Die richtige Krankenversicherung für Selbstständige - PKV oder GKV?

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    Im Unterschied zu Arbeitnehmern haben Selbstständige und Freiberufler grundsätzlich die Wahl, ob sie sich privat krankenversichern oder freiwillig Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sein wollen. Wer sich einmal für die PKV entschieden hat, kann danach allerdings nur noch unter bestimmten Bedingungen wieder in die GKV wechseln. In umgekehrter Richtung sind die Wechselmöglichkeiten flexibler. Hier können gesetzlich versicherte Selbstständige unter Einhaltung einer Kündigungsfrist im Prinzip jederzeit in die private Krankenversicherung wechseln. Besondere Regelungen gelten für selbstständige Künstler im Sinne des Künstlersozialgesetzes. Sie sind ähnlich gestellt wie Arbeitnehmer. Auf diesen Sonderfall wird hier nicht näher eingegangen.
     

    Wer die Wahl hat...

    Angesichts dieser Situation stehen viele Selbstständige vor der Frage, welche Versicherungsform für sie die bessere ist. Die Vielzahl der angebotenen Tarife macht die Entscheidung nicht leichter. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, es kommt immer auf die individuellen Gegebenheiten, Verhältnisse und Bedürfnisse an. So bietet die freiwillige gesetzliche Versicherung üblicherweise ein geringeres Leistungsniveau. Die private Krankenversicherung ermöglicht dagegen umfangreichere Leistungen, sieht aber zum Beispiel keine kostenlose Familienversicherung vor.
     

    1) Gesetzliche Krankenversicherung - einkommensabhängige Beiträge

    Im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung richten sich die Beiträge in der GKV nach dem Einkommen. Beitragspflichtig sind bei freiwillig Versicherten alle Einnahmen bis zur Beitragsbemessungsgrenze (in 2018: 4.425 Euro monatlich). Dazu zählen nicht nur Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit, sondern auch andere Einkünfte, zum Beispiel aus Kapitalanlagen oder Vermietung. Über die Beitragsbemessungsgrenze hinausgehende Einkünfte sind beitragsfrei. Im Unterschied zu Arbeitnehmern müssen Selbstständige die Krankenkassenbeiträge zu hundert Prozent selbst tragen. Einen Arbeitgeberbeitrag kann es hier naturgemäß nicht geben.

    Wenn die Einkünfte unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegen und dies nachgewiesen wird, werden die tatsächlichen Einnahmen zur Beitragsbemessung herangezogen. Dafür gelten allerdings bestimmte Mindesteinkommensgrenzen. Das unterstellte Mindesteinkommen liegt regulär bei 2.283,50 Euro monatlich. Für Selbstständige, die einen Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit erhalten, gilt ein niedrigeres Mindesteinkommen von 1522,50 Euro. Unter bestimmten Bedingungen können auch Selbstständige ohne Gründungszuschuss und mit einem geringeren Verdienst als dem regulären Mindesteinkommen diesen niedrigeren Betrag für die Beitragsbemessung nutzen. Wer noch weniger verdient, für den kann die GKV recht teuer werden. Die Krankenkasse fordert einmal jährlich einen Nachweis über das tatsächliche Einkommen und berechnet danach den Beitrag neu.
     

    Beitragssätze und Zusatzbeiträge

    Unabhängig von Alter und Gesundheitszustand wird in der gesetzlichen Krankenkasse ein fester Beitragssatz erhoben – im Jahr 2018 beträgt der allgemeine Beitragssatz wie zuvor 14,6 % des Einkommens, der ermäßigte Beitragssatz 14,0 %. Der ermäßigte Tarif gilt für freiwillig Versicherte, er beinhaltet keinen Anspruch auf Krankengeld. Freiwillig Versicherte können jedoch in den Normaltarif wechseln und sich damit einen Krankengeldanspruch sichern. Hinzu kommt in jedem Fall ein Zusatzbeitrag, der von jeder Krankenkasse individuell festgelegt wird. Der Zusatzbeitrag lag 2017 im Schnitt bei 1,1 Prozent und dürfte sich 2018 ebenfalls in dieser Größenordnung bewegen, auch wenn vom Bundesgesundheitsminister eine Absenkung auf 1,0 Prozent empfohlen wurde. Es ist angesichts weiter wachsender Gesundheitsausgaben davon auszugehen, dass die Zusatzbeiträge in Zukunft tendenziell steigen werden.
     

