Gesetzliche Krankenkassen - Ärzte zu Fehldiagnosen animiert?

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    Als vor etwa einem Jahr TK-Chef Baas in einem Interview darüber berichtete, dass es im Bereich der gesetzlichen Krankenkassen gang und gäbe sei, Ärzte zu gravierenderen Diagnosen bei Patienten zu veranlassen als eigentlich gerechtfertigt sei, schlug das hohe Wellen. Von Betrug war die Rede und in der Folge wurden Strafanzeigen gegen Baas selbst und einige andere „Verdächtige“ gestellt.

    Nach mehrmonatigen Ermittlungen scheint jetzt etwas mehr Dynamik in die Angelegenheit zu kommen. Ende September führten Mitarbeiter der zuständigen Staatsanwaltschaft Hamburg eine Hausdurchsuchung am Sitz der AOK Rheinland/Hamburg durch. Und auch andere Krankenkassen soll die Staatsanwaltschaft im Visier haben. Fast zeitgleich hat das Bundesversicherungsamt als zuständige Aufsichtsbehörde von 13 Krankenkassen Rückzahlungen in Höhe von 53 Mio. Euro für ungerechtfertigt erhaltene Finanzmittel eingefordert. Die Andeutung von Baas, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um eine systematische Vorgehensweise im großen Stil handelt, scheint sich mehr und mehr zu bestätigen.
     

    Je kränker, desto besser für die Kasseneinnahmen

    Für den im Gesundheitssystem Unkundigen ist eines solches Fehlverhalten auf den ersten Blick schwer nachzuvollziehen. Was für ein Interesse soll eine Krankenkasse haben, ihre Mitglieder kränker zu machen als sie eigentlich sind? Die Antwort liefert das Finanzierungssystem in der GKV. Die Krankenkassen finanzieren sich im Prinzip aus den Beiträgen ihrer Mitglieder. Die kommen allerdings der jeweiligen Krankenkasse nicht unmittelbar zugute, sondern fließen zunächst in den Gesundheitsfonds.

    Aus dem erhalten die Krankenkassen dann die Mittel, um sich und ihre Leistungen zu finanzieren. Dabei findet keine 1 : 1 - Weiterleitung der Beiträge statt. Bei der Verteilung wird berücksichtigt, dass die Krankenkassen unterschiedliche Mitgliederstrukturen besitzen. So gibt es zum Beispiel Kassen, in denen überproportional viele Menschen mit niedrigen Einkommen versichert sind oder die überdurchschnittlich viele ältere und damit auch kränkere Mitglieder haben. Damit solche Kassen finanziell nicht schlechter gestellt werden als andere mit günstigeren Strukturen, findet bei der Dotierung aus dem Gesundheitsfonds eine Art Finanzausgleich statt. Die „Krankheitssituation“ bei den einzelnen Krankenkassen spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Fachterminus dafür lautet: Morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich oder kurz Morbi-RSA.

    Die logische Konsequenz ist: wer die kränkeren Mitglieder hat, erhält auch mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds. Von daher wird verständlich, warum Krankenkassen ein Interesse an möglichst kranken Mitgliedern haben können - wenn auch nur auf dem Papier. Dabei geht es um keine Petitessen. Im Gesundheitsfonds werden Jahr für Jahr rund 200 Milliarden Euro „umgewälzt“ - eine Summe, die immerhin zwei Drittel des Bundeshaushalts entspricht. Das System zwingt dabei geradezu zu Fehlverhalten. Denn Krankenkassen, die „nicht mitmachen“, haben bei den Einnahmen letztendlich das Nachsehen. Insofern mag es tatsächlich so etwas wie einen Betrugswettbewerb gegeben haben.
     

    Hunderte Millionen Euro dem System entzogen

    Funktioniert hat das „Krankmachen“ wohl über Vereinbarungen mit den kassenärztlichen Vereinigungen. Dabei wurden Prämien an Ärzte in Aussicht gestellt, wenn Sie eine schlechtere Diagnose als möglich stellten. Es ging allerdings nicht darum, „falsche“ Krankheiten zu diagnostizieren, sondern darum, Diagnosen im Rahmen gegebener Beurteilungsspielräume in eine ganz bestimmte, für die Krankenkassen günstige Richtung zu lenken. Über die Jahre sollen dabei erkleckliche Prämien-Summen zusammengekommen sein. Hochrechnungen gehen von einer Größenordnung von mehreren hundert Millionen Euro aus. Das ist Geld, das dem Gesundheitssystem letztlich zweckwidrig entzogen wurde - höchste Zeit, diese Fehlsteuerung zu beenden.

    Hohe Krankenkassenbeiträge:
    "Privatpatienten" zahlen oftmals weniger!

    Selbstständige, Freiberufler und Beamte können uneingeschränkt in die Private Krankenversicherung wechseln. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

    Das Privileg "privat versichert" zu sein nutzen viele Berechtigte nicht nur wegen der weitaus besseren Leistungen. Auch die Beiträge sind in der PKV oftmals günstiger, als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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