Die richtige Krankenversorgung für Selbstständige - PKV oder GKV?

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    Im Zuge der Gesundheitsreform wurde die Krankenversicherungspflicht für alle Selbstständigen eingeführt. Wer vor Aufnahme seiner Selbstständigkeit schon privat versichert oder noch nie krankenversichert war, muss sich seit dem 1. Januar 2009 privat versichern. Die privaten Krankenversicherungen (PKV) sind verpflichtet, für diese Versicherungspflichtigen einen Basistarif anzubieten, der hinsichtlich der Beitragshöhe und des Leistungsumfangs der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) entspricht. Die Aufnahme in diesen Basistarif darf nicht von einer Gesundheitsprüfung abhängig gemacht werden. Wer zuvor gesetzlich versichert war, hat in der Regel die Wahl, ob er sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse weiterversichern oder eine private Krankenversicherung abschließen möchte. Darüber hinaus können gesetzlich versicherte Selbstständige unter Einhaltung einer Kündigungsfrist in die private Krankenversicherung wechseln.
     

    Wer die Wahl hat ...

    Angesichts dieser Wahlmöglichkeiten stehen viele Selbstständige vor der Frage, welche Versicherungsform für sie die günstigste ist. Die Vielzahl der angebotenen Wahltarife macht die Entscheidung nicht leichter. Patentrezepte gibt es leider nicht; zu unterschiedlich sind die individuellen Verhältnisse und Bedürfnisse Selbstständiger. So ist die freiwillige Versicherung in der GKV an bestimmte Vorversicherungszeiten gebunden und bietet nur ein eingeschränktes Leistungsspektrum an. Die private Krankenversicherung hingegen bietet weitaus umfangreicherer Leistungen, kann jedoch besonders bei bestehenden Vorerkrankungen teuer werden. Dies variiert von Anbieter zu Anbieter.
     

    Gesetzliche Krankenversicherung – einkommensabhängige Beiträge

    Im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung richten sich die Beiträge bei den gesetzlichen Krankenkassen nach dem Erwerbseinkommen. Beitragspflichtig sind alle Einnahmen bis zur Beitragsbemessungsgrenze (in 2017: 4350 Euro monatlich). Darüber hinausgehende Einnahmen sind beitragsfrei. Prinzipiell wird bei Selbstständigen die Beitragsbemessungsgrenze als Berechnungsgrundlage herangezogen. Auf Antrag des Versicherten ist aber auch eine Berechnung nach dem tatsächlichen Einkommen möglich; wer wenig verdient, zahlt also auch weniger. Allerdings gibt es hier Untergrenzen.
     

    Keine Gesundheitsprüfung in der GKV

    Unabhängig von Alter und Gesundheitszustand wird in der gesetzlichen Krankenkasse ein fester Beitragssatz erhoben – im Jahr 2017 sind das im Normaltarif 14,6 % des Einkommens, im ermäßigten Tarif 14 %. Hinzu kommt ein Zusatzbeitrag von ca. 1,1% .Der ermäßigte Tarif gilt für freiwillig Versicherte, er beinhaltet keinen Anspruch auf Krankengeld. Freiwillig Versicherte können jedoch in den Normaltarif wechseln und sich damit einen Krankengeldanspruch sichern. Die Krankenkasse fordert einmal jährlich einen Nachweis über das tatsächliche Einkommen und berechnet danach den Beitrag neu. Zudem können die gesetzlichen Krankenkassen Zusatzbeiträge von den Versicherten verlangen, wenn der einheitliche Beitragssatz nicht zur Deckung der Kosten ausreicht. Es ist angesichts der derzeit angespannten Kostensituation in der GKV davon auszugehen, dass der Zusatzbeitrag von 1,1% in Zukunft weiter ansteigen wird.
     