    Familienversicherung

    In der gesetzlichen Krankenkasse sind Familienmitglieder des Versicherten, die kein oder nur ein geringfügiges Einkommen haben, im Rahmen der Familienversicherung kostenlos mitversichert. In der PKV muss dagegen jedes Familienmitglied separat versichert werden. Für viele Selbstständige war das lange ein guter Grund, sich für die GKV zu entscheiden. Seit die Kosten für die Krankenversicherung in deutlich höherem Maße von der Steuer abgesetzt werden können als früher, ist dieser finanzielle Vorteil der gesetzlichen Krankenversicherung abgeschwächt worden.
     

    Leistungsspektrum und Zusatztarife

    Die gesetzliche Krankenversicherung bietet gegenüber der privaten einen deutlich geringeren Leistungsumfang: Der Patient ist bei der Arztwahl auf zugelassene Kassenärzte beschränkt, alternative Heilmethoden werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen und bei Krankenhausaufenthalten ist keine Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer vorgesehen. Bezahlt werden nur Leistungen der medizinischen Regelversorgung - also das, was „medizinisch sinnvoll und notwendig“ ist. Mit zunehmendem Kostendruck werden diese Leistungen in den letzten Jahren immer restriktiver gehandhabt. Besonders deutlich zeigt sich dies im Bereich Zahnbehandlung und Zahnersatz. Im Gegenzug bieten die gesetzlichen Kassen inzwischen sogenannte Wahltarife an, die auch einige Leistungen jenseits der Regelleistungen umfassen. Die bessere Lösung sind oft privat Zusatzversicherungen, die in vielen Fällen gegen überschaubare Beiträge deutlich mehr Leistungen bieten.
     

    2) Private Krankenversicherung – Beiträge abhängig vom Gesundheitsrisiko

    In der privaten Krankenversicherung richten sich die Beitragssätze nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem individuellen Versicherungsrisiko. Wer ein niedriges Krankheitsrisiko darstellt, zahlt entsprechend weniger, Versicherte mit höherem Risiko dagegen mehr. Dabei spielt das Eintrittsalter eine wichtige Rolle. Personen, die sich in jungen Jahren privat versichern, profitieren daher schon bei sehr günstigen Tarifen vom größeren Leistungsspektrum der PKV.  Vor Aufnahme in die private Krankenversicherung wird zudem eine Gesundheitsprüfung durchgeführt. Vorerkrankungen erhöhen das Versicherungsrisiko; sie führen zu entsprechenden Risikoaufschlägen, Leistungsausschlüssen oder sogar dazu, dass die Versicherung die Aufnahme ganz verweigert.

    Eine Ausnahme gilt nur beim sogenannten Basistarif. Den muss jede private Krankenversicherung anbieten. Beim Basistarif erfolgt keine Gesundheitsprüfung, denn hier besteht für die Versicherungen eine Annahmepflicht. Dafür sieht der Basistarif aber auch nur ein Leistungsniveau vor, das dem der gesetzlichen Krankenkassen vergleichbar ist.
     

    Individuelle Tarife für jeden Anspruch

    Die private Krankenversicherung bietet Versicherten die Möglichkeit, sich die gewünschten Leistungen individuell zusammenzustellen. Das funktioniert oft nach dem Baukasten-Prinzip. Freie Arztwahl, Einzelzimmer und Chefarztbehandlung im Krankenhaus, Krankentagegeld, Heilpraktiker-Behandlungen und höhere Zuschüsse zu Zahnersatz, Brillen und medizinischen Hilfsmitteln – für alle diese Leistungen gibt es Tarife, die der Versicherte entsprechend seinen Bedürfnissen und seiner finanziellen Leistungsfähigkeit wählen kann.

    Im Unterschied zu gesetzlich Versicherten, wo der Arzt oder die Behandlungseinrichtung direkt mit der Krankenkasse abrechnet, müssen Privatpatienten zunächst in Vorleistung treten und dann die Rückerstattung bei Ihrer Krankenversicherung beantragen. Das ist etwas aufwändiger und kann manchmal vorübergehend die Liquidität belasten. Dennoch bieten mittlerweile viele Anbieter auch die Möglichkeit an, direkt abzurechnen.
     

    Einsparungen durch Selbstbeteiligung oder Beitragsrückerstattung

    Durch die Vereinbarung von Selbstbehalten können privat Versicherte Geld sparen - eine Möglichkeit, die die gesetzlichen Krankenkassen allenfalls in einigen Wahltarifen bieten. Bei einer solchen Vereinbarung zahlt der Versicherte die Kosten für medizinische Behandlungen bis zu einem bestimmten Prozentsatz oder Betrag pro Jahr selbst, die Versicherung übernimmt nur die Kosten, die über diesen Beitrag hinausgehen. Dafür sind die Beiträge deutlich niedriger als bei 100-prozentiger Leistung. Reizvoll ist dies vor allem für Versicherte, die insgesamt bei guter Gesundheit sind, an keiner chronischen Erkrankung leiden und keinen besonderen Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind.

