"Eltern mit Kindern zahlen in der GKV drauf!"

    Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung liegen über den beanspruchten Leistungen.

    Der folgende Artikel entstammt einer Veröffentlichung des Magazines “PKV-Publik - 04/2009” des Verbandes der privaten Krankenversicherung e.V. Für die Inhalte fremder Quellen wird keine Haftung übernommen.

    Trotz beitragsfreier Mitversicherung müssen Familien in der gesetzlichen Krankenversicherung durchschnittlich fast 60 Prozent mehr bezahlen als sie selbst an Gesundheitsleistungen benötigen.

    Profitieren Familien mit Kindern eigentlich von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)? Auf Anhieb werden viele diese Frage bejahen, schließlich gibt es dort die beitragsfreie Mitversicherung von Familienmitgliedern. Doch bei näherem Hinsehen ergibt sich ein anderes Bild: Das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) hat jetzt nachgewiesen, dass gesetzlich versicherte Eltern in der Regel mehr bezahlen müssen, als die Familie selbst an Gesundheitskosten verursacht. Erst ab Haushalten mit vier Kindern ändert sich das Bild – doch die deutsche Durchschnittsfamilie hat nur 1,4 Kinder.

    Das aktuelle WIP-Diskussionspapier „Familienförderung in der Gesetzlichen Krankenversicherung? Ein Vergleich von Beiträgen und Leistungen“ ergänzt die Studie „Solidarität in der GKV: Was leistet die beitragsfreie Familienversicherung?“. Darin hat das Institut weitere, für Familien nachteilige Effekte im aktuellen GKV-Beitragssystem aufgezeigt: So kann dort auch keine Rede von einem solidarischen Ausgleich entsprechend der Leistungsfähigkeit von Familien sein (siehe PKV Publik 2/2009).

    Im neuen WIP-Papier werden die von Familien gezahlten Beiträge nun den von ihnen beanspruchten Leistungen gegenübergestellt. Dazu hat das Institut auf der Basis durchschnittlicher Versichertenbiografien die langfristigen Profile der alters- und geschlechtsabhängigen Beitragszahlungen sowie Gesundheitsausgaben statistisch ausgewertet.

    Das Ergebnis der Berechnungen:

    • Eine Familie mit durchschnittlichem Einkommen gehört selbst dann, wenn sie drei Kinder hat, noch bis zum Renteneintritt der Eltern zu den Nettozah­lern in der GKV.
    • Erst ab dem vierten Kind wird eine Familie zum Nettoempfänger.
    • Für die statistische Durchschnittsfamilie mit 1,4 Kindern ergeben die durchgerechneten Profile, dass die gezahlten Beiträge deutlich über den benötigten Gesundheitsleistungen liegen. Das familienpolitische Ziel der Förderung von Familien in der GKV wird in der Erwerbs­phase also nicht erreicht. Dies wiegt umso schwerer, als Durchschnittsverdiener mit Kindern ohnehin finanziell stark beansprucht sind.


    Eine Durchschnittsfamilie, in der die Eheleute 40 Jahre alt sind, entrichtet beispielsweise circa 6.200 Euro GKV-Beitrag im Jahr, benötigt aber nur Gesundheitsleistungen im Wert von 3.900 Euro (Auswertung auf Basis des Jahres 2006). Somit zahlt diese Familie 2.300 Euro mehr ins Gesundheitssystem ein, als sie selbst benötigt. Mit diesem Geld finanziert die Familie die Gesundheitsausgaben für andere Gruppen mit, vor allem für Rentner.

    Der Altersausgleich verdrängt den Familienausgleich
    Die Analyse der Profile zeigt deutlich, warum es zu diesem familienpolitisch ungünstigen Ergebnis kommt: Die größte Differenz zwischen Beitragseinnahmen und Leistungsausgaben besteht im Rentenalter. Die meisten Beitragseinnahmen in der GKV werden für Rentner benötigt. Denn die Gesundheitsausgaben steigen im Alter überproportional stark an, während zugleich die Rentner effektiv weniger Beitrag zahlen, da die Alterseinkünfte in der Regel niedriger sind als die vorherigen Erwerbseinkünfte. Somit ist das Umlageverfahren in der GKV vor allem darauf ausgerichtet, den Ausgleich „Jüngere für Ältere“ zu finanzieren. Die Belastung dadurch ist so groß, dass für den Familienausgleich faktisch kein Geld mehr übrig bleibt.

    Der Generationenausgleich wird immer teurer
    Im Schnitt subventioniert eine Familie mit zwei Kindern, die über ein ohnehin nicht üppiges Durchschnittseinkommen verfügt, mit ihren Beiträgen auch noch die Krankenversorgung eines Rentners – wobei es ja durchaus auch wohlhabende und einkommensstarke Rentner gibt.

    Dieses Ungleichgewicht wird sich überdies weiter verschärfen. Denn die Gesundheitsausgaben für Ältere wachsen in absoluten Zahlen stärker an als die für Jüngere. Dadurch erhöht sich in einer zusehends alternden Gesellschaft der Ausgleichsbedarf zwischen Alt und Jung. Dies führt dazu, dass der Familienausgleich in Zukunft sogar immer stärker vom Altersausgleich verdrängt wird.

    Unter dem Strich ist damit die Annahme widerlegt, es gebe eine „beitragsfreie Mitversicherung“ von Kindern und Ehepartnern in der GKV. Denn die WIP-Analyse zeigt, dass Durchschnittsfamilien mit Kindern ihre Gesundheitsausgaben im gesetzlichen Krankenversicherungssystem nicht nur selber decken: In der Regel müssen sie sogar noch die Gesundheitsausgaben anderer Versicherter mitfinanzieren. So lautet das Fazit der Studie: Ein zentrales familienpolitisches Ziel, nämlich die Entlastung der Familien mit Kindern, wird in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht erreicht.


    Quelle: Verband der privaten Krankenversicherung e.V.
    wissen-pkv.de ist für die Inhalte fremder Quellen nicht verantwortlich.

    Vorsicht geboten bei "Lockvogeltarifen"!

    Die Preisunterschiede in der Privaten Krankenversicherung variieren zum Teil deutlich. Nicht selten locken Anbieter mit günstigen "Einstiegsbeiträgen" (z.B. Berufseinsteiger, Anwärter, Studenten), die sich jedoch später im Haupttarif verteuern können. Fragen Sie daher immer nach dem Beitrag, der nach einer etwaigen Karenzzeit anfällt. Wählen Sie zudem immer einen Anbieter, der auch Beitragsrückerstattungen auszahlt. Nutzen Sie hierfür unseren kostenlosen PKV-Vergleich und sparen Sie regelmäßig mehrere hundert Euro im Jahr ein!

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