    Familienversicherung

    In der gesetzlichen Krankenkasse sind Familienmitglieder des Versicherten, die kein oder nur ein geringfügiges Einkommen haben, im Rahmen der Familienversicherung kostenlos mitversichert. In der PKV muss dagegen jedes Familienmitglied separat versichert werden. Für viele Selbstständige war das lange ein guter Grund, sich für die GKV zu entscheiden. Mit der Steuerreform 2010 können allerdings Kosten für die Krankenversicherung in deutlich höherem Maße von der Steuer abgesetzt werden als bisher. Unter Umständen relativiert sich damit der finanzielle Vorteil durch die gesetzliche Krankenversicherung.
     

    Leistungsspektrum und Zusatztarife

    Abgesehen von der Familienversicherung bietet die gesetzliche Krankenversicherung gegenüber der privaten ein deutlich geringeres Leistungsspektrum: Der Patient ist bei der Arztwahl auf zugelassene Kassenärzte beschränkt, alternative Heilmethoden werden in der Regel nicht von der Krankenkasse akzeptiert, und bei Krankenhausaufenthalten ist eine Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer nicht möglich. Bezahlt wird nur, was „medizinisch sinnvoll und notwendig“ ist. Die Leistungen, denen dieses Attribut zugebilligt wird, werden jedoch mit wachsendem Kostendruck zunehmend eingeschränkt. Besonders deutlich zeigt sich dies im Bereich Zahnbehandlung und Zahnersatz. Im Gegenzug bieten die gesetzlichen Kassen inzwischen einige Zusatztarife für Leistungen an, die über diesen Regelleistungen liegen. Allerdings kann der gesetzlich Versicherte solche Zusatztarife auch mit privaten Versicherungen abschließen, die vielfach günstiger sind.
     

    Private Krankenversicherung – Beitragssätze abhängig von Alter und Gesundheitszustand

    In der privaten Krankenversicherung richten sich die Beitragssätze nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Versicherungsrisiko. Wer sich in jungen Jahren privat versichert, profitiert vom größeren Leistungsspektrum der PKV auch schon bei sehr günstigen Tarifen. Je höher das Einstiegsalter ist, um so teurer wird es dann aber. Vor Aufnahme in die private Krankenversicherung wird zudem eine Gesundheitsprüfung durchgeführt. Vorerkrankungen erhöhen das Versicherungsrisiko; sie führen zu entsprechenden Risikoaufschlägen oder sogar dazu, dass die Versicherung die Aufnahme verweigert. Nur beim Basistarif erfolgt keine Gesundheitsprüfung; dafür bietet dieser aber auch kaum mehr als das Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen.
     

    Individuelle Tarife für jeden Anspruch

    Die private Krankenversicherung bietet Versicherten die Möglichkeit, sich die gewünschten Leistungen individuell zusammenstellen zu lassen. Freie Arztwahl, Einzelzimmer und Chefarztbehandlung im Krankenhaus, Krankentagegeld, Heilpraktikerbehandlungen und höhere Zuschüsse zu Zahnersatz, Brillen und medizinischen Hilfsmitteln – für alle diese Leistungen gibt es Tarife, die der Versicherte entsprechend seinen Bedürfnissen und seiner finanziellen Leistungsfähigkeit wählen kann. Zu beachten ist allerdings, dass der privat Versicherte bei der Begleichung der Arzt- und Krankenhauskosten zunächst in Vorkasse treten und die Rückerstattung dann bei der Krankenkasse beantragen muss.
     

    Hohe Einsparungen durch Selbstbeteiligung oder Beitragsrückerstattung möglich

    Durch die Vereinbarung von Selbstbehalten können privat Versicherte viel Geld sparen – eine Möglichkeit, die die gesetzlichen Krankenversicherung nicht bietet. Bei einer solchen Vereinbarung zahlt der Versicherte die Kosten für medizinische Behandlungen bis zu einem bestimmten Beitrag pro Jahr selbst, die private Krankenkasse übernimmt nur die Kosten, die über diesen Beitrag hinausgehen. Je nach Höhe der Selbstbeteiligung beträgt der monatliche Beitrag dann nur einen Bruchteil dessen, was bei der gesetzlichen Versicherung zu zahlen wäre. Reizvoll ist dies vor allem für Versicherte, die insgesamt bei guter Gesundheit sind, an keiner chronischen Erkrankung leiden und keinen besonderen Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind. Einige Versicherungen bieten jedoch darüber hinaus oder anstelle dessen eine Beitragsrückerstattung an. Diese sehen eine Erstattung von bis zu 4 Monatsbeiträgen vor - je nach Anbieter.
     

