mit der Stichtagsregelung bei der Umstellung zusammenhing. Von den 1,1 Millionen „neuen“ Begutachtungen wurden 17,6 Prozent in Pflegegrad 1 und 29,1 Prozent in Pflegegrad 2 eingestuft - die leichteren Pflegeformen. Fast 40 Prozent erhielten dagegen die Pflegegrade 3,4 und 5 mit Intensiv-Pflegebedarf. 150.000 Anträge wurden abgelehnt.
     

    Mehrkosten und ein großes Personalproblem

    Dass die Pflegereform mehr Geld kosten würde, war den Verantwortlichen von Anfang an klar. Daher wurden die Beitragssätze zur sozialen Pflegeversicherung seit 2014 in zwei Schritten angehoben - auf nunmehr 2,55 Prozent bzw. 2,80 Prozent für Kinderlose. Das soll der Pflegeversicherung im Vergleich zu 2014 sechs Milliarden Euro jährlich zusätzlich in die Kassen spülen. Davon gehen etwa eine Milliarde Euro p.a. in einen Vorsorgefonds, der ab 2035 den zu erwartenden Beitragsanstieg infolge des demografischen Wandels abfedern soll. Ob das reicht, wird sich zeigen müssen.

    Ein großes Problem, das gelöst werden muss, ist die Deckung des Personalbedarfs. Wo mehr Leistungsempfänger und Pflegebedürftige sind, werden auch mehr Pflegekräfte benötigt. Schätzungen gehen von einem Zusatzbedarf von 300.000 bis 500.000 Pflegern bis 2050 aus. Personallücken machen sich bereits heute schmerzlich bemerkbar und können nicht so schnell gefüllt werden. Denn Pflegeausbildung benötigt Zeit und die mangelnde Attraktivität des Berufs in Verbindung mit schlechter Bezahlung ist ein schweres Handicap.

    Hohe Krankenkassenbeiträge:
    "Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

    Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

    Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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