Hamburg will GKV für Beamte attraktiver machen

    © pure-life-pictures - fotolia.com

    In der PKV gibt es derzeit rund 8,77 Millionen Vollversicherte. Bei fast der Hälfte davon handelt es sich um Beamte und deren Familienangehörige. Die „Beamten-Versicherung“ ist damit eine tragende Säule des PKV-Geschäftes. Sich privat zu versichern ist für Beamte attraktiv, weil sie wegen der Beihilfe ihres Arbeitgebers besondere Tarife nutzen können und nur einen Bruchteil der Beiträge „normaler“ Vollversicherter zahlen müssen.

    In der GKV können Beamte dagegen die Beihilfe nicht in Anspruch nehmen, erhalten aber auch keinen Arbeitgeberzuschuss wie sonstige Arbeitnehmer. Die Beiträge müssen daher zu hundert Prozent selbst getragen werden. Daher lohnt sich die „Gesetzliche“ für die meisten Beamten nicht. Sie rechnet sich nur bei niedrigen Gehältern und wenn gleichzeitig die kostenlose Familienversicherung genutzt werden kann. Das erklärt, warum bisher nur eine kleine Beamten-Minderheit von der GKV-Möglichkeit Gebrauch macht.
     

    Landesvorhaben nach Scheitern einer Bundesratsinitiative

    Ein Gesetzesvorhaben der Freien- und Hansestadt Hamburg könnte die Verhältnisse künftig umkehren. Wie Hamburgs Gesundheitssenatorin vor wenigen Tagen bekannt gab, will das Land demnächst Zuschüsse für beamtete GKV-Mitglieder zahlen. Ein Gesetzentwurf dazu existiert bereits, bedarf aber noch der Beratung und Verabschiedung in der Bürgerschaft. Die geplante Neuregelung soll ab 1. August 2018 greifen und sowohl für Berufseinsteiger als auch für schon bisher GKV-versicherte Beamte gelten. Von den rund 40.000 aktiven Beamten und 30.000 Pensionären der Hansestadt sind etwa 2.400 gesetzlich versichert. Das entspricht einem Anteil von 3,5 Prozent. Bei den bis zu 2.000 Neueinsteigern im nächsten Jahr lässt sich schwer sagen, wie viele die GKV-Option nutzen werden. Mit Zuschüssen sind es sicher mehr als ohne.

    Die Bundesländer Berlin und Thüringen hatten bereits in der ersten Jahreshälfte eine Initiative im Bundesrat gestartet, in der es u.a. auch um die Einführung von Zuschüssen für Beamte in der GKV ging. Der Antrag war aber im Frühsommer in der Länderkammer gescheitert. Nach Ansicht der Hamburger Gesundheitssenatorin ist daher jetzt jedes einzelne Land gefordert, entsprechende Regelungen für sich zu treffen. Die können natürlich immer nur für die jeweiligen Landesbeamten gelten.
     

    Finanzielle Auswirkungen nur schwer kalkulierbar

    Hamburg ist jetzt in dieser Hinsicht Vorreiter. Bei anderen Bundesländern gibt man sich bis dato vorsichtiger. Bremen kann sich zwar das Hamburger Modell gut vorstellen, doch ein konkretes Gesetzesvorhaben wurde bislang nicht vorgelegt. In Thüringen will man über mögliche Wege einer echten Wahl zwischen PKV und GKV erst einmal diskutieren. Und Berlin und Brandenburg – zwei Länder, die in der Vergangenheit ebenfalls GVK-Befürworter für Beamte waren – haben derzeit keine konkreten Absichten für ein Zuschuss-Gesetz.

    Diese Zurückhaltung dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass die finanziellen Effekte einer Zuschuss-Gewährung schwer zu kalkulieren sind. Die öffentliche Hand spart mit mehr GKV-versicherten Beamten zwar Kosten bei der Beihilfe, aber die Zuschuss-Gewährung bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Haushalte.
     

    Einstieg in die Einheitskasse?

    Sollte das Hamburger Vorhaben umgesetzt werden, sind die Auswirkungen dieses „Einzelfalls“ für die PKV erst einmal überschaubar. Dennoch beobachten die privaten Krankenversicherer das „Hamburger Modell“ mit großer Sorge. Denn es bedeutet eine Aushöhlung der privaten Beamten-Versicherung als wesentlicher Teil des Geschäftsmodells der PKV. Der PKV-Verband sieht in dem Antritt denn auch einen Einstieg in die „Einheitskasse“ und eine langfristige „Austrocknung“ der privaten Krankenversicherung. Es dürfte kein Zufall sein, dass der rot-grüner Hamburger Senat mit seinem Gesetz kurz vor der Bundestagswahl vorprescht, in dem SPD, Grüne und Linke wieder die Bürgerversicherung propagieren.

    Hohe Krankenkassenbeiträge:
    "Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

    Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

    Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

    Weiter zum kostenlosen PKV-Vergleichn >>>