    Versorgungslücken bei gesetzlicher Krankenversicherung

    Ob gesetzlich oder privat krankenversichert – die Absicherung von Verdienstausfällen im Krankheitsfall ist für Selbstständige ein absolutes Muss. Wer sich in der gesetzlichen Krankenversicherung zum (höheren) allgemeinen Tarif freiwillig versichert hat, bekommt wie ein Arbeitnehmer ab dem 43. Krankheitstag Krankengeld. Anders als Arbeitnehmer, die bis dahin ihren Lohn vom Arbeitgeber weiterbezahlt bekommen, stehen Selbstständige allerdings bei längerer Krankheit in den ersten sechs Wochen ohne Einkommen da, sofern sie nicht eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen haben. Das Krankengeld der gesetzlichen Krankenkassen beträgt 70 Prozent des Bruttoeinkommens oder maximal 90 Prozent des Nettoeinkommens. Bei der privaten Krankenversicherung können dagegen ein früherer Beginn der Krankengeldzahlung und die Höhe des Krankengeldes frei vereinbart werden.
     

    Sonderkriterium Arbeitslosigkeit und Hartz IV

    Bezieher von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (Hartz IV, Hilfe zum Lebensunterhalt) sind normalerweise über den Leistungserbringer gesetzlich versichert. Wer dagegen als Privatversicherter die Selbstständigkeit aufgeben muss und in die Lage gerät, solche Leistungen beziehen zu müssen, kann nicht ohne Weiteres zurück in die gesetzliche Krankenversicherung und bekommt die Kosten für die private Versicherung auch nicht erstattet. Er kann lediglich einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung beantragen. Erst nach Aufnahme einer versicherungspflichtigen Tätigkeit als Angestellter ist eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung möglich. Allerdings hat der Gesetzgeber auf diese Einschränkung unlängst reagiert, und einen Basistarif in der PKV eingeführt, der sich an Beitrag und Leistung der GKV orientiert. Wenn nach einer Arbeitlosigkeit eine versicherungspflichtige Beschäftigung als Arbeitnehmer aufgenommen wird, kann man ohne weiteres wieder in die GKV wechseln.
     

    Fazit:

    Für eine optimale Versorgung im Krankheitsfall geht hierzulande kein Weg an die Private Krankenversicherung vorbei. Anders als in vielen anderen Versicherungsbereichen wird man früher oder später die Krankenversicherung auch beanspruchen müssen. Privatpatienten besitzen hier gegenüber gesetzlich Versicherten sehr viele Vorteile, unter anderem:

    • Freie Arzt- und Krankenhauswahl, auch spezialisierte Privatkliniken
    • Chefarztbehandlung und Unterbringung auf einer Privatstation im Krankenhaus
    • schnelle Terminvereinbarungen
    • kurze Wartezeiten beim Arztbesuch
    • meist bessere medikamentöse Behandlung
    • Absicherung des Einkommens über ein Krankentagegeld im Krankheitsfall

    Selbstständige haben als versicherungsfreie Personengruppe das Privileg, in die Private Krankenversicherung zu wechseln. Aufgrund der einkommensunabhängigen Beiträge und hohen Rückerstattungen zahlen viele Selbstständige hier sogar deutlich weniger, als in der GKV, trotz weitaus besserem Versicherungsschutz.

    Hohe Krankenkassenbeiträge:
    "Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

    Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

    Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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