    Einige Versicherungen bieten auch eine teilweise Beitragsrückerstattung, wenn über längere Zeiträume keine Leistungen in Anspruch genommen werden. Dafür gibt es je nach Anbieter unterschiedliche Modelle. Diese sehen eine Erstattung von bis zu 4 Monatsbeiträgen vor. Die Erstattung ist bei der Steuer anzugeben.
     

    Krankengeld – oft reicht die GKV-Leistung nicht

    Ob gesetzlich oder privat krankenversichert – die Absicherung von Verdienstausfällen im Krankheitsfall ist für Selbstständige ein absolutes Muss. Wer sich in der gesetzlichen Krankenversicherung zum (höheren) allgemeinen Beitragssatz freiwillig versichert hat, bekommt wie ein Arbeitnehmer ab dem 43. Krankheitstag Krankengeld. Anders als Arbeitnehmer, die bis dahin Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber erhalten, stehen Selbstständige allerdings bei längerer Krankheit in den ersten sechs Wochen ohne Einkommen da, sofern sie nicht einen entsprechenden Wahltarif oder eine private Zusatzversicherung abgeschlossen haben. Beim ermäßigten Beitragssatz besteht gar kein Krankengeldanspruch.

    Das Krankengeld der gesetzlichen Krankenkassen beträgt 70 Prozent des Bruttoeinkommens oder maximal 90 Prozent des Nettoeinkommens. Bei der privaten Krankenversicherung kann der Beginn der Krankengeldzahlung wesentlich flexibler vereinbart werden ebenso wie die Höhe des Krankentagegeldes. Auf jeden Fall muss das Krankentagegeld in der PKV immer explizit vereinbart werden, es ist nicht automatisch vorgesehen.
     

    Arbeitslosigkeit und Hartz IV

    Wer sich als Selbstständiger für eine private Krankenversicherung entschieden hat, muss dies auch beibehalten, wenn die Selbstständigkeit aufgegeben wird oder Arbeitslosigkeit eintritt. Erst bei einer Wiederaufnahme einer abhängigen Beschäftigung mit einem Verdienst unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze ist (wieder) eine Absicherung in der GKV möglich, sofern man nicht älter als 55 ist. Dennoch ist jederzeit die Absicherung über den Basistarif möglich, der in etwa den Beiträgen und Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht.

    Selbstständige, die sich freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichert haben, können im Rahmen des ALG I-Bezugs immerhin Zuschüsse von der Agentur für Arbeit für ihre private Krankenversicherung beantragen. Das gilt auch, wenn später eventuell ALG II-Leistungen (umgangssprachlich Hartz IV) in Anspruch genommen werden müssen.

    Um deutlich Geld zu sparen, bleibt in der Regel nur der Wechsel in den Basistarif der privaten Krankenversicherung. Die Beiträge sind wesentlich niedriger als bei herkömmlichen Tarifen, dafür sind auch die Leistungen entsprechend geringer. Wenn die Beiträge gar nicht mehr aufgebracht werden können, ist der Notlagentarif in der PKV die Ultima Ratio. Mit diesem 2013 eingeführten Pflichttarif müssen die PKV-Anbieter zahlungsschwachen Versicherten mindestens eine medizinische Grund- und Notversorgung gewährleisten.
     

    Fazit:

    Für eine optimale Versorgung im Krankheitsfall spricht für Selbstständige vieles für die Private Krankenversicherung. Anders als bei manchen anderen Versicherungen ist bei der Krankenversicherung davon auszugehen, dass früher oder später auch Leistungen in Anspruch genommen werden müssen. Daher ist ein guter Versicherungsschutz besonders wichtig. Privatpatienten besitzen hier gegenüber gesetzlich Versicherten deutliche Vorteile, unter anderem:

    • freie Arzt- und Krankenhauswahl, auch spezialisierte Privatkliniken
    • Chefarztbehandlung und Unterbringung auf einer Privatstation im Krankenhaus
    • schnelle Terminvereinbarungen
    • kurze Wartezeiten beim Arztbesuch
    • meist bessere medikamentöse Versorgung
    • flexibel gestaltbare Absicherung des Einkommens über ein Krankentagegeld im Krankheitsfall

    Selbstständige haben als versicherungsfreie Personengruppe den Vorzug, praktisch jederzeit in die private Krankenversicherung wechseln zu können. Aufgrund der einkommensunabhängigen Beiträge und hohen Rückerstattungen zahlen viele Selbstständige hier sogar deutlich weniger als in der GKV - trotz weitaus besserem Versicherungsschutz.

    Hohe Krankenkassenbeiträge:
    "Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

    Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

    